Hand auf’s Herz, Kinderschokolade in den Mund

Ich stehe auf Kriegsfuß mit Ratgebern. Sowohl mit denen aus Papier als auch mit denen aus Fleisch und Blut. Insbesondere rat gebende Muttertiere sind mir ein Dorn im Auge. Was sage ich? Ein ganzer Rosenstrauch.

Drei Typen der Gattung Mutter stoßen mir am heftigsten auf. Nummer 1 auf meiner persönlichen Nervliste ist die debil lächelnde Geschäftsfrau, die zugunsten ihrer Sprösslinge ihren top bezahlten Managerjob aufgibt, erfolgreich einen gemeinnützigen Verein gründet, als Selbstverwirklichungscoach verzweifelten Müttern den Weg weist und ihre Kinder nicht erzieht, sondern begleitet. Das bekommt ihren vier Rackern so wunderbar, dass für Mama ausreichend Zeit bleibt. Zeit für Fitness, romantische Abende zu zweit und ausgiebig Wellness. Die Finanzen reichen selbstverständlich für ein schnuckeliges Vorstadthaus.

Nummer 2 belegt die entspannte Großstadtmama, die sich einen feuchten um andere kümmert, alles grundsätzlich als stumpfsinnig degradiert und die sich selbst genügt. Kind und Papa natürlich eingeschlossen. Sie wuppt Kind und Haushalt irgendwie, falls sie scheitert ist das auch egal, weil. …naja, sie sich selbst genügt. Ganz im Gegenteil, Fehltritte des Alltags sind in ihren Augen das Salz in der Erde.

Last but not least, die eiserne Mama. Sie ist streng zu sich und dem Nachwuchs. Doch der Erfolg gibt ihr Recht. Nach einem halben Jahr ist der Speck weg, der berufliche Wiedereinstieg geschafft und der Sohnemann kurz davor zu gehen.

Uarrg. Und wisst ihr, warum sie nerven? Weil sie das schaffen, was mir partout nicht gelingen will. Sie haben ein Konzept, das sie leben und verteidigen. Alles scheint so klar. Familie-Selbstverwirklichung-Beruf-Gesundheit-Erziehung-finanzielle Sicherheit. Bei mir scheitert es nicht an der Umsetzung. Nein, das Scheitern beginnt viel früher. Schon die Zielsetzung kommt nicht zustande. Die Fähigkeiten des Kindes gezielt fördern? Aber nicht überfordern? Klare Grenzen setzen?  Trotzdem nicht autoritär einschränken? Konsequent, aber nicht stur sein? Von Herzen lieben, aber nicht verwöhnen? Vorbild sein und trotzdem authentisch? Geld verdienen und dabei ausreichend Zeit und vor allem Nerven für das Kind haben?  Boah. Das macht mich wahnsinnig. Dabei befinde ich mich noch in der Elternzeit. Verfüge also über zeitliche Flexibilität und der Erziehungsbedarf hält sich bisher in Grenzen. Was erwartet mich dann erst nach meinem beruflichen Wiedereinstieg??? Bin ich die einzige, die sich von ihrer Intuition entfernt hat und manchmal einfach unsicher ist???

Da ich keinen Schnaps trinken darf, verdrücke ich jetzt erstmal eine Packung Kinderriegel. Selbstverständlich erst, wenn mein Mäusezahn schläft.