Survival of the Hibbels – Masterplan für Hibbelhonkanfänger – Die Theorie

Hast Du den Hibbelhonktest bestanden? Ja?! Na, ‚Herzlichen Glückwunsch‘ oder vielleicht doch lieber ‚Herzliches Beileid‘? Sicher bin ich mir nicht. Denn seien wir ehrlich. Hibbelhonks haben es nicht einfach. Besonders wenn die Mens kommt. Als hart gesottenes Hibbelhonkweibchen weiß ich in solchen Momenten nicht, auf wen ich zuerst sauer sein soll? Auf meine Gebärmutter? Diese Verräterin. Wäre sie eine Politikerin, hätte sie vermutlich den Charakter von Angela Merkel und wäre wie eine Raute geformt. Sie sitzt meine Fruchtbarkeitspimpversuche einfach aus. Oder auf meinen Frauenarzt? Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich das starke Bedürfnis habe, den nächsten Gynäkologen, der mir vor die Nase läuft, mit hoch erhobener Faust und schrillem Gebrüll „Erfüllter Kinderwunsch für alle!“ vor mir herzutreiben. Oder vielleicht auf meinen Mann? In Zeiten wie diesen verbringen wir meine fruchtbaren Tage hin und wieder mit fruchtlosen Diskussionen. Am Ende bin ich meistens auf mich sauer. Was die Kinderriegelindustrie sehr freut. Hibbeln ist nunmal kein Spaziergang. Im Gegenteil. Es ist physisch und psychisch eine Herausforderung. Mit einem Gips den gelben Schein auf Arbeit einzureichen ist eine Wonne dagegen. Kann ich aber nicht. Stattdessen Schachmatt wegen depressial verursachter Kinderriegelsucht.

Wie übersteht das Hibbelhonk die Hibbelzeit? Hat es überhaupt eine Überlebenschance? Selbstverständlich recherchierte ich fleißig nach einer Lösung. Allerdings fand Google innerhalb von 0,50 Sekunden 471.000 Ergebnisse zu dem Thema ‚offener Kinderwunsch‘. Zum Vergleich: Für das Thema ‚Überleben als Hibbelhonk‘ gab es genau 1 Ergebnis in 0,28 Sekunden. Daher bat ich Euch Profi-Hibbelhonks, Eure persönlichen Tipps und Tricks zum Besten zu geben. Nachfolgend fasse ich die zahlreichen Nachrichten von Euch und für Euch wohl portioniert zusammen.

Das Wichtigste zu Beginn: Bist Du ein Hibbelhonk, machst Du ab jetzt nur noch eines. Du tust DIR Gutes! Alles, was Du tust, hat nur das eine Ziel – Dich zu verwöhnen und Dich aufzuwerten! Jedem Hibbelhonk gelingt das auf andere Art und Weise. Nachfolgend findest Du fünf ultimative Strategien für das Überleben als Hibbelhonk. Du entscheidest selbst, was zu Dir passt. Lesen und Lächeln ist der erste Schritt!


1. Austausch mit anderen Hibbelhonks

Die psychische Überlebenschance des gemeinen Hibbelhonks steigt erheblich, wenn es sich mit anderen Geschöpfen seiner Art zusammenrottet.  Nach aktuellstem Forschungsstand ist besonders darauf zu achten, dass eine Ansammlung von Hibbel- und Kugelhonks vermieden wird. Als hilfreich hingegen gilt eine Verbindung homogener Hibbelhonkgruppen.

Da Hibbelhonks zum Teil sehr gut getarnt leben, lohnt sich der Beitritt in einschlägige Gruppen im Internet (Facebook, Urbia etc.).

Wichtiger Warnhinweis: Das gemeine Hibbelhonk sollte nicht zu lange in den Internet-Gruppen verweilen. Regelmäßig werden positive Tests gepostet oder von erneuten Aborten berichtet. Es überrascht daher nicht, dass einzelne Hibbelhonkweibchen den dringenden Wunsch entwickeln, beim nächsten positiven Test sämtliche Server in Europa, USA oder Bhutan in die Luft zu sprengen.

 
2. Bewegung und Ernährung für Hibbelhonks

Um seine Fortpflanzungskompetenz zu steigern, absolviert das gemeine Hibbelhonk ein ernährungswissenschaftliches Studium an der Dr.-Google-Bing-Akademie und informiert sich ausführlichst über Ernährung während des Kinderwunschs und der Schwangerschaft. So weiß es sehr genau, was sein Körper nützt oder schadet: Ausreichend Makro- und Mikronährstoffe, gesunde Ernährung, viel Schlaf und Bewegung. In der Regel hortet das Hibbelhonk ergänzend ein Arsenal an Nahrungsergänzungsmitteln (Folio Forte, Vitamin D3, Vitamin B12, Eisen etc.) im Hibbelbau.

Allerdings legen sich Hibbelhonks auf diese Weise ein Seelenkorsett an, dass viel zu sehr zwickt, zwackt und jegliche Freude am Sein (und Essen) nimmt. Der gesamte Ernährungsplan unterliegt nur dem einen Gedanken: Den Körper auf die Schwangerschaft vorzubereiten und sämtliche am Ovulationsprozess beteiligten Akteure (Samenzellen, Eiszellen) zu pimpen.

Das Hibbelhonk sollte sich daher mehr Normalität zugestehen: Zum Beispiel den Kaffee am Morgen, den Kinderriegel zwischendurch und das Gläschen Wein am Abend genießen – auch oder gerade – in der zweiten Zyklushälfte.

Kein Hibbelhonkweibchen erleidet eine Fehlgeburt oder verhindert die Einnistung des Embryos, wenn es etwas von den von fortgeschritteneren Hibbelhonks verpönten Lebensmitteln – im richtigen Maß selbstverständlich – konsumiert. Den Embryo stört das nicht, das Wohlbefinden des Hibbelhonkweibchens hingegen schon. Denn vor lauter Gedankenkreisen und aus Angst den Körper zu sehr zu belasten, vergisst das Hibbelhonkweibchen vor allem eines: Zu leben!


3. Neue Hobbys, Jobs oder Fortbildung für Hibbelhonks
„Lebe als hättest Du keinen Kinderwunsch!“, ist der ultimative Tipp von erfahrenen Hibbelhonkcoaches. Betroffene neigen fälschlicherweise dazu, Aktivitäten zu unterlassen und sich ausschließlich auf das Ziel ‚Schwangerschaft‘ zu fokussieren. Dabei entwickeln sie die Lebensfreude und den Humor einer Darstellerin aus einer Reality Soap von RTL II.

Widmet sich das Hibbelhonkweibchen hingegen neuen Hobbies und beruflichen Zielen, lässt sich das Level der Lebensqualität auf das Niveau von Netflix oder sogar Disney+ erhöhen. Die Mehrheit der Hibbelhonkweibchen findet beispielsweise Ablenkung in der Ausübung von Hobbys wie Schreiben, Malen, Stricken, Häkeln sowie sportlichen Aktivitäten. Auch Meditation gilt als optimale Hibbelablenkung. Eine Prise Spiritualität kann ebenfalls nicht schaden.

Als eine weitere empfehlenswerte Überlebensstrategie hat sich wohl der Ausspruch „Sei egoistisch und hilf anderen“ bewährt. Ehrenamtliches Engagement oder caritatives Handeln gibt dem Hibbelhonk etwas zurück, was in der Hibbelphase leicht verloren geht: Sinnhaftigkeit.

Auch führt die Hibbelzeit nicht selten zur Stagnation im Beruf. Schließlich geht das Hibbelhonk bald in Elternzeit. Da wird ein unliebsamer Job nicht gekündigt, der anstrengende Chef ertragen oder eine lang andauernde Fortbildung vor sich hergeschoben. Stattdessen werden die Hibbelhonkbacken zusammengekniffen und weitergemacht bis das Beschäftigungsverbot winkt. Klassische Hibbelprokrastination also. Frust ist vorprogrammiert, weil das gemeine Hibbelhonk auf der Stelle hibbelt und tippelt.

Das muss nicht sein. Stattdessen ist dem gemeinem Hibbelhonk zu empfehlen, Mut zu beweisen und seine Hibbelhonkfühler auszustrecken. Eine Fortbildung hier, ein neuer Job da haben schon so manches Hibbelhonk in die Patrouille gebracht als es plötzlich den Zweistrichtest in der Hand hielt und das dem (neuen) Chef erklären musste. Selbstverständlich ist die berufliche Weiterentwicklung kein Garant für eine Schwangerschaft, aber für Ablenkung. Bleibt der erhoffte positive Schwangerachaftstest aus, bleibt immer noch die berufliche Erfüllung. Ist ja auch nicht zu verachten.

4. Kommunikation zwischen Hibbelhonkweibchen und Hibbelhonkmännchen

Hibbelhonkweibchen und Hibbelhonkmännchen teilen die Zuständigkeiten während der Hibbelzeit auf. Das Hibbelhonkweibchen fühlt sich verantwortlich oder schuldig, hat den Zyklus im Blick, informiert sich intensiv im Internet über Fruchtbarkeitsförderung, geht zum Gynäkologen sowie zu Selbsthilfegruppen. Das Hibbelhonkmännchen: nicht.

Bei der Interaktion von männlichen und weiblichen Hibbelhonks gilt es die Balance zu halten. Es ist wichtig sich gegenseitig Mut, statt Vorwürfe zu machen und über Hibbelängste zu reden, ohne ein Dauerthema daraus zu machen. Dem Hibbelhonkpaar ist zu empfehlen, der Fortpflanzung nicht nur auf Kommando der App oder des Ovulationstests zu fröhnen. Hier kann das Hibbelhonk von der Stabheuschrecke lernen. In Sachen Dauersex liegen die Stabheuschrecken ganz vorn. Diese filigranen Wesen kopulieren teilweise bis zu zehn Wochen am Stück.

5. Hibbelhonktagebuch

Bei den meisten Hibbelhonks hat seit mehreren Monaten, ja Jahren zwischen den beiden Ohren nichts anderes Platz als der Kinderwunsch. Das zu unterdrücken, führt zu einem Kinderwunschstau. Da kann es schon mal passieren, dass ein besonders rasender Gedanke ins Stauende düst und alles zum Explodieren bringt. Um das zu vermeiden, benötigt das Hibbelhonk ein Ventil. Anfängerhibbelhonks ist das Führen eines Hibbelhonktagebuchs nahezulegen, um diese Stauwirkung zu vermeiden. In diesem kann sich das gemeine Hibbelhonk zensurbefreit sämtlicher grausamer Gedanken, ekelhafter Emotionen und ärgerlicher Ängste entledigen. Es hat alles Platz: Wut, Trauer, Einsamkeit, Euphorie, Angst oder Glück.

Eine Anmerkung zum Schluss: Das schlaue Hibbelhonk wird erkannt haben, dass es darum geht, sich die Hibbelzeit mit attraktiven Ablenkungen zu versüßen. Von Ablenkung wird das gemeine Hibbelhonk selbstverständlich nicht schwanger. Von ständig-ans-Schwangerwerden-denken allerdings auch nicht. Das Hibbeln soll und darf seinen Platz haben. Vielleicht sollte es aber nicht unbedingt ein Platz vom Ausmaß des Central Parks oder des Roten Platzes sein. Der Pfingstmarktplatz von Buxtehude ist völlig ausreichend.

In meinem nächsten Beitrag nehme ich Euch mit in das natürliche Hibbelhonk-Biotop. In einem Selbstversuch habe ich die Effizienz der oben genannten Survival-Strategien einer empirischen Erhebung unterzogen. Wer Interesse an den Forschungsergebnissen hat, lässt mir gern ein Abo da und wird monatlich ganz automatisch mit Informationen aus der Hibbelwelt versorgt. Just do it!