Hibbelhonk in Quarantäne light

Anfang März war es soweit. Drei Monate Lockdown hatten wir überstanden und endlich durfte unser Knöpfchen wieder in die Kita. Das bedeutete vor allem eines: Entspannung für die gesamte Familie. Knöpfchen konnte nicht anders als ausgeglichen bezeichnet werden, der Mann und ich redeten wieder normal miteinander, die Vögel zwitscherten und kleine Kitze sprangen zusammen mit Schmetterlingen durch sonnenüberflutete Blumenwiesen. Kurzum der perfekte Zeitpunkt, um voller Elan meine alte Arbeitsstelle zu kündigen und mich auf den Wechsel in eine neue Stelle vorzubereiten. Wäre ein echt ungünstiger Zeitpunkt für einen Berufswechsel gewesen, wenn die Kitas jetzt noch geschlossen hätten. Da kam…TATAAAAAAA… die Quarantäne meiner Tochter. Es dachte sich eine britische Mutante: „Prima, ein Bombenplatz hier, um vor mich hinzuclustern. Ich bleibe. Ist voll nett und so.“ Was schließlich passiert, wenn ein cholerischer Gärtner, ein depressives Hibbelhonk mit Kontrollzwang und ein vierjähriges Kleinkind auf 64m² eingesperrt werden, erfahrt ihr hier.

Tag 1:

Wetter: Sonne satt
Stimmung: Am Boden. Ausgerechnet JETZT.
Symptome: Der Mann und Knöpfchen haben leichten Schnupfen.
Verlauf:
15:44 Uhr. Ich möchte juchzen und jauchzen. Nur nicht jetzt. Die Kitaleiterin kündigt die Quarantäne der gesamten Kita per Mail an. Meine Synapsen weigern sich derartige Informationen zu verarbeiten. Kaum kapiere ich, dass das voll kacke ist, folgt die Allgemeinverfügung der Stadt Jena. Dann explodieren die Synapsen.

Gedanke 1: Spitzenmäßig, dass wir den ganzen Tag Fenster geputzt, gestaubsaugt und gewischt hatten. Wäre echt bescheuert gewesen, wenn wir bei dem schönen Wetter, wandern gegangen wären. Nur bei Sonne sind schließlich die Flecken am Fenster gut zu sehen. Und in der Quarantäne habe ich für sowas üüüüberhaupt keine Zeit.

Gedanke 2: Was bedeutet „UNVERZÜGLICH in die eigene Wohnung begeben“? Beinhaltet ‚ohne Verzug‘ eine 10-Kilometer-Wanderung durch das Leutratal?

Gedanke 3: Mist, die erste Woche im neuen Job steht an und gleich in Quarantäne. So ein Kack.

Gedanke 4: Endlich Zeit für Knöpfchen, meinen Blog und die Einkommenssteuererklärung. Yipeeeh.

16:01 Uhr. Der Mann und ich beschließen, dass der kürzeste Weg von unserem Garten nach Hause über die Saale-Horizontale führt. Anschließend sondern wir uns ab und begeben uns unverzüglich in die eigene Wohnung. Brav.

Absonderung der Hibbelhonkfamilie

18:56 Uhr. Der WhatsApp-Chat der Elterngruppe läuft heiß. Hier die Highlights: Gunter, Papa von Anton aus der drei, hat den Azubi im Verdacht. Daraus entwickelt sich eine Diskussion darüber, dass die Berufsschulen als Brutstätte der Mutanten zur Verantwortung zu ziehen seien. Tabea, Mama von Heinz-Friedrich aus der sieben, bittet um Sachlichkeit und weist darauf hin, dass dies doch ein dufter Zeitpunkt für ein wenig Entschleunigung sei. Sie kenne da auch ein hervorragendes Online-Achtsamkeitsseminar…In das möchte Marianne, Mama von Alfons aus der vier, gerne ihren Arbeitgeber schicken, denn der möchte sie Montagmorgen 6 Uhr auf Arbeit sehen. Daraus entwickelt sich ein Diskurs, inwiefern die Allgemeinverfügung der Stadt Jena als Quarantänebeleg Gültigkeit hat oder nicht. Einig sind sich schließlich alle, dass das Gesundheitsamt Mist gebaut hat und die Mitteilung völlig unzureichend ist und sowieso alles kacke.


20:05 Uhr. Für meine Notizen verwende ich eine App. Die ist echt toll. Sie ist toll, weil sie kostenlos ist. Kostenlos ist sie, weil nach jeder gemachten Notiz Werbung angezeigt wird. Ich verbuche die aufgezwungen Wartezeit unter Entschleunigung für mich. Normalerweise gelingt es mir problemlos, die Werbung zu ignorieren und kurz in mich zu gehen bis ich weitere Notizen anfertige. Anbetracht der 14 Tage Eingesperrtseins, verlässt mich mein Achtsamkeitskompass leider. Ich starre gefühlte zwanzig Mal auf die Werbung für ein Spiel namens „Homescapes“. Dabei geht um einen ängstlich dreinblickenden Mann, Typ Beamter, der in die Falle geraten ist. Die Mission der Spielerin oder des Spielers ist es nun, durch das Verschieben diverser Riegel, den schusseligen Beamten vor dem Ertrinken in einer grünlichen Flüssigkeit zu retten. In der Demo klappt natürlich nichts. Wieso zieht der Demo-Volltrottel ständig die falsche Öffnung auf? Sieht doch ein Blinder, dass der Beamte dann stirbt. Am liebsten möchte ich selbst die Riegel ziehen. Ahnend, dass das das Ziel der Reklame ist, schalte ich das Handy aus.

Tag 2:
Wetter: Sonne satt
Symptome: Der Mann und Knöpfchen schniefen vor sich hin.
Stimmung: Irgendwie habe ich recht viele Haare auf der Nase…
Verlauf:
09:48 Uhr. Es ist Sonntag. Was im Lockdown funktionierte, wirkt auch in der Quarantäne. Wir reaktivieren Albas tägliche Sportstunde für Kinder. Knöpfchen tobt durch die Wohnung. Arme Nachbarn.

11:01 Uhr. Kurzerhand transformieren der Mann und ich die Quarantäne in eine Quantine und erstellen einen Essensplan für die kommenden zwei Wochen. Uns kommt der Gedanke, dass es ein optimaler Zeitpunkt für eine Fastenkur wäre. Der Mann und ich müssen herzhaft lachen.  Selbstverständlich verwerfen wir den Plan. Niedriger Zuckerwert in der Quarantäne? Da erreichen wir nicht mal Tag drei, bevor wir zu Zombies mutieren. Stattdessen fragt der Mann zu Recht, ob wohl zehn Tafeln Schokolade ausreichen? Wir sind uns einig. Tun sie. Nicht.

13:12 Uhr. Mittags kommt es zur ersten Krise. Pünktlich zum Quarantänebeginn schrotte ich den Mixer. Das bedeutet ab sofort kein Nicecream mehr. Knöpfchen und ich sind am Rande eines Nervenzusammenbruchs.

13:31 Uhr. Der Mann deeskaliert die Situation durch Einsatz komplexer Recherchefähigkeiten und findet tatsächlich das deformierte Ersatzteil im Netz. Da ist es nicht deformiert. Wir müssen 5 Euro Versandkosten für ein 1cm Stück Plastik zahlen. Egal. Es sichert den Familienfrieden.

15:01 Uhr. Der Mann wird in den Garten verbannt (ja, wir Eltern dürfen raus!), Knöpfchen darf Eiskönigin suchten und ich setze an, um meinen Blog mit unterhaltsamen Artikeln zu füttern.

15:03 Uhr. Ich rege mich über „Homeescapes“ auf.

15:21 Uhr. Mich regt die WhatsApp Gruppe auf.

20:11 Uhr. Kein Wort für den Blog geschrieben. Aber drei Wäschekörbe prokrastiniert.

Tag 3:
Wetter: Sonne und Regen.
Symptome: Rotznasen beim Mann und Knöpfchen
Stimmung: Ich zähle die Haare auf meiner Nase. Es sind 51.
Verlauf:
08:09 Uhr. Ich gehe hamstereinkaufen. So zur Sicherheit den Kinderriegelvorrat aufgestockt.

Quantine

09:16 Uhr. Der Mann hypochondert. Selbstverständlich ist mein Besuch einer Freundin dafür verantwortlich, dass wir nun alle Corona haben. Sein Halskratzen ist Beleg für mein schändliches Tun. Kurzentschlossen geht der Mann zum Arzt, um sich ein Stäbchen in die Nase schieben zu lassen. Er hat Angst die ganze Firma anzustecken. Ich lobe ihn für sein proaktives Verhalten.

09:20 Uhr. Das Warmwasser fällt aus. Blutdruck des Mannes steigt. Ich schalte in Krisenmodus und konsumiere zwei Kinderriegel.

09:52 Uhr. Der Mann schüttelt mir die Hand und gratuliert zum Frauentag – NACHDEM ich ihm erzählt habe, dass viele Glückwünsche per WhatsApp eintrudelten. Im Stillen hoffe ich immer noch auf das Asperger-Syndrom.

10:01 Uhr. Warmwasser geht wieder. Blutdruck des Mannes sinkt. Ich suche nach einem Grund, Kinderriegel zu essen.

10:10 Uhr. Ich informiere alten und neuen Arbeitgeber. Keiner will mich sehen. Fühle mich echt ungeliebt. Da ist mein Grund.

10:11 Uhr. Ich buche einen Testtermin für Knöpfchen und mich.

11:04 Uhr. Knöpfchen und ich sporteln zu Alba Berlin. In Gedanken entschuldige ich mich tausendfach bei meinen Nachbarn.

14:07 Uhr. Nach dem Mittagessen bearbeiten der Mann und ich parallel seine Lohnsteuer. Mein Elsterformular ist auch geöffnet.

16:44 Uhr. Frauentag. Ich hatte einen Kampfbeitrag für meine Socialmedia-Kanäle vorbereitet. Doch der Anblick der Trilliarden Bilder zur Gleichstellung der Frau stumpft mich ab. Wirklich jede*r hat etwas dazu zu sagen. Selbst Männer halten selbstgebastelte Pappen in die Instakamera. Irgendwie bin ich unsicher, ob ich mich freuen oder kotzen soll. Irgendwie finde ich Frauentag doof. Genau wie die Ungleichbehandlung der Geschlechter. Verändert so ein Tag etwas oder ist er nur kosmetische Behandlung?

20:06 Uhr. Ich lasse den Beitrag Beitrag sein. Kurz. Wirklich nur ganz kurz überlege ich Homeescapes zu spielen. Facebook und Instagram lenken mich ab.

20:12 Uhr. Blog verstaubt weiterhin. Doch die Wäsche ist zusammengelegt.

Tag 4:
Wetter: Sonne
Symptome: Nasen von Knöpfchen und Mann noch zu. Ich bekomme Halsschmerzen.
Stimmung: Haare auf dem linken großen Zeh gezählt. 13 Stück. Echt jetzt?
Verlauf:
7:29 Uhr. So eine Quarantäne verleitet zu ernährungswissenschaftlichen Höhenflügen. Der Mann doziert zehn Minuten über seine nächtliche Erkenntnis, dass Nüsse und Fisch hervorragende Schlafmittel sind. Doof, daß ich Fleisch und Kinderriegel gekauft habe.

7:31 Uhr. Mir kommt der Gedanke, endlich den Weihnachtsbaum auf dem Balkon auszumisten. Er ist noch so herrlich grün, nadelt nicht und gibt Vögelchen Schutz. Ich beschließe, dass auch sein Asyl verlängert wird.

09:42 Uhr. Knöpfchen und ich werden getestet. Die Ärztin erklärt, dass wir uns von dem Mann zu separieren haben, in gemeinsam genutzten Räumlichkeiten die Maske tragen sollen und der Mann eine zehnminütige Lüftungspause abzuwarten hat, bevor er einen Raum nach uns betritt. Dann könnten wir das Schlimmste verhindern. Ich schaue die Ärztin an. Sie schaut mich an.

Klasse Komikerin die Frau.

10:02 Uhr. Wir schneiden dem Mann die Haare. Im Bad, ohne Maske. Währenddessen erörtert mir mein Mann die ökonomischen Vorteile des Eigenschnitts. Es sind genau 180,00 Euro im Jahr. Bei einer Herrenfrisur seines Schlages. Parallel gönne ich mir den Spaß und berechne still, wie oft ich bereits in den Genuss dieser haarigen Abhandlung gekommen bin: In fünf Jahren Zusammenlebens genau 31 Mal. Seit Corona bekomme ich deswegen ein schlechtes Gewissen. Jetzt nachdem ich weiß, dass Friseure zu einer system relevanten und aussterbenden Art gehören.

Absonderung von dem Mann

12:24 Uhr. Knöpfchen kocht Nudeln. Heute mit Pesto. Mein Kind wird selbstständig. Und ich abhängig. Parallel installiere ich heimlich „Homeescapes“, während ich einen Kinderriegl knabbere. Ich muss AGBs zustimmen. Seit jeher habe ich eine innere Scheu, AGBs ungelesen zuzustimmen. Also widerstehe ich dem Drang, den Beamten zu befreien. Der muss warten.

13:13 Uhr. Ich bekomme Kopfschmerzen. Langsam bekomm ich echt Schiss, Corona zu haben. Das wäre echt bescheiden. Gerade beim Jobwechsel. Auf der Suche nach Klarheit entdecke ich den ultimativen Coronatest. Von Dr. Google erfahre ich, dass das Leitsymptom nicht Fieber, nicht Husten, nicht Durchfall, sondern der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns ist. Also teste ich Geschmacks- und Geruchssinn. Vergesst PCR-Test, lasst die Antigenschnelltests bei ALDI und verzichtet auf Antikörpertests. Kinderriegel sind die Lösung. Riecht gut. Schmeckt gut. Bin gesund.

Coronatest deluxe

16:11 Uhr. Geschmacksnerven funktionieren immer noch. Kinderriegel sei Dank. Ich fühle mich sehr abgeschlagen. Der Mann verdünnisiert sich in den Garten.

17:20 Uhr. Keine Kraft mehr. Knöpfchen und ich binchen „Der Kleine Drache Kokosnuss.“ Zu mehr bin ich nicht in der Lage. Meine Tochter packt ca. 20 Decken auf mich. Zum Dank darf sie ihren Geschmacksinn testen. Der Kinderriegelvorrat schrumpft.

18:00 Uhr. Der Mann kehrt aus dem Garten zurück. Ich gehe ins Bett und überlasse ihm sein Schicksal mit einem völlig überzuckerten Kind.

Tag 5:
Wetter: Wolkenverhangen
Symptome: Ich bin völlig verrotzt.
Stimmung: Der Versuch, meine Beinbehaarung auszuzählen, scheitert zweimal. Ich verzähle mich bei 224 und 237. Mir fehlt einfach die Professionalität. Dafür habe ich ein Kind, dass mir zweimal sehr ausführlich das Prozedere des Naseputzens auseinandersetzt.

Verlauf:
7:44 Uhr. Check der Testergebnisse. Erleichterung, weil der Mann und Knöpfchen ein negatives Ergebnis bekommen haben. Ich muss warten.

7:48 Uhr. Check meines Geschmackssinnes. Alles gut. Ich darf hoffen, auch negativ zu sein.

8:01 Uhr. Ich arbeite mich durch die Vertragsunterlagen meines neuen Jobs. Magdalena hüpft als Sky von „Paw Patrol“ und Elsa von „Eiskönigin“ gleichzeitig durch die Wohnung.

10:02 Uhr. Einkommenssteuererklärung immer noch nicht fertiggestellt.

12:06 Uhr. Mein Testergebnis ist auch da. Negativ. Wie schaffe ich das eigentlich immer? Seit einem Jahr habe ich keine Erkältung. Ausgerechnet während der Quarantäne meines Knöpfchens ist meine Nase dicht. Mein Talent für Punktlandungen ist herausragend.

14:04 Uhr. Knöpfchen klettert barfüßig auf einen Vulkan und schlägt einen Tiger mit ihren Pfeil-und-Bogen-Pfeil in die Flucht. Ich beneide sie um ihre Fantasie.

16:03 Uhr. Ich bin knurrig. Einfach so schreibe ich in die WhatsApp Gruppe das Wort „Gesundheitsamt“. Augenblicklich habe ich 50 Nachrichten über die Inkompetenz des desgleichen. Kurz überlege ich, ob ich spaßeshalber „Ich bin positiv“ in den Chat schreiben soll? Heb mir den Spaß lieber für einen wirklich miesen Tag auf.

Tag 6:
Wetter: wolkenverhangen
Symptome: Meine Nase ist dicht. Dichter als dicht. Eine einzige Dichtung.
Stimmung: Mit Erschrecken festgestellt, dass ich sogar Haare auf der Brust habe. Fünf dunkelschwarze Haare. Habe ich etwa zu viel Testosteron? Muss gleich mal zu Dr. Google.  
Verlauf:
05:01 Uhr. Mann geht zur Arbeit. Ich nicht. Ätzend.

7:07 Uhr. Kommunikation zwischen meiner Tochter und mir kann als Knurren bezeichnet werden.

08:01 Uhr. Trotz negativen Ergebnisses darf Knöpfchen das Haus nicht verlassen. Als Junge verkleidet nehme ich sie zum Müllwegwerfen mit. Kann schließlich unmöglich ein Kleinkind alleine in der Wohnung lassen. Nicht auszudenken, was da alles passieren kann! (Selbstverständlich werden die Hände vorab desinfiziert – packt die empörten Moralrufe wieder weg. )

09:04 Uhr. Wir bringen den Verpackungsmüll weg.

09:16 Uhr. Wir bringen den Papiermüll weg.

09:23 Uhr. Wir bringen den Ökomüll weg.

Schlüssel in die Freiheit

09:35 Uhr. Ich suche Dinge, die wir wegwerfen können.

10:21 Uhr. Ich leiste dem Prinzip, nicht nur eine, sondern gleich zwei Miseren an Land zu ziehen, felsenfeste Treue. Wir waschen sämtliche Bettwäsche und saugen alle Matratzen im Haus ab. Innerhalb eines Monats wiederholen wir diese Prozedur zum 5. Mal. Und nein, das ist kein Hobby und keine Zwangsneurose von mir. Ursächlich für die Reinigungsorgie ist unsere Share Cat. Dabei handelt es sich um eine nervenstarke Katze, die quasi dem gesamten Block zugelaufen ist. Wir Nachbar*innen teilen uns nun die Fürsorge. Als Dank teilt sie mit uns ihre Flöhe.

15:29 Uhr. In zwei Tagen endet mein aktuelles, unbefristetes Arbeitsverhältnis. Nachdem mein Mann heimgekommen ist, wage ich mich das erste Mal wieder unter Menschen, unterzeichne den Aufhebungsvertrag und räume meine Bürotisch. Irgendwie hatte ich damit gerechnet, zusammenzubrechen, durchzudrehen, Amok zu laufen. Stattdessen fühlt es sich ein bisschen wie Befreiung an.

18:22 Uhr. Knöpfchen verschläft das Abendessen.

20:22 Uhr. Ich gönne mir qualitativ hochwertiges Unterhaltungsfernsehen und dröhne auf der Couch bei GNTM. Mein empörtes Feminismusgewissen beruhige ich liebevoll. Selbstverständlich ist mein soziologisches Forschungsinteresse ausschließlicher Grund dafür, diese kognitiv entspannte Unterhaltungsshow anzusehen.

22:34 Uhr. Beim Zähneputzen verschlucke ich mich fürchterlich und huste bestimmt zwanzig Minuten. Anschließend gehe ich ins Bett und döse sofort ein. Ich werde von einem unangenehmen Kribbeln im Hals wach. Corona. Ganz klar. Der Test war fehlerhaft. Aus Furcht, jemanden zu wecken oder anzustecken, flüchte ich in Knöpfchens Kinderzimmer. Beim Einschlafen denke ich, wie unmöglich das Leben geworden ist.

2:46 Uhr. Knöpfchen kriecht zu mir ins Bett.  

Tag 7:
Wetter: Sonne, naja, eigentlich wolkenverhangen, doch nach einer Woche Quarantäne wirkt selbst ein Sonnenstrahl wie ein Urlaub in der DomRep.

Symptome: Rhinitis. Rhinitis. Rhinitis.
Stimmung: Ich fange an, die Haare auf Knöpfchens Rücken zu zählen. Bei 367 gebe ich auf. Ob es wohl möglich ist, die Kopfhaare zu zählen?
Verlauf:

7:01 Uhr. Knöpfchen trauert von ganzem Herzen um das gestrige verpasste Abendessen. Sie ist regelrecht traumatisiert. Echt hart, wenn kind mal so eine Mahlzeit auslässt! Ich verspreche ihr, doppelt Abendbrot mit ihr zu essen.

7:14 Uhr. Meine Tochter penetriert mich so lange, bis ich ihr Märchen vorlese. Immer und immer und immer wieder.

7:34 Uhr. Als Kompensationsleistung handle ich einmal Zimmeraufräumen aus. Mit mäßigem Erfolg.

10:21 Uhr. Knöpfchen und ich veranstalten eine Bastelorgie. Für sie ein Vergnügen, ein Stresstest für mich. Schon immer geraten die Fantasie meiner Tochter und mein Realitäts- und Ordnungssinn in Konflikt. Mir ist es ein Rätsel, wie es die Pädagog*innen dieser Welt aushalten, wenn Kinder einem Tier statt eines Auges eine Paillette ins Gesicht kleben. Oder völlig unkontrolliert einen Zentner Glitzerpulver auf dem Tisch verteilen.

12:01 Uhr. Social Media erzeugt bei mir ein ungesundes Maß an Alarmiertsein. Ich schalte mein Handy in den Flugmodus.

12:33 Uhr. Das undeformierte Ersatzteil für den Mixer ist da, passt und funktioniert nicht. Unmittelbar schalte ich in den Krisenmodus. Gut, dass wir noch Kinderriegel haben.

12:55 Uhr. UARGH, Kinderriegelvorrat ist aufgebraucht.

13:04 Uhr. Tageshöhepunkt ist die völlig unerwartete Erkenntnis, dass sich auch Obst hervorragend als Geschmackstest eignet.

13:15 Uhr. Bestelle per Telefon das Rezept für Knöpfchens Medizin. Echt einfach. Corona erspart mir den Bettelgang zum Arzt. Ich versuch positiv zu bleiben.

14:26 Uhr. Wir entsorgen den Ökomüll.

14:33 Uhr. Angriff der Share Cat beim Müllcontainer. Sie scheint dezent sauer. Seit sie Flöhe hat, lebt sie in Verbannung.

14:35 Uhr. Mist. Schlüssel vergessen. Sowas Ärgerliches. Da müssen wir jetzt wohl draußen bleiben, bis der Mann von Arbeit wieder da ist. Hm. Echt doof. Sowas passiert mir eindeutig zu oft. Düdeldüm.

14:36 Uhr. Ich erinnere mich an den Film „Das Leben ist schön“. Kurzerhand erkläre ich Knöpfchen, wir seien auf einer Geheimmission. Wir zwei tun als wären wir Ritter und strolchen heimlich über den Friedhof. Ich erziehe eine Rebellin. Der Gedanke schmeckt mir.

15:41 Uhr. Endlich kommt der Mann. Knöpfchen will sich noch mehr bewegen. Wir spendieren eine mediale Sportstunde mit Alba Berlin. Knöpfchen gesteht, einen Lieblingstrainer zu haben. Stefan. Mir geht fast das Herz über. Meine feministische Tochter verweigerte bisher den Besuch einer Sportgruppe strikt, weil ein Mann sie leitete. Schon als Baby fand sie Babyschwimmen kacke, wenn der Trainer männlich war. Und jetzt: Stefan.

Tag 8:

Wetter: Windig. Einfach nur windig.

Symptome: Mein Schnupfen schnupft vor sich hin. Ganz schön hartnäckig. Ein Jahr Pandemie hat mein Immunsystem anscheinend völlig erlahmen lassen. Hatte die ganz Zeit nichts zu tun und hat nun das Immunsein verlernt. Oder doch Corona?

Stimmung: Leberflecken lassen sich auch gut zählen. 183 am Oberkörper.

Verlauf:

08:58 Uhr. Der Mann und ich widmen uns der wöchentlichen Reinigung unserer Behausung. Seit jeher haben wir kontroverse Vorstellungen und Vorgehensweisen hinsichtlich der Wohnungshygiene. Der 15-minütige Vortrag darüber, wie unverzichtbar wichtig die Staubentfernung UNTER den Klopapierrollen AUF dem Spiegelschrank im Bad ist, bleibt mir auch diesmal nicht erspart. Diese Abhandlung des Mannes habe ich noch häufiger als sein Frisurenmonolog genießen dürfen.

12:48 Uhr. Wir spielen Karten. Knöpfchen hat ca. 5 Spiele mit dem Emblem der „Eiskönigin“. Das Uno aus Arendelle ist der momentane Hit. Wenn ich sie anschließend nur nicht immer trösten müsste, weil sie nicht gewonnen hat. Wenn sie verliert, schreit sie „Mist“, wirft sämtliche Karten über den Tisch und springt dreimal durch die Wohnung.

Frozen

14:47 Uhr. Ich bewundere die Foodpornerrungenschaften anderer Leidesgenoss*innen. Es ist beeindruckend, zu welchen kulinarischen Höhenflügen die Quarantäne die Quarantanten beflügelt. Das kann ich auch. Denke ich.

Foodporn für Arme

16:12 Uhr. Das kann ich nicht. Weiß ich.

20:23 Uhr. In wenigen Minuten startet ein Onlinemeeting mit meinen engsten Schulkameradinnen. Eigentlich cool. Möchte man meinen. Hätte ich nicht diese doofe Angewohnheit, proportional zum Eintreten eines Ereignisses die Lust auf ebendieses Ereignis zu verlieren. Geht das eigentlich nur mir so? In präcoronalen Zeiten zogen dann Ausreden wie „Ich habe schon Besuch von…“ oder „Ich bin schon bei einem Basketballspiel“. Im Lockdown geht leider die Glaubwürdigkeit solcher Argumente flöten. Also motiviere ich mich mit dem Wissen, dass die Sozialkompetenz beim Chatten kommt.

22:13 Uhr. Ich hatte Spaß. So viel Spaß, dass ich am liebsten alle gleich real treffen möchte.

Tag 9

Wetter: Sonne scheint. Wind weht.

Symptome: Ich kann wieder durch die Nase atmen.

Stimmung: 28 Leberflecken auf dem Po.

Verlauf:

07:21Uhr. Ich meditiere in der Sonne auf dem Balkon.

07:45 Uhr. Knöpfchen bekommt eine mittelschwere Lebenskrise, weil sie auch Meditieren will. Hätte ich ansatzweise geahnt, dass sie Affirmationen den „Kleinen Drachen Kokosnuss“ vorzieht, hätte ich sie natürlich gefragt. 

Namasté

08:44 Uhr. Knöpfchen möchte eine Wanderung unternehmen. Ich fasse es nicht unsere Stubenhockerin par excellence will wandern? Vielleicht braucht es häufiger eine Quarantäne?

10:11 Uhr. 42 Kartenspiele. 23-mal Kartenwerfen, Hüpfen und Mistbrüllen. 

16:00 Uhr. Mein Göttergatte kommt nicht aus dem Garten. Eigentlich wollte ich noch meine Corona-Kilometer laufen. Stattdessen habe ich sämtliche Ordner umgeordnet und neu beschriftet. Steuererklärungen 2019 und 2020 sind auch fast fertig.

16:23 Uhr. Vor lauter Tatendrang begeben Knöpfchen und ich uns in ein tiefgründiges, philosophisches Gespräch über die Hochzeitskarte eines befreundeten Paares. Wir schaffen es, uns unglaubliche 30 Minuten darüber auszutauschen, welches Bild am besten gefällt. Ich wähle das mit dem Brautpaar von hinten. Und ganz weit entfernt. Und nein, das hat nichts mit meiner Phobie vor Hochzeiten zu tun. Natürlich nicht.

Tag 10

Wetter: Regen. Wolken. Wind.

Symptome: Ich bin wieder Mensch.

Stimmung: Lasst. Mich. Arbeiten.

Verlauf:

07:01 Uhr. Mein Kind und ich meditieren. Mit Kleinkind ergeben sich hierbei neue Herausforderungen. Knöpfchen – in Fachkreisen auch Flummi mit Allmachtsfantasien genannt – schmeißt sich in meinen Schoß. Die Affirmation „Ich gebe meinem Körper alles was er braucht.“ kommentiert sie aus dem Off mit „Essen“. Konzentration unter diesen Umständen sieht anders aus.

12:43 Uhr. Knöpfchen sieht Sonne. Mittagsruhe ist passé. Stattdessen wird der Balkon verwandelt in Arendelle. Anschließend gibt es eine Lesestunde für die Hummel.

13:29 Uhr. Knöpfchen videochattet mit einer Kitafreundin.

Digitalisierungsschub auch bei Knöpfchen

14:23 Uhr. Das Gesundheitsamt ruft an, um mir den Testtermin mitzuteilen. Keine meiner Fragen kann beantwortet werden. Ich frage mich, ob ich die einzige von 120 Eltern mit diesen Fragen bin?

14:32 Uhr. Der Elternchat läuft plötzlich heiß. Wir waren lediglich die ersten, die angerufen wurden. Mir tut der junge Mann jetzt schon leid.

15:01 Knöpfchen klettert auf dem Schrank und der Heizung umher. Ich lasse die autoritäre Mama raushängen und verbiete ihr es. Ohne Diskussion. Schluss. Aus. Da explodiert die kleine Knalltüte und kräht wie kolossal kacke das alles ist. Sie will doch nur klettern. 

15:05 Uhr Wir bringen im Regen erst den Ökomüll, dann den Verpackungsmüll und schließlich den Papiermüll zum Container. Jedes Mal klettert der kleine Affe die Mauer entlang, tobt, lacht und springt. 

17:46 Uhr. Der Mann kommt aus dem Garten. Viel zu spät. Damit fällt mein Spaziergang bei Helligkeit heute flach. Er darf das. Schließlich ist der Mann das Familienoberhaupt. Den Titel beansprucht er, weil er alles kann, alles weiß, gleichzeitig ein Gewächshaus aufbaut und sich dabei mit dem Vereinsvorstand des Kleingartens anlegt. Er gräbt, buddelt und pflanzt. Sogar außerhalb der Saison. Selbstverständlich bin ich qua Geschlecht verpflichtet, ihm zu helfen. Es geht schließlich um die Versorgung der Familie mit Gurken, Zucchini, Tomaten und allerlei weiterem Grünzeug. Als ich einst vorsichtig einwandte, dass es im Supermarkt eine Gemüsetheke mit einem Angebot von hoher Vielfalt gebe, pampte er zurück: „Ernährst du oder ich mich vegetarisch?“. Bitte, bitte lass es Asperger sein.

18:19 Uhr. Der Mann macht sich über den Rest der Torte her. Knöpfchen und ich haben die Abmachung, dass sie zwischen Medienkonsum und Süßigkeiten wählen darf. Da sie bereits morgens „Bibi und Tina“ gesehen hat, greift konsequenterweise das Süßigkeitenverbot. Ergo – keine Torte. Sie zetert und wettert. Genervt bitte ich den Mann, ihr heimlich etwas zuzuschieben. Also bietet Papa der kleinen Zuckerschnute flüsternd einen Löffel an.

„Meine Mama hat mir das verboten, dann mache ich das auch nicht.“, kräht sie. Unter Tränen widersteht sie der Versuchung. Da kann ich nicht anders und gebe nach.

20:34 Uhr. Ich bin müde. Vielleicht doch „Homeescapes“? Ich brauche ein Erfolgserlebnis.

Tag 11

Wetter: Grau in grau in grau

Symptome: keine, es sei denn depressive Schübe zählen zu Coronasymptomatik

Stimmung: siehe Symptome

Verlauf:

10:27 Uhr. Das erste Onlinemeeting mit den neuen Arbeitskolleginnen. Das ist der Moment eine zündende Antrittsrede zu halten – ergreifend, packend, fesselnd. Doch bevor ich Martin Luther King geben kann, ist der Akku meines LapTops leer. Frzzzzzz.

11:47 Uhr. Das Onlinemeeting ist beendet. Ich suche Knöpfchen und finde sie in ihrem Zimmer. Unter mehreren Schichten…Bücher, Decken, Plüschtieren. Wenn es Guinnesbucheinträge für das ausgiebigste Unordnung schaffen geben sollte, hätte mein Kind hervorragende Chancen aufgenommen zu werten.

13:28 Uhr. Nächstes Onlinemeeting. Diesmal mit einer ehemaligen Klassenkameradin. Unglaublich wohltuend. Es gibt mir Freude, Zuversicht und Vertrauen. Gerade fühlt sich Quarantäne gar nicht so schlecht an.

Tag 12

Wetter: Es.Schneit. Kann bitte jemand dem Winter Bescheid geben, dass er sich verpissen möge?

Symptome: Erfahre, dass Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns bei der britischen Variante kein Leitsymptom ist. Egal, die Kinderriegel haben geschmeckt.

Stimmung: Man darf Mallorca? Moment, ich muss mal kurz weg.

Verlauf:

08:29 Uhr. Wir gehen zum Test, genau wie 120 andere Kinder. Glücklicherweise haben wir einen Vormittagstermin. Ich kann es nicht leiden, wenn wichtige Angelegenheiten erst nachmittags stattfinden. Eat the frog in the morning. Dieser Frosch schmeckt heute besonders bitter. Wir nennen ihn Francois. Francois riss sämtlich Bereitschaft, diese Maßnahmen weiter zu tragen ein:

Als wir aus der Kita herauskommen, steht plötzlich eine Mama mit M. da. M. und Knöpfchen sind die beiden Dienstältesten in ihrer Kitagruppe. Beide wurden als erste zusammen eingewöhnt. Zwischen beiden besteht bis heute eine besondere Verbindung.

Jetzt stehen sie voreinander. In ihren Augen spiegeln sich zwiespältige Emotionen wider. Freude, Sehnsucht, Angst. M. möchte Knöpfchen die Hand geben, zieht sie dann ertappt zurück und kuschelt sich verschämt an die Beine ihrer Mutter.

Wir Mamas tauschen uns aus, über den Verlauf der Quarantäne, die Informationspolitik der Stadt und allerlei anderes. Und die Kinder verharren in Unsicherheit. Sehen sich schüchtern an und wissen nicht richtig, wohin mit sich. In meinem Kopf spielt „Für Elise“. Es zerreißt mir das Herz. Sämtliche Gefühle brechen sich Bahn und mir kommen die Tränen. Es fühlt sich nur falsch an. In stiller Übereinkunft fordern wir Mütter die Kinder auf, einander zu begrüßen. Mit Körperkontakt. Die Situation verändert sich schlagartig. Beide lachen, rennen, balancieren und strahlen. Voller Schmerz wird mir bewusst, was Corona mit meinem Leben gemacht hat. Die Angst war schon immer Begleiterin meines Lebens. In den letzten drei Monaten war sie leider nicht nur Beifahrerin, sondern saß am Steuer.

10:39 Uhr. Knöpfchen lernt mit Hilfe eines YouTube Videos zeichnen.

15:18 Uhr. Telefonische Psychotherapie für das Hibbelhonk. War dringend nötig. Mir fällt auf, dass ich seit fast zwei Wochen keinen Kinderwunsch mehr habe. Die Angst hat den Kinderwunsch vermöbelt und seinen Platz eingenommen. Meine Therapeutin hilft mir zu der Erkenntnis „Angst kocht auch nur mit Wasser“ und verrät mir Akkupressurpunkte am Körper, die ich zur Selbstregulation mehrere minutenlang bei aufkommenden Ängsten drücken soll.

17:43 Uhr. Knöpfchen beschließt auszuziehen.

Auszug des präpubertierenden Knöpfchens

20:56 Uhr. Der Mann fragt mich, ob ich gegen die Tür gerannt bin als er meinen mit blauen Flecken übersäten Luxuskörper sieht.

Tag 13

Wetter: Sonne. Wolken. Schnee. Ich bin dezent sauer auf den Winter, dass er sich gerade dieses Jahr so viel Zeit lässt.

Symptome: ???

Stimmung: AAAAAAAAMMMMOOOOOOOKKKKKKK.

Verlauf:

08:15 Uhr. Knöpfchen entdeckt ihr Stickleidenschaft. Dieser fröhnt sie ausgiebigst auf dem Balkon. Doof nur, dass sie Garn noch nicht selbst einfädeln kann. Dafür hat sie ihren Lakaien. Mich.

09:02 Uhr. Wir zoffen uns, weil ich es gewagt habe, vor ihr auf das WC zu gehen. „Ich will dich jetzt einfach nur blöd finden.“, brüllt sie mir voller Inbrunst ins Gesicht. Innerlich bin ich hin- und hergerissen, ob es mir genauso gehen oder ich ob des Vordrängelns hämisch kichern soll?

11:14 Uhr. Immer noch keine Meldung des Gesundheitsamtes. Vor lauter Frust rasiere ich den Weihnachtsbaum.

Asylantrag abgelehnt

12:12 Uhr. Mein Smartphone brummt und piept völlig entfesselt. Mir dünkt die Elternschaft ist leicht überhitzt.

16:45 Uhr. Endlich der erlösende Anruf. Negativ.

18:34 Uhr. Eines ist sicher, die Quarantäne war ein Spaziergang für uns verglichen mit Alleinerziehenden oder Mehrfacheltern. Trotzdem sammle ich wertvolle Erkenntnisse aus der Quarantäne light:

  1. Erkenntnis: Mein Immunsystem taugt nach einem Jahr Corona nichts mehr.
  2. Erkenntnis: Lockdown und Quarantäne machen mich zum sozialen Krüppel.
  3. Erkenntnis: Mehr Zeit mit Kind bedeuten nicht mehr Freude mit Kind.
  4. Erkenntnis: Mein Mann ist promovierter Ernährungswissenschaftler, BWLer und Virologe.
  5. Erkenntnis: Verbote für Kinder in der Quarantäne sind in Wirklichkeit Strafen für Eltern.
  6. Erkenntnis: Wer erhöhten Medienkonsum nochmal als pädagogischen Schwachsinn abtut, wird von mir verprügelt.
  7. Erkenntnis: Knöpfchen nutzte die Quarantäne zur Kultivierung neuer Hobbies, ich neuer Ängste und mein Mann des Gartens.
  8. Erkenntnis: Knöpfchen hat die Nabelschnur neu geknüpft.
  9. Erkenntnis: Ich sollte Tantiemen von Ferrero verlangen.