Starken Frauen im Kurzporträt – Maria Montessori

Meine Reihe „Starke Frauen im Kurzporträt“ widmet sich erfolgreichen Frauen aus Geschichte und Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen jedoch nicht das Schaffen und die Erfolge. Vielmehr spüre ich der Frage nach, wie verbanden sie die Bereiche Familie und Beruf? Gelang es ihnen, das Vereinbarkeitsdilemma zu lösen? Ist das eventuell sogar DER Baustein zu ihrem Erfolg? Im pointierten Blitzlicht erfahrt ihr heute mehr über die Ärztin, Reformpädagogin und Philosophin Maria Tecla Artemisia Montessori.

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Kurzporträt Maria Montessori (1870 – 1952)

  • Maria Montessori hat ihr Leben den Kindern gewidmet. Mit dem Motto: „Hilf mir, mir selbst zu helfen„, ist ihre Arbeit auch heute noch lebendig.
  • Marias Vater galt als sehr konservativ, während die Mutter hochgebildet war und eher liberale Ansichten vertrat. Die Eltern lebten ein traditionelles Familienbild, die Mutter unterstützte dennoch alle emanzipatorischen Vorhaben des einzigen Kindes.
  • Maria entschied sich mit 13 Jahren auf eine technische Schule zu gehen, um Ingenieurin zu werden. Sie war das einziges Mädchen auf einer reinen Jungenschule.
  • Maria Montessori wollte Medizin studieren. Dies wurde erst möglich nachdem sie Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer studierte. Ihre Entscheidung führte zum Bruch mit dem Vater.
  • Nach erfolgreichem Medizinstudium in Rom erwirbt sie als erste Frau Italiens 1896 den medizinischen Doktorgrad. Bei einem eindrucksvollen wissenschaftlichen Vortrag von ihr versöhnte sie sich mit dem Vater.
  • Parallel engagiert sich Montessori für die Rechte der Frau und hält mit 26 Jahren Vorträge über Frauenemanzipation.
  • Maria Montessori verliebte sich in ihren Kollegen Dr. Giuseppe Montesano. Dieser wand sich jedoch von ihr ab und heiratete eine andere Frau.
  • Maria Montessori brachte am 31. März 1898 einen Sohn von ihm zur Welt. Sie hielt die Geburt geheim und gab ihn zu einer Amme, später in ein Internat.
  • Maria äußerte sich nie dazu, daher ist unklar, was sie zu dem Schritt veranlasste. Es gab Spekulationen, dass die eigene Mutter sie zum Verleugnen des Sohnes veranlasste, da ein uneheliches Kind ihrem öffentlichen Ansehen schaden könnte.
  • Klar ist jedoch, dass Montessori mit der Geburt ihres Sohnes ihren Kampf gegen das Bild der Frau als friedsame Mutter aufnahm.
  • Sie hielt Kontakt zu ihrem Sohn und holte ihn schließlich nach dem Tod der eigenen Mutter 1913 zu sich. Er wurde später zu ihrem Assistenten und begleitet sie zusammen mit seiner Frau und seinen vier Kindern überall auf der Welt.
  • Maria Montessori verstarb 1952 in Noodwijk aan Zee. Ihre Grabaufschrift lautet: „Ich bitte die lieben Kinder, die alles können, mit mir zusammen für den Aufbau des Friedens zwischen den Menschen und in der Welt zu arbeiten“. Nach ihrem Tod führte ihr Sohn ihre Arbeiten fort.

Maria Montessori stellt ihr berufliches Wirken in das Zentrum ihres Lebens. Als die Geburt ihres unehelichen Sohnes drohte, ihr öffentliches Engagement zu beenden, entschied sie sich dafür, ihn wegzugeben. Ob dies aus Druck von außen durch ihre Mutter geschah oder intrinsisch motiviert war, ist nicht bekannt. Allerdings war Maria Montessori gewöhnt, sich gegen familiäre oder gesellschaftliche Konventionen aufzulehnen. Dass sie sich als Mutter dem plötzlich beugte, ist erstaunlich. Es mag kein leichter Schritt gewesen sein, für eine Frau, die heute wie keine andere Wissenschaftlerin für ihre Liebe zu Kindern steht. Die gescheiterte Beziehung und die Geburt stellten gleichzeitig ein Schlüsselmoment in ihrem Schaffen dar. Denn in diese Zeit fällt die Hinwendung zur Pädagogik und ihren Kampf gegen damalige Männerherrschaft. Später löst sie das Vereinbarkeitsdilemma geschickt, indem sie ihren Sohn als Mitarbeiter und Unterstützer an ihre Seite holte. Doch der Beruf hatte bei Maria Montessori immer Vorrang. Deutlich wird dies einmal mehr als sie in den 30ern mit Mussolini kooperierte, um ihre Lehren zu verbreiten. Erst als dieser sie in ihrem Schaffen einschränkte, wandte sie sich von ihm ab.