Seitdem ich ein Interview im Rahmen einer Forschungsarbeit gegeben habe, habe ich eine Bezeichnung für den Mus in meinem Kopf: Anspruchskonflikt. Darin stecke ich nämlich. Bei besagter Forschungsarbeit ging es um Mutter-Kind-Kuren und deren Wirksamkeit. Die beiden Wissenschaftlerinnen waren so nett und haben mir das Ergebnis ihrer Untersuchungen zur Verfügung gestellt. Damit hielt ich die wissenschaftliche Bestätigung in meinen Händen: Ich möchte Tradwife und Boss Babe in einem sein. In mir schlägt das Herz von Dinkeldörte UND Mett-Melanie. Ein waschechtes Mamahonk eben. Damit überrascht es nicht, dass ich nach einem halben Jahr Teilzeit – welches ich erfolgreich nutzte, um auf das Vollzeitmodell einzudreschen und nachzuweisen, wie die 40-Stunden-Woche Beziehung, Gesundheit und Erziehung einfach zermalmt – klopfenden Herzens in die Vollzeit zurückkehrte. Im August 2026 war es soweit: Willkommen zurück im Alltag des modernen Mamahonks. Dem Ort, an dem der Kaffee nicht getrunken, sondern per Infusion zugeführt wird. Read it like it or leave it! Jap. Ich sehe Euch jetzt regelrecht vor mir. Wie Ihr Eure Hände an die Stirn schlagt und kopfschüttelnd fragt: Ist sie bescheuert? Weshalb tut sie sich das an? Die Antwort ist denkbar einfach. Wer Gründe für meine Abneigung gegen die Teilzeit sucht, wird sicherlich bei meinem Kontostand fündig werden. So einfach also, dass man meinen könnte, ich habe bei der AFD abgeguckt: Ich bin mittelalt, habe zwei Kinder und brauche das Geld! Ihr ahnt es. Genau wie bei der Wirtschafts- und der Klimakrise ist die Antwort doch etwas vielschichtiger als die AFD das gerne hätte. Denn lassen wir den Schaum auf dem Hafer-Cappuccino: Die 40-Stunden-Woche für Mütter ist nicht die Vorhölle, sondern die Königsklasse der Selbstbestimmung. 1. Finanzielle Sicherheit lautet das Zauberwort. Die Wahrheit ist: Die monatlichen Mehreinnahmen fließen direkt in meine Alltagsvorsorge und die Bildungsvorsorge für meine Kids. Als ich Teilzeit arbeitete, blieben alle Kosten gleich. Nur die Sparrate wurde gekürzt. Da können die Skeptiker:innen noch so laut aus dem Off tönen, die paar Euro mehr lohnten sich nicht. Doch tun sie. Zumindest wenn eine Anlagestrategie dahintersteckt. Ich blicke in eine Zukunft als Getrennterziehende. Und ich blicke dorthin ohne Angst. Ganz einfach, weil ich genug auf der hohen Kante habe. Wenn ich weiter in Teilzeit rumstottere, investiere ich vor allem in eine strahlende Zukunft als verarmte Seniorin mit Katzen. Mein Vollzeit-Gehalt ist nicht für die nächsten drei Jahre gedacht, sondern mein Schild gegen Altersarmut. 2. Der Mythos von der „Teilzeit“ Ich weiß, Merz mag sie nicht, die Teilzeitkräfte. Und die Wirtschaft stöhnt auch hin und wieder, dabei profitieren sie nicht selten vom Teilzeitmodell. Zumindest, wenn diese Teilzeitkräfte wie ich gestrickt sind. Das heißt Teilzeitbezahlung, Vollzeit arbeiten. So war das be mir. Immer. Ich KANN Teilzeit einfach nicht. Es ist meiner Amygdala zutiefst zuwider, um 12:30 Uhr mit dem Laptop unter Arm aus einer Besprechung zu schleichen. Arbeite ich Teilzeit, bemächtigt mich sofort das schlecht Gewissen, wenn ich 10 Minuten nichtdienstlich schnattere. Wenn ich Vollzeit arbeite, bin ich einfach entspannter auf Arbeit. 3. Vollzeit als Gleichberechtigungsgarantie Der Partner träumt von Fitnessstudio und Gartenarbeit, während Mama die Waschmaschine befüllt? Nicht mit Mamahonk! Wenn beide Eltern im Vollzeitrad rotieren, verpufft die Schlagkraft der bequemen Ausrede „Du bist ja eh zu Hause und hast Zeit“ oder „Ich arbeite ja richtig, nicht nur Teilzeit.“ schlagartig. Plötzlich muss der Papa den vierjährigen Hintern abwischen, weil Mama eben gerade den Müll wegbringt. Hatte halt niemand vorher Zeit dazu. Leider hatte ich bei der Partnerwahl versäumt, die Gleichberechtigungstauglichkeit des Auserwählten zu hinterfragen. So kam es, dass mich die fehlende Zurückhaltung beim Mann mit Stilkritik, ob meiner Unfähigkeit Haushalt, Job und Kinder allein zu managen, kalt erwischte. Vollzeit ist das beste Mittel gegen den Mental Load und konservative Einstellungen beim Partner. 4. Qualität statt Dauerbeschallung Zig Stunden am Stück Sandkuchen backen und Knete aus dem Teppich kratzen macht mich nicht zu einer besseren Mutter – nur zu einer frustrierten. Mein Anspruch an Gespräche liegt schlicht ein paar Komplexitätsstufen über Paw Patrol und Unicorn Academy. Dank Vollzeit kommt Mamahonks Selbstwertgefühl abends nicht als Frustbündel nach Hause, sondern als Mensch. Die verbleibenden zwei Stunden vor dem Bettgehen werden dann nicht abgesessen, sondern zelebriert. Exzellentes Zeitmanagement schlägt Dauerpräsenz um Längen. Ich verkörpere den Zeigarnik-Effekt nahezu idealtypisch. Das bedeutet, unerledigte Aufgaben schwirren mir durch den Kopf. Erledigte nicht. Das ist ein Zustand, den ich nicht aushalte. Also erledige ich die Aufgaben eben, damit sie raus aus dem Kopf sind. Ungeachtet der Zeit. 5. Das lebende Vorbild. Meine Töchter lernen von kleinauf, dass Frauen nicht auf den Märchenprinzen mit der goldenen Kreditkarte warten müssen. Außerdem habe ich eine innere Aversion gegen Menschen, die Arbeit negativ konnotieren. Arbeit ist Teil meiner Identität, eine Aufgabe, die ich erfülle und die mich erfüllt. Mir ist klar, dass ich aus einer fucking-privilegierten Sicht auf das Konzept Erwerbsarbeit blicke. Doch wäre es nicht Sünde, diese Privilegien zu haben und dann auch noch zu jammern? Fazit Klar, die Haare sind morgens manchmal im Eiltempo zusammengesteckt, die Socken haben hin und wieder Löcher und die E-Mails schreibe ich auch noch um 21 Uhr auf dem Gästeklo. Doch am Ende des Tages bin ich eine Frau, die ihr eigenes Geld verdient, ihren Verstand nutzt und ihren Kindern zeigt, wie das Leben funktioniert. Vollzeit als Mama ist Leben! Bonus: 3 unumstößliche (und überlebenswichtige) Gründe, warum Mütter in Vollzeit arbeiten und über die niemand spricht Im Büro existiert ein Phänomen, das zuhause lediglich als Mythos existiert: Eine Tasse Kaffee, die von der Zubereitung bis zum letzten Schluck heißen Dampf abgibt. Keine Mikrowelle, keine drei Aufwärmversuche und vor allem keine fremden, klebrigen Kinderfinger, die spontan die Konsistenz des Milchschaums testen wollen. Auf Arbeit lässt sich die Toilettentür schließen. Sie lässt sich sogar abschließen! Es schieben sich keine kleinen Hände unter dem Türspalt durch, niemand hämmert panisch dagegen, als ginge es um Leben und Tod, und niemand fragt durch das Schlüsselloch: „Mama, was machst du da?“ Das Zuhause zu verlassen mit kleinen Kindern bedeutet: Drei Paar Schuhe suchen, eine Vierjährige in (natürlich völlig unpassende) Matschhosen quetschen, die Trinkflasche entgiften und den halben Hausstand evakuieren. Vollzeitarbeit bedeutet dagegen: Einfach den Schlüssel schnappen,
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