Virtuelle Sportskanone dank FEM Family – Fit-für-2

Oder wie Corona meiner Fitness einen Digitalisierungsschub verpasste

„Du könntest ein bisschen Sport vertragen.“, sagte mein Mann Ende 2019 zu mir. Wir beide teilen den Wert Ehrlichkeit. Oder sollte ich sagen, wir teilten den Wert Ehrlichkeit? Denn solche Aussagen lassen mich gerne mal meine Partnerwahl überdenken. Ich kann es nicht leiden, wenn Offensichtliches benannt wird. Insbesondere, wenn das Offensichtliche meine Figur betrifft. Was dachte mein Mann eigentlich? Dass ich blind sei? Das leicht adipöse Spiegelbild war schon ehrlich genug mit mir.

2020 wollte ich also mein sportliches Comeback geben. Es war ein Comeback auf Umwegen. Die Anmeldung im Fitnessstudio (noch 2019) war der erste Schritt zur Bodytransformation. Dabei blieb es auch. Ich war die klassische Karteileiche. Zu selten nahm ich meine Sportkleidung mit, um nach der Arbeit ins Studio zu gehen. Zu oft verabschiedete sich stattdessen meine sportliche Motivation gleichzeitig mit mir in den Feierabend. Seltsam. In der pränatalen Phase meines Lebens standen regelmäßig Radtouren, Wanderungen, Waldläufe auf meinem Wochenplan. Wie konnte es sein, dass nach Knöpfchens Geburt das Spannungsfeld zwischen Ich- und Familienzeit meine sportlichen Ambitionen schon im Ansatz pulverisierte?

Mir ist Sport wichtig. Basta. Ich brauche ihn. Egal, was mein innerer Schweinehund sagt. Denn Kopf- und Rückenschmerzen sind bei einem Alltag im Bürostuhl nicht fern. Außerdem ist Sport der ideale Helfershelfer für einen geruhsamen Schlaf, lockere Muskeln und ein ausgeglichenes Inneres. Das kommt einem Urlaub für Körper und Seele gleich. Nebenbei springen ein paar Kilos raus – aus der viel zu engen Jeans. Mein großes Dilemma: Morgens sind das Energielevel und die Bereitschaft zur sportlichen Betätigung am höchsten. Doch weit und breit niemand in Sicht, der auf Knöpfchen aufpassen könnte. Einen Babysitter um 5 Uhr morgens für eine einstündige Betreuung bei Mindestlohn zu gewinnen, erwies sich als utopisch. Nachmittags waren Couch und Kinderriegel stets die Gewinner beim Wettkampf zwischen aktiver Regeneration und Erholung.

Wie konnte ich meinen inneren Schweinehund also austricksen? Als berufstätige Mama benötige ich flexible Sportangebote, die in Gemeinschaft betrieben werden können, am besten mit anderen Frauen, die in vergleichbaren Situationen stecken oder zusammen mit meiner Tochter. Am fetzigsten wäre so ein Sportsclub – idealerweise neben unserem Wohnblock, wo Knöpfchen UND ich verschiedene Sportarten austesten oder sogar gemeinsam Sport treiben könnten – so eine Art singende Lauftanzyogasau.

In einem nächsten Anlauf meldete ich Knöpfchen also zur Purzelbaumgruppe in der benachbarten Schule an. Mit dem großspurigen Ziel, selbst parallel joggen zu gehen. Leider scheiterten Knöpfchens erste Gehversuche als angehende Profisportlerin an der Männlichkeit des Trainers. Ohne Scheiß! Mein Kind ist Feministin par excellence. Während sie in die Fitnessgruppe mit östrogenbasierter Anleiterin sehr gerne ging, verweigerte sie sämtliche Bewegung in der selbigen Gruppe mit testosterongesteuertem Gegenstück und klammerte sich lieber an Mama. Also an mich. Da war an Joggen natürlich nicht zu denken. Um ehrlich zu sein, ich hatte die Wartezeit meistens sowieso mit einem Quatschmarathon verbracht, als selbst die Sportschuhe zu schwingen.

Dann kam Corona. Die Pandemie gab nicht nur der Berufswelt, sondern auch unserer Family-Fitness einen wahren Digitaliserungsschub. Albas tägliche Sportstunde verzauberte während der Home-Office-Phasen meinen kleinen Sportmuffel in eine Sportskanone. Das brachte mich auf die Idee, mein Fitnesstraining ebenfalls zu digitalisieren. Mein neues sportliches Ich probierte es mit YouTube- und App- Angeboten. Da gibt es eine schier unendliche Auswahl: 8fit, MyFitnessPal, BodyweightFitness, Running, Pumatrac, Endomondo, Freeletics, Bodyweight etc.. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Ich griff auf bewährtes Lauftraining mit Running (Runtastic) zurück. Doch irgendwie strapazierte die Stimme, die mir erzählte, dass ich in 10 Minuten nur 1 Kilometer gelaufen bin, mein sportliches Ego. Die Anfeuerungsrufe dieser Computerstimme bewirkten bei mir nichts. Außerdem fehlte mir der Kontakt zu anderen Frauen und irgendwie hätte ich gerne Knöpfchen dabei.

Für den anstehenden Herbst und Winter habe ich nun die ideale Lösung gefunden. Auf der Suche nach einem Alba Jena stieß ich durch Zufall auf alte Bekannte: In der Elternzeit hatte ich (fast) meine alte Figur sowie neue Freundinnen fürs Leben durch FEM Family – Fit-für-2 bekommen. Dabei handelt es sich um ein Sportstudio das Sportkurse für Frauen in all ihren Lebensphasen anbietet. Tatsächlich greift das Wort Sportstudio dabei zu kurz, denn dort findet frau quasi alles was ihr Herz begehrt von Ernährung über Erziehung über Erst Hilfe für’s Kind bis eben (körperliche) Ertüchtigung. In meiner Elternzeit besuchte ich das Sportangebot hoch und runter. Kangatraining, Kangatraining für Fortgeschrittene und BuggySport. Das Schöne: Die Kurse wurden zumeist von Mamas angeleitet, die ihre eigenen Kinder mitbrachten. Die Trainerinnen kennen die Bedürfnisse und Herausforderungen des sportlichen Mamaalltags dementsprechend sehr gut und geizten nicht mit Tipps und Tricks. Dabei guckte ich mir den einen oder anderen spielerischen Move von den Trainerinnen ab, um Kinder bei Laune zu halten. Gerne hätte ich nach der Elternzeit weitere Kurse besucht. Doch sämtliche Sport-, Musik- und sonstige Angebote, die sich nicht im Umkreis von 500 Meter von meiner Wohnung ausgehend befinden, sind nach dem beruflichen Wiedereinstieg dem Zeitmangel zum Opfer gefallen.

Umso erfreuter war ich, als Daniela Adler und Christina Mänz, die Leiterinnen des Studios, während der Pandemie bekannt gaben, dass alle ihre Kurse nun auch online besucht werden können. Mit nur einem Zugang erhielt ich die Möglichkeit, für acht Wochen alle Formate zu nutzen. Das Prinzip ist relativ simpel. Die real stattfindenden Kurse werden per Videocam live übertragen bzw. aufgezeichnet. Verpasst man einen Kurs kann dieser jederzeit nachgeholt werden (Gott sei Dank!). So löste sich mein Zeit- und Betreuungsproblem in Wohlgefallen auf. Anfänglich war ich etwas überfordert, ob der umfangreichen Auswahl. Doch dann startete ich in den Donnerstag mit Fit um 8 – Power, natürlich bereits um 5 Uhr morgens in der Aufzeichnung vom Vortag. Da ging ich regelmäßig mit dem guten Gefühl auf Arbeit, schon etwas gemacht zu haben. Nachmittags wenn Knöpfchen Lust hatte, lachten und tanzten wir beim Mama-Kind-Tanzen mit Elisa und ihr beiden Kindern Alma und Carlotta, die wir aus der Elternzeit noch kannten. Ein klarer Pluspunkt bei diesen Kursen ist, dass niemand meine ungelenken Bewegungen sehen kann. Ich kann mich beim Schwitzen völlig frei entfalten und habe trotzdem das Gefühl in einer Gemeinschaft zu trainieren. Frau braucht nur etwas Platz im heimischen Wohnzimmer. Sessel, Tisch und Wäschekorb sollten vorab besser zur Seite geschoben werden. Und natürlich Selbstdisziplin. Die braucht es trotzdem. Doch dadurch, dass das Angebot stets parat ist – eben auch dann, wenn die Motivation und Zeitfenster gleichzeitig um die Ecke schauen – erhöht sich die Trainingsfrequenz deutlich. Der Preis von 119,- ist recht stolz, aber da die Kurse krankenkassenzertifiziert sind, gibt’s den größten Teil davon erstattet. Das beruhigt mein Portemonnaie. In Jedem Fall habe ich bei FEM Familiy meinen digitalen Sportsclub, den ich mir immer gewünscht habe. Ja, da ist sie, meine singende Lauftanzyogasau.

Wie haltet Ihr Euch im Alltag fit? Nutzt Ihr auch digitale Sportangebote? Welche könnt Ihr weiterempfehlen? Und habt Ihr auch schon Eure singende Lauftanzyogasau gefunden? Ich freue mich über Eure Kommentare!