Tipps für die Eingewöhnung

2017_08_25 auf dem Spielplatz mitNora (2)

Nachfolgend möchte ich euch gerne ein paar Tipps zur Eingewöhnung geben. Diese sind keine Garantie für eine gelungene Eingewöhnung, schließlich ist jedes Kind individuell. Doch können sie den Eingewöhnungsprozess unterstützen. Uns haben sie geholfen. Ich bin weder Psychologe noch Pädagoge, aber das sind die Erfahrungen, die wir gemacht haben.

Vor der Eingewöhnung

1. Die eigene Haltung reflektieren

Eure eigene Haltung gegenüber Betreuungseinrichtungen spielen eine große Rolle. Wie immer überträgt sich diese auf euer Kind. Verbindet ihr positive Momente mit dem bevorstehenden Ereignis, wird auch das Kind sich entspannen können. Und andersrum.
Macht euch eure eigenen Erfahrungen bewusst. Fragt dazu auch eure eigenen Eltern. Waren es vorwiegend positive? Umso besser, dann berichtet eurem Kind davon. Sind sie eher negativ geprägt, dann überlegt, woran das lag und wie ihr das bei eurem Kind vermeiden könnt.

Identifiziert die Vorteile der neuen Betreuungssituation. Ich habe mir vorab immer wieder verdeutlicht, dass Knöpfchen endlich eine Welt in ihrer Größe bekommt. Ehrlich gesagt, verbinde ich mit der Kita auch die Hoffnung, dass meine Tochter wichtige Sozialregeln erwirbt, die ihr ein späteres Zurechtfinden in sozialen Gruppen erleichtern werden. Außerdem können ihr die Erzieher*innen ganz andere pädagogische Angebote machen als ich Zuhause. Ganz abgesehen davon, dass mein Mann und ich endlich wieder arbeiten können.

2. Das Gespräch mit der Einrichtung suchen

Falls es euch schwer fällt, Vorteile zu finden oder ihr als Eltern im gemeinsamen Gespräch eigene Unsicherheiten nicht auflösen könnt, wendet euch an eure Einrichtung. In der Regel gibt es vorab sowieso 1-2 Erziehungsgespräche. Dort könnt ihr die Bedürfnisse eures Kindes konkret benennen und erfahren, inwiefern sie berücksichtigt werden können. Am besten ihr schreibt vorab alle Punkte auf, die euch wichtig sind. In der Einrichtung kann die bevorstehende Trennung von dem Kind mit voller Wucht bewusst werden. In dem Gefühlswirrwarr passiert es schnell, dass dann die ein oder andere Frage vergessen wird.

3. Dem Sprössling die Kita schmackhaft machen

Wichtig ist auch, dem Kind von der Eingewöhnung zu berichten. Erzählt ihm, dass es bald an einem neuen spannenden Ort sein wird, wo viele Freunde und Abenteuer warten. Auch hier macht  der Ton die Musik. Wenn ihr eurem Kind von der Kita berichtet als wäre es ein Straflager, steigt die Lust darauf sicherlich nicht. Vermeidet also Sätze „Am Montag geht es in die Kita. Das wird hart, aber du schaffst dann schon!“

Hilfreich ist es auch, wenn ihr vorab dem Kind die Einrichtung zeigt und es das bunte Treiben etwas beobachten kann. Manche Einrichtungen bieten sogar so eine Art Krabbelgruppe an, wo man während der Elternzeit für 2 Stunden in der Woche im Kitabetrieb einfach mitläuft. So lernt das Kind zumindest die Räumlichkeiten schon kennen. Ansonsten einfach vom Zaun aus den anderen Kinder zugucken oder mit einer befreundeten Mutter deren Sprössling abholen.

4. Testsituationen schaffen

Die Abnabelung vorher trainieren, kann nicht schaden. Sucht nach Möglichkeiten, euer Kind vor der Eingewöhnung schon mal „fremdbetreuen“ zu lassen. In der Verwandtschaft gibt es sicherlich, die eine oder andere Oma, die sich darum reißt, Zeit mit dem Enkelchen alleine zu verbringen. Häufig sind auch Freunde dazu bereit. In größeren Städten gibt es auch Familienzentren oder Fitnessstudios mit Kindbetreuung (auch für externe Kinder), wo Kinder 1-2 Stunden kindgerecht betreut werden.
So ein Test ist in zweierlei Hinsicht hilfreich: Erstens lernt das Kind, dass Mama und Papa wiederkommen, wenn sie weggehen und zweitens, lernen die Eltern loszulassen. Das ist nämlich gar nicht so einfach. Bei einer Eingewöhnung lässt sich das zwar auch alles lernen, doch steht dann meistens der berufliche Wiedereinstieg vor der Tür, wodurch eine gewisser zeitlicher Druck entsteht. Bei der Probebetreuung kann jederzeit die Resettaste gedrückt werden.

Allerdings ist es nicht Ziel,  möglichst unterschiedliche Personen in die Betreuung einzubeziehen, sondern regelmäßig das beidseitige „Loslassen“ mit einer weiteren Bezugsperson zu trainieren. Das kann sowohl für Eltern als auch definitiv für das Kind ein herausfordernder Prozess sein. Indem man es „übt“ , normalisiert sich dieser Moment. Zu viele unterschiedliche Personen können hingegen überfordern.

In unserem Fall gab es durch meinen  vorzeitigen beruflichen Einstieg einen sehr abrupten Bezugspersonenwechsel. Meine Tochter musste quasi von heute auf morgen akzeptieren, dass statt Mama Papa den ganzen Tag da ist. Für uns drei war das eine große Herausforderung. Die Eingewöhnung in die Kita wuppten wir im Nachhinein betrachtet mit links.

Während der Eingewöhnung

5. Klare Worte finden

Und zwar für jeden in dieser Dreiecksbeziehung. Dem Kind gegenüber ist es nicht nur wichtig, klar zu kommunizieren, was gerade passiert, sondern auch sich kurz, aber eindeutig zu verabschieden, wenn ihr geht und sich ausdrücklich freuen, wenn ihr kommt. Vermeidet heimliches Verlassen des Raumes genauso wie dramatische Abschiedsszenen und Knuddeleien. Beides führt zur Überforderung des Kindes.

Am besten ihr entwickelt ein klares Abschiedsritual. Ich drehe Knöpfchen immer zu mir, halte ihr Gesicht in den Händen und suche den direkten Blickkontakt. Dann erkläre ich ihr in kurzen Sätzen, dass ich jetzt gehe und z.B. in drei Stunden oder nach dem Mittagessen wiederkomme. Dann bekommt sie ein Küsschen. Ich verabschiede mich von der Erzieherin, winke noch einmal und gehe hinaus ohne mich umzudrehen.

6. Das Verhältnis zur Erzieherin

Das Verhältnis zu Erzieherin oder dem Erzieher ist ein wichtiger Wegweiser für euer Kind. Es beobachtet ganz genau, wie sich die Eltern der neuen Bezugsperson gegenüber verhalten und imitiert das beobachtete Verhalten. Zeigt euch der Erzieherin zugewandt, so fällt es eurem Kind leichter, Vertrauen zu ihr zu fassen. Hingegen wird skeptisches oder gar abweisendes Verhalten euer Kind stark verunsichern und eher daran hindern, eine Bindung aufzubauen.
Sicherlich kann der Gedanke, dass das Kind nun rein zahlenmäßig mehr Zeit mit einer anderen Bezugsperson verbringt beängstigend sein. Nicht selten kommt ein Gefühl der Bedrohung auf, sowohl der eigenen Identität als Mutter (Hat mein Kind die Erzieher lieber als mich?), als auch der Identität des Kindes (Behandeln die Erzieher mein Kind nicht zu grob?). Derartige Emotionen beeinflussen eure Verhalten. Falls euch solche Ängste rumtreiben, vergegenwärtigt euch die Vorteile, die durch den Zugewinn einer neuen Bezugsperson entstehen (eigene Entlastung, pädagogisch adäquates Eingehen auf die kindlichen Bedürfnisse).

Im Zweifel sucht das Gespräch. Am besten mit den Erzieher*innen oder der Einrichtungsleitung. Andere Eltern können auch eine Hilfe sein, dabei solltet ihr euch aber bewusst machen, dass alle Erfahrungen letztendlich individuell sind. Im Nachhinein habe ich über Knöpfchens Erzieherin einige Infos erhalten, die mich vorab skeptisch gestimmt hätten. Jetzt weiß ich Knöpfchen liebt ihre Erzieherin und fertig. Da passt die Chemie. Egal, was andere sagen.

7. Dem Kind vertrauen

Häufig neigen Eltern dazu, eigene Ängste und Erfahrungen in das kindliche Verhalten zu projizieren. Das ist natürlich und nicht verwerflich, aber manchmal eben nicht hilfreich. Vor allem treibt Eltern die Angst um, dem Kind einen dauerhaften psychischen Schaden zuzufügen. Ja, die Trennung ist schwer. Ja, das Kind wird weinen. Doch dank der Eingewöhnungsphase, die in einigen Einrichtungen sogar 8 Wochen umfasst, kann der kindliche Schmerz durch die neue Bezugsperson aufgefangen werden. Das ist eine unglaubliche wichtige Daseinserfahrung: Mama geht weg, kommt aber wieder. Ich komme auch ohne Mama klar und zwar mit Hilfe von XY.  Das eigene Kind kann viel mehr als man denkt, wenn man es nur zulässt.

Über das Eintrittsalter mag man sicherlich streiten. Ich jedoch habe schon vor dem Ende meiner Elternzeit gedacht, dass ich meinem Kind nicht genug bieten kann. Vielleicht fehlt mir die Kreativität, in jedem Fall aber die räumlichen und finanziellen Möglichkeiten, um ihr Zuhause so ein kindgerechtes Paradies zu bieten, wie sie es in der Kita hat.

8. Einen Plan B entwickeln

Ganz ehrlich, wir hatten keinen. Es musste klappen. Wenn ich auch tierisch aufgeregt war, so vertraute ich im tiefsten Inneren auf die Fähigkeiten meiner Tochter. Zu Recht. Gerade eben hat sie mir gewunken, gelächelt und sich umgedreht, um den Frühstückswagen zu holen. Mit der Erzieherin und nicht mit Mama.

Was ich getan hätte, wäre sie verzweifelt? Wahrscheinlich gekündigt und einfach noch länger Zuhause geblieben. Ich habe inzwischen einige Eltern kennengelernt, die die Einrichtung wechselten oder eine Tagesmutti suchten oder selbst die Betreuung für ein weiteres Jahr übernahmen. In allen Fällen war es der einzig richtige und wichtige Schritt für alle Beteiligten. Aus verschiedenen Gründen hat es nicht funktioniert und dann sollte man so ehrlich zu sich sein und entsprechende Konsequenzen ziehen ohne sich und vor allem das Würmchen weiterzuquälen.