Herzlich willkommen bei Mamastisch – Der fantastische Mamablog.

Es wird serviert eine Portion Leichtigkeit mit einer Brise Satire garniert mit Ironie. Guten Appetit!

Mit Kind zur Traumfigur – Sport mit Kind

Bei dem Thema müsste der Artikel eigentlich in meiner Jugend beginnen. Denn, obwohl mir damals sehr wohl  bewusst war, dass Charakter und kognitive Fähigkeiten eine wesentlich bedeutsamere Rolle im zwischenmenschlichen Miteinander spielen als eine straffe Figur, schadeten die überflüssigen Pfündchen an Beinen, Bauch und Po meinem pubertären Selbstbewusstsein sehr. Schuld daran war meine Überzeugung, dass mich die Menschheit bei zwei Kilogramm weniger Lebendgewicht doppelt so sehr lieben müsste. Da es mir nicht gelang, diese schwere Gepäck loszuwerden, hatte ich mich selbst nur halb so lieb. Aus heutiger Sicht völliger Irrsinn. Doch vor 20 Jahren unumstößliche Wahrheit. Heute existiert für mich nur noch ein einziges figurbezogenes Kriterium: Meine Kleidung. Entweder sie passt oder sie passt nicht. Passt sie,  bin ich mit der Welt und meiner Figur zufrieden. Passt sie nicht, ist das ein klarer Zeiger für mich, die Sportklamotten aus dem Schrank zu kramen und den Kinderriegelkonsum zu reduzieren. Beides ist eigentlich ein fester Bestandteil meines Lebens, so dass weder das eine noch das andere notwendig wäre. Allerdings lässt sich die körperliche Ertüchtigung während Schwangerschaft und Elternzeit unter Ulk verbuchen. Das bisschen Schwimmen, Rückbildung und Kinderwagengeschiebe ist Sport für Arme, jedoch nicht für Beine und Arme. Der Körper läuft in dieser Zeit zwar auf Höchstleistung und ist damit per se permanent im Sportmodus. Daher fällt der üppige Kinderriegelkonsum trotz Bewegungsabstinenz kaum ins Gewicht. Wortwörtlich. Gott sei Dank! Doch diese Zeit ist nun passé. Seitdem ich arbeite, stille ich mein Kind nur nachts. Tagsüber bewege ich mich spärlichst und esse unregelmäßig viel zu viel. Zum Trinken komme ich auch nicht. Wenn ich dann richtig Durst habe, esse ich, weil ich Hunger und Durst verwechsle. Der Schlafmangel leistet  auch einen Beitrag dazu, um mein Wohlfühlgewicht immer mehr aus den Augen zu verlieren. Ostern und meine Schwiegereltern, die ihre einzige Enkelin mit gut gemeinten 10 Kilo Schokolade beschenkten, gaben mir dann den Rest. Zeit meines Lebens ist es mir nicht gelungen, mit Schokoladevorräten sorgsam umzugehen. Meine Eltern waren stets und ständig bemüht, der Neigung meines Körpers Einhalt zu gebieten, jedes Stück Schokolade stolz nach außen zu tragen. Durch diese strikte Kontrolle bin ich seit Verlassen des elterlichen Haushalts außerstande, ein gesundes Verhältnis zu der süßen Versuchung aufzubauen. Ich bin quasi unselbstschokig. Bin ich die einzige unselbstschokige Frau auf diesem Planeten? Ist es ein Wunder, dass ich schließlich letztes Wochenende eskalierte? Im Zuckerdelirium wurde mir dann klar, trotz halbwegs passender Jeans muss die Schokolade unter Bann gestellt und stattdessen das Sporttrikot übergezogen werden. Andernfalls schade ich nicht nur mir, sondern auch meiner Tochter. Wie soll ich ihr eine gesunde Lebensweise vermitteln, wenn ich selbst nicht dazu in der Lage bin? Schnell musste ich feststellen, als berufstätige Mutter ist es gar nicht so einfach, Zeit für Sport zu erübrigen. Insbesondere mit Präferenz für Frühsport. Nach vier Stunden Schlaf vor der Arbeit mit weichen Beckenboden joggen?  Urgs. Das zog ich nicht mal ernsthaft in Erwägung. Abends ist die Motivation allerdings schon unauffindbar im Bett verschollen. Was also tun, wenn der 15-Jährigen in mir beim Blick in den Spiegel das Herz in die Hose rutscht? Wenn der Bewegungsmangel mich darnieder drückt? Sport mit Baby ist die Antwort. Was in der Elternzeit gut war, kann im echten Leben nicht schaden. Außerdem, ein kleiner Kiwasprint hat noch nie geschadet. Es folgen nun – Meilensteine meiner mütterlichen Sportografie: Dienstag (Ostermontag fand ja das weitreichende Schokogemetzel erst statt): Es regnete, also beschloss ich auf YouTube ein Sport mit Baby Video zu absolvieren. Internet war miserabel. Knöpfchen verweigerte sich. Unverständlicherweise wollte sie nicht meine Hantel sein. Also liefen wir zusammen ein paar Runden durch das Wohnzimmer. Babyrunden im Babytempo wohlgemerkt. Quasi ein Mini-Workout Mittwoch: Kaum Zuhause angekommen, schlüpfte ich in die Sporthose, schnappte meine kleine Wanze und trabte zum Sportwagen. Schön und stolz und neu steht er in der Tiefgarage. Und angeschlossen. Der einzige Schlüssel? Bei Papa. Der war bereits im Garten. Also drehten wir ein paar Babyrunden auf der Straße vorm Haus. Mini-Workout 2.0 Donnerstag: Papa hat einen Zweitschlüssel anfertigen lassen. Also rein in die Klamotten, ab zum Radanhänger, Kind festgezurrt und  auf die Straße. Wo es in Strömen regnete. Hmpf. Freitag: Klamotten, Schlüssel, Kind und Sonne. Alles da. Also los. Da klingelte es. Besuch ist immer willkommen. Wenigstens ein Spaziergang in die Berge sprang dabei heraus. Heute: Morgens regnete es in Strömen. Also nahm ich mir vor, nachmittags wenigstens mit dem Rad in die Sauna zu fahren. Das fiel mir allerdings erst wieder ein als ich bereits in der Straßenbahn saß. Erste Woche des Projekts Traumfigur mit Kind gnadenlos gescheitert. Doch ich gebe nicht auf. Bevor es jedoch  weiter geht, gönne ich mir erstmal  einen Schokoei. Denn trotz Körperstraffungsvorhaben gilt bei uns die Handtellerregel: Süßes, dass auf den Handteller passt, darf gegessen werden.

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Ohne Scham und mit Kinderriegel oder was Mobilitätsrevolution und Sprach-Schlaf-Verwirrung mit dem beruflichen Wiedereinstieg der Frau zutun haben

Puh, seitdem ich wieder arbeite, stehe ich ständig im Widerstreit mit mir selbst. Das ist nicht so, weil Kind, Mann oder Haushalt ständig an mir zögen und ich ihnen nicht gerecht werden könnte. Was das betrifft, befinde ich mich aktuell in einer Luxussituation. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, ist der Haushalt erledigt, Essen gekocht und ich bekomme ein meist ausgeschlafenes, sattes und trockenes Baby in die Arme gedrückt. Mein Mann ist dann erstmal völlig zufrieden, wenn er im Garten etwas wirtschaften kann und lässt mich mit unserem Knöpfchen die gemeinsame Zeit auskosten. Die tatsächliche innere Zerrissenheit kommt wahrscheinlich erst, wenn unsere kleine Wanze in den Kindergarten geht und beide Eltern arbeiten. Da werden die hauswirtschaftlichen Karten neu gemischt. Nein, mein innerer Konflikt rührt von ganz anderer Stelle her: Ist das Kind abends eingeschlafen, habe ich endlich Zeit! Zeit zu stricken, zu bloggen, Einrad fahren zu lernen, unsere nächste Reise zu planen, eifrig das nächste Handbuch für die Arbeit zu lesen, unseren Kräutergarten anzulegen, ein Workout zu absolvieren, meine Russischkenntnisse zu vertiefen …ja, ich habe einen ganzen Rucksack voll zu tun. Energiegeladen wie ich bin, krempel ich dann die Ärmel hoch, trinke noch schnell ein Glas Wasser und stürze mich voller Elan….auf die Couch und vergrabe meine Nase wahlweise in einen Jackson Roman oder drücke sie gegen das Tablet, um GNTM zu gucken. Wenn es wenigstens eine Biographie über eine gesellschaftlich bedeutsame Person oder ein TV-Format alá Hart aber Fair wäre! Doch nein, voller Inbrunst gebe ich mich der Trivialität hin. Ohne Scham und mit Kinderriegel. Das schlechte Gewissen kommt erst, wenn ich andere berufstätige Mütter treffe, denen es allein erziehend gelingt zu Imkern, sodass sie mit samtweicher gepflegter Hand mir ein Glas selbst erzeugten Honigs in die Hand drücken können. Ganz ehrlich, ich möchte und kann gerade aber nicht anders. Tatsächlich fange ich nämlich an zu verstehen, warum so viele Beziehungen auf der Strecke des Elternwerdens bleiben. Zumindest, wenn man den Anspruch auf Individualität erhalten möchte. Ich habe einen echten Superpapa an meiner Seite. Dank ihm erlebt Knöpfchen gerade eine Mobilitätsrevolution. Er geht unglaublich viel mit ihr laufen, schenkt ihr Schuhe, organisiert einen Lauflernwagen. Und sie genießt die Entdeckung der Vertikalen und dankt es ihm ausdrucksstark, indem sie ‚Papa‘ zu ihm sagt. Selbstverständlich ihre Version davon. Und diese lautet ‚Ei‘. Das kommt dabei raus, wenn Papa das Anschauungsmaterial für die Redewendung ‚Mach mal Ei‘ ist. Wahrscheinlich nölt mein Mann enttäuscht ob der Sprachverwirrung unserer Tochter deshalb in den letzten zwei Wochen ziemlich häufig darüber, dass die Rolle des modernen Mannes ganz schön anspruchsvoll ist und heutzutage vermeintlich alle Aufgaben am Mann kleben blieben? Ja, so ist er, mein Mann. Die Erkenntnis, dass das totalitär geführte Leben mit Kind „anstrengender als Arbeit“ ist, bringt nicht mir etwas Anerkennung für die letzten zehn Monate ein, sondern ruft das große Bedauern über vergangene Zeiten mit strikter geschlechtsstereotyper Aufgabenteilung hervor. Dass er dann vom Kind zum ‚Ei‘ deklariert wird, ist nicht unbedingt der Sache förderlich. Dementsprechend bin ich seit zwei Wochen mit Egostreicheln  beschäftigt. Schadensbegrenzung durch explizites Lob. Selbst für aufgefüllte Klopapierrollen… Im Grunde macht er seine Aufgabe echt gut, was mir den beruflichen Einstieg etwas erleichtert. Dennoch sind wir zwei ständig damit beschäftigt, unsere zeitlichen Ressourcen aufzuteilen, sodass wir uns de facto äußerst selten gleichzeitig in der Wohnung aufhalten. Die Nächte nicht gerechnet. Woran das liegt? Wir haben ja eigentlich nur ein Kind? Und ein Kind ist schließlich kein Kind. Mag sein aber unser Keinkind ist aktuell schlafverwirrt. Irgendwie hat sie beschlossen, die fehlende Zeit mit Mama nachts nachzuholen. Mühevoll habe ich ihr wochenlang das Schlafen im Familienbett abgewöhnt, weil ich schlichtweg gerne mehr als 30 cm Bett zum Schlafen haben wollte. Innerhalb einer Nacht war das alles passé. Lautstark forderte sie ihre Rückkehr ins Familienbett. Dort gab sie zwar endlich Ruhe, tollte, jedoch wie ein Löwenjunges auf seiner Mutter auf mir rum. Resultat des Ganzen? Trotz einer Zubettgehzeit von 20 Uhr, komm ich selten auf mehr als sechs Stunden Schlaf. Da fehlt mir am Ende des Tages einfach die Energie, um den Selbstdisziplinmotor anzuwerfen und entweder etwas Produktives zu machen oder den von der Emanzipation überforderten Mann zu verwöhnen. Da gewinnen halt doch Heidis Hühner. Und der Kinderriegel. Diät, Einrad und die Kräuter müssen noch etwas warten.  

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Rollenverwirrung

Die Wissenschaft entwickelt ja stets neue Modelle, um die Gesellschaft zu beschreiben. Während früher ein saugfaules Kind als … naja eben saugfaul bezeichnet wurde, widmet man sich heute ausgiebig den Ursachen, dem Verlauf und den Folgen von Saugverwirrung. So die moderne Bezeichnung für die Konkurrenz von Nippel und Nuckel bzw. deren Auswirkung. Ich frage mich, inwiefern die Situation von Berufseinsteigermüttern wissenschaftlich beschrieben ist? Mit absoluter Sicherheit gibt es ein Haufen Wälzer mit viel zu kleiner Schrift zu dieser Thematik. Leider habe ich dank Familie und Beruf keine Zeit dazu, sie mir zu Gemüte zu führen. Ihr seht, ich bin angekommen. Angekommen in dem großen Mysterium Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das erste Opfer? Mein letzter Blogbeitrag. Gerne hätte ich in ihm die letzte Woche in Elternzeit ausführlichst seziert, alle die Mütternetzwerke, Sportkreise, Krabbelgruppe und Reisen zu meinem Bruder abgebildet und mit meiner Gefühlswelt abgeglichen. Stattdessen wird alles mit einem Satz abgehandelt: Schönes Wetter animierte mein Kind und mich zu viel Bewegung. Tatsächlich gelang es meinem Knöpfchen innerhalb einer Woche alle Kräfte zu mobilisieren und mobil zu werden. Es begann noch während meiner Elternzeit das erste Mal alleine zu krabbeln, sich hinzusetzen, zu klatschen und aufzustehen. Na gut, jetzt waren es doch drei Sätze. Aber eben kein ausführlicher Blogbeitrag. Denn dieser ist unserer völlig neuen Situation gewidmet: Mama arbeitet wieder. Und das schmeckt – süß-sauer. Eigentlich unbeschreiblich. Als ich am Montag das erste Mal auf Arbeit ging, zerrissen mich meine Emotionen. Einerseits machte ich mir in die Hose vor den neuen Aufgaben, Kolleg*innen und der neuen Chefin. Andererseits überlagerte die tiefe Trauer über die Trennung von meinem Baby sowohl den Neid auf meinem Mann, der jetzt in das Elternzeitparadies Einzug hält, als auch den Schiss vor der neuen beruflichen Aufgabe. Mein Fazit nach einer Woche? Ich bin rollenverwirrt. Die Sehnsucht nach meinem Kind zog mich am ersten Tag in der Mittagspause noch nach Hause. Wenn ich nachmittags nach Hause kam, quoll mein Herz über, wenn ich das Lachen meines Kindes sah. Morgens verließ ich die Wohnung mit Tränen in den Augen, wenn Knöpfchen bereits beim Anblick von mir in Jacke herzzerreißend protestierte. Dazwischen – tja – dazwischen vergesse ich all das völlig, stürze mich total in die neue Herausforderung, studiere Richtlinien, Verordnungen, Prozesse. Spüre das Kribbeln im Bauch, das ich immer spüre, wenn ich erlebe wie politische und gesellschaftliche Herausforderungen in den kleinen Tätigkeiten in meiner Arbeit widergespiegelt werden. Ich habe jeden einzelnen Tag meiner Elternzeit genossen. Allerdings überkommt mich gerade das Gefühl, dass ich jetzt, da ich wieder arbeite, ausgeglichener zu sein scheine. Ja gut, es war erst eine Woche Arbeit. Zumal ich mich auch erst einarbeite. Da ist es sowieso entspannter. Es ist auch ein Segen, dass Papa in Elternzeit ist. Um Haushalt und Einkaufen muss ich mir keine Gedanken machen. Körperlich gesehen bin ich auch ganz und gar nicht ausgeglichen. Meine Tochter versucht meine Abwesenheit nachts zu kompensieren, indem sie sehr viele Kuscheleinheiten einfordert, sodass weder ich noch der Papa gegenwärtig eine realistische Vorstellung von dem Zustand ausgeschlafen haben. Das ist furchtbar anstrengend. Jede Nacht ist sie 2-3 Stunden wach und schläft nur im Familienbett ein. Jegliche Versuche, sie in ihrem Bett zu beruhigen, enden in Tränen. Außerdem denke ich ernsthaft über das Abstillen nach, weil sie mich wieder beißt. Reagiert sie so ihren Frust ab? Dennoch. Mein Selbstwertgefühl ist wieder da. Ich definiere mich nicht mehr ausschließlich über die erfolgreiche Bedürfniserfüllung und liebevolle Förderung meines Kindes. Doch wie es bei fast jedem weiblichen Wesen so ist, warte ich auf den großen Knall. Das kann doch nicht die richtige Entscheidung gewesen sein? Müsste es sich nicht total hart und schlecht anfühlen? Wieso bin ich so zufrieden? Müsste ich nicht traurig sein? Ehrlich gesagt, verwirrt es mich, dass ich so nach dieser beruflichen Rolle giere und kaum dass ich auf Arbeit bin, die Mutterrolle ablege. Mal sehen, was ich nächste Woche so zu berichten weiß. Denn es steht die erste Dienstreise an. Zielvereinbarungen werden getroffen. Und ich lerne das Team kennen, das ich führen soll. Ob ich alle mit einem Kinderriegel besteche?    

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Oh weh, Reisen mit der DB

In der vorletzten Woche meiner Elternzeit spielten sich wahre Dramen ab. Es gab so Klassiker wie „Ausstand feiern beim Jobwechsel“, „Oh weh, Reisen mit DB“ und „Hilfe, mein Baby erstickt“. Genauer betrachtet wurden die drei Stücke nicht im Laufe einer Woche aufgeführt, sondern im Laufe von gut 24 Stunden. Aber eben in meiner vorletzten Elternzeitwoche. Anlässlich des durchaus aufwühlenden Abschieds von meiner alten Arbeitsstelle packten mein Knöpfchen und ich unsere sieben Sachen und machten uns auf, um den Mobilitätsservice der Deutschen Bahn auf dem Weg ins Tal der Ahnungslosen zu erproben. Grundsätzlich bietet die Deutsche Bahn in jeder Gesprächsrunde unter Freunden hinreichend Anlass für ausgiebige Kritik; und dass ohne in Gefahr zu laufen, irgendjemanden vor den Kopf zu stoßen, wie es bei vergleichbar politischeren Themen der Fall sein kann. DB ist schichtübergreifend konsensbildend. Ich allerdings bin kein Freund von Generalisierungen, sondern eher eine Freundin vom guten alten Für-und-Wider. Ja, dabei kann ich mich gelegentlich auch über exorbitante Preise und die Abwesenheit von w-lan-fähigem Internet bei der DB aufregen. Grundsätzlich liebe ich aber Zugfahren – mit viel Platz, stets zwei freien Händen und einer schnell erreichbaren Toilette. Es gibt kein anderes Reisemittel, in dem ich so entspannt reise. Auch mit Kind. Im Hinblick auf überregionales Reisen verweigere ich das Autofahren mit Baby sogar. Zumindest, wenn ich solo reise. Das liegt sicherlich vor allem daran, dass ich keine sonderlich versierte Autofahrerin bin, aber auch bzw. gerade deswegen ist meine Konzentration mit quengelnden Kind an Bord hochgradig gestört. Ich breche schon in Schweiß aus, wenn ich nur daran denke. Dementsprechend genieße ich es, in der Bahn Zeit und zwei tröstende Hände für mein Töchterchen zu haben. Doch wohin mit dem Kinderwagen, mag jetzt der eine oder die andere einwenden. Richtig, das ist das größte Problem. Dafür hat die Bahn den Mobilitätsservice als Lösung parat. Jede/r mobil eingeschränkte kann diesen kostenlosen Service beanspruchen. Bisher zögerte ich, darauf zurückzugreifen, da Knöpfchen entweder in der Tragehilfe auf Regionalfahrten zu den Großeltern mitreiste oder ich ungefragt Tragehilfe durch Passagiere im ICE erhielt. Der Kinderwagen stellte somit für uns bisher weder im ICE, RB noch im RE ein Problem dar. Gänge sind breit und Treppen werden dank aufmerksamer Mitreisender problemfrei überwunden. Ein schwarzes Schaf gibt es jedoch immer. So auch bei der DB.  Zwar der IC. Verschwommen erinnerte ich mich an den Hybrid aus eng und nicht ganz so schnell. Er sollte mein Testobjekt für den Mobilitätsservice werden. Pünktlich 20 Minuten vorher traf ich meine Serviceleistung in Person einer schlecht aus dem Mund riechenden Bahn-Mitarbeiterin vom Typ Früher-war-alles-besser, die die Wartezeit nutzte, um zu erklären, dass sie wegen diverser Bandscheibenvorfälle nicht heben könne.  Und außerdem, um ausgiebig über die unterschiedlichen Gepäckstücke von Passagieren zu lästern. Der IC kam, mit Ach und Krach verfrachtete sie mein Knöpfchen und mich in den Zug und weg war sie. Puh. Wir waren im Zug. Es gab nur ein Problem: Das Kleinkindabteil befand sich auf der gegenüberliegenden Seite des Wagens. Das erbrachte uns die nächste gewinnbringende Erkenntnis: Unser Kombikinderwagen ist definitiv zu breit für die Gänge im IC. So standen wir zwei, beschallt vom Rattern des Zuges, zwischen zwei Wagen und versperrten zahlreichen Mitreisenden den Weg ins Bistro. Auf dem Rückweg nach Jena misstraute ich dem Mobilitätsservice schließlich derart, dass ich aufgrund geänderter Wagenreihung dem stoffeligen Mann – ebenfalls mit Bandscheibenvorfall – beharrlich widersprach und schlussendlich selbst verschuldet an der falschen Stelle einstieg. Lediglich in Leipzig verlief dank hilfreicher Passagiere und ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen der Bahnhofsmission alles reibungslos. Allerdings verkehren zwischen Köln und Dresden inzwischen neuartige ICs mit barrierefreiem Einstieg für Rollstuhlfahrer/innen und Kinderwagenfahrer/innen, sodass ich mir etwas dämlich vorkam, als die zwei Mobilitätsdienstleistenden mich von einem zum nächsten Zug begleiteten, während ich den Kinderwagen mit hochrotem Kopf vor mir herschob. Innerhalb von 24h war ich so sehr mit der DB beschäftigt, dass ich beinahe meinen eigenen Ausstand verpasst hätte. Er war vergleichsweise zu meinem Abschied im Frühjahr 2016 unspektakulär. Meine Elternzeitvertretung war bestechend gut gelaunt, mein Chef behandelte mich weiter wie eine Mitarbeiterin (was ich sehr genoss) und den Rest der Truppe hielten Knöpfchen und ich erfolgreich vom Arbeiten ab. Als ich dann in einer ruhigen Minute alleine in den sogenannten „großen Saal“ ging, in dem ich unzählige Seminare gehalten hatte, wurde mir das Herz doch sehr schwer. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass ich innerlich schon losgelassen hatte und langsam bereit für etwas Neues bin. Sollte ich vielleicht auch, schließlich beginnt in wenigen Tagen meine neue Tätigkeit bei einem anderem Bildungsträger in Jena. Kaum nach Jena zurückgekehrt, fuhren wir rasch nach Hause, um schnell auszupacken und Knöpfchen ins Bett zu packen. Mein Mann hatte Spätschicht und ich freute mich auf ein gepflegtes Date mit der Couch und dem TV. Eine Minute. Genau eine Minute lässt man das Kind alleine, um sich flugs auf dem WC zu erleichtern und schon hat es ein Plastikteilchen von einer Verpackung in der Hand. Eine Minute, die alles ändern kann. Ich stürmte zu der Kleinen um Schlimmeres zu verhindern, entriss ihr das Unteil, dass sie aus einer Schublade gepfriemelt hatte. Erstaunlich, da sich Knöpfchen dato nur in der Horizontale bewegte. Als die Kleine plötzlich übermäßig zu husten und zu keuchen anfing, schwante mir Übles. Ich griff beherzt in ihren Rachen und fühlte ein Plastikteilchen. Ich war zu spät gekommen. Sie japste und hechelte. Mit jedem Röcheln geriet ich zunehmend in Panik. Verzweifelt wühlte ich in ihrem Rachen, erwischte das verflixte Teil jedoch nicht. Knöpfchen weinte und schrie. Meine Finger lösten schließlich den Würgereflex aus. Hoffnungsvoll durchsuchte ich ihr Erbrochenes. Fand jedoch nix. In meiner Verzweiflung wählte ich die 112, schilderte gehetzt die Situation. In der Zwischenzeit beruhigte sich mein kleines Baby und beobachtete interessiert, wie ich in den Telefonhörer sprach. Da nun keine akute Erstickungsgefahr mehr bestand, empfahl man mir in die kinderärztliche Notfallambulanz zu fahren. Die kannte ich schon. Mit Höchstgeschwindigkeit düste ich los. Doch auch diesmal wartete ich vergeblich auf sprintende Ärzte mit wehenden, weißen Kitteln. Allerdings legte ich eine rasante Vollbremsung vor dem Eingang hin und ließ unser neues Auto kreuz und quer geparkt stehen. Etwas Dramatik muss schon sein. Der Arzt untersuchte mein Knöpfchen. Lunge

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Kind krank

Kramiki-Kraoki-Kraomu – Kind krank was nu?

Als das absolute Mamageddon  gilt Kramiki, wenn Mutter und Kind gleichzeitig krank sind. Es ist einfach unmöglich, sich sowohl um das Baby als auch um sich selbst angemessen zu kümmern. Irgendjemand kommt immer zu kurz.

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Erste Worte

Erste Worte oder ‚Aua‘ is the new ‚Mama‘

Es stimmte mich sehr nachdenklich, dass der erste eindeutige und scheinbar bewusst ausgestoßene Ausruf meines Kindes „Aua“ und nicht „Mama“ war. Der naive Leser könnte nun annehmen, mein Kind habe häufig Schmerzen und leide unter meiner wenig durchdachten Erziehung. An dem ist nicht so. Legt die Nummer des Jugendamts getrost beiseite!

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