Mamahonks neueste Rabenteuer – 6. Vollzeit arbeiten als Zweifachmama – Selbstfürsorge und Identität
Politisch gesehen sollen wir Mütter heute vor allem eines sein: Resilient. Achtsam. Selbstfürsorglich. Am besten alles gleichzeitig und bitte nach Feierabend. Zwischen Vollzeitjob, Care‑Arbeit und mentaler Dauerverfügbarkeit wird Selbstfürsorge gern als individuelle Kompetenz verkauft – eine Art innere App, die man nur richtig bedienen muss. Dass dafür Zeit, Energie und manchmal auch funktionierende Knie nötig wären, wird höflich ausgeblendet. Was also tut man, um nicht nur zu funktionieren, sondern irgendwie Mensch zu bleiben? Spoiler: Es hat mit der dunklen Seite der Macht zu tun.
Sind Vollzeitarbeit und Familie vereinbar? Wie wirkt sich das auf die verschiedenen Lebensbereiche aus? Und vor allem: Wer oder was bleibt am Ende eigentlich übrig?
Dazu habe ich Eindrücke aus sechs Bereichen gesammelt: 1 Alltag & Organisation, 2 Emotionale Seite, 3 Kinder & Bedürfnisse, 4 Arbeit & Karriere, 5 Partnerschaft & Netzwerk, 6 Selbstfürsorge & Identität.
Die Artikel werden sicher immer wieder aktualisiert — so wie mein Nervenkostüm. Ich freue mich, wenn ihr eure Eindrücke in den Kommentaren hinterlasst oder mir anderweitig zukommen lasst. Read it, like it or leave it.
Was hast du für dich getan, um nicht nur „funktionieren“ zu müssen?
Selbstfür…Was?
Zeit für mich und meine Gesundheit? Gab es nicht.
Ich kann das gerne anhand meiner Hosen exemplifizieren: Meine Hosen passten hervorragend. Vor 10 Kilo. Dann begann ich als zweifache Mama Vollzeit zu arbeiten und fing mir eine handfeste Adipositas ein. Ich wuchs täglich ein kleines Stück, wie meine Töchter. Nur in die Breite, statt in die Höhe.
Und mein Knie befanden sich im Warnstreik. Sie hassten mich und meine ernährungspolitischen Ansichten. Mein Körper sah aus, als wäre er bei Ottfried Fischer in die Lehre gegangen. Fettzellen fühlten sich bei mir anscheinend so wohl, dass sie vor lauter Wonne ihre ganze Familie einluden: “Fettzellen aller Länder vereinigt Euch!”
Kurzum: Die Vollzeit hatte ganze Arbeit geleistet.
Während andere Mütter abends zwei Stunden „Me‑Time“ genießen, konnte ich darüber nur müde lächeln. Ich ging einfach mit den Kindern ins Bett. Nicht aus pädagogischen Gründen, sondern aus Überlebensinstinkt. Wahlweise aus Kraftlosigkeit.
Mein Alltag bestand werktags aus Arbeit, Kindern, Haushalt — und Schlaf. Intimität? Die hatte sich verabschiedet wie ein Praktikant am letzten Tag: ohne große Worte, aber mit deutlicher Erleichterung.
Vielleicht lag es daran, dass ich abends nicht mehr aus dem Bett kam. Vielleicht lag es daran, dass ich körperlich und mental im Energiesparmodus lief. Vielleicht lag es daran, dass ich mich fühlte wie ein Smartphone mit 3 % Akku.
Welche kleinen Dinge haben dir geholfen, dich wieder wie du selbst zu fühlen?
Zeit für mich entstand nur durch Zufall — meistens, wenn die Kinder nachts unruhig waren und ich danach stundenlang wach lag. Während sie wieder einschliefen, begann für mich die geheime Schicht:
- Lesen.
- Bloggen.
- In die Leere starren.
- Kinderschokolade essen.
- Alle Menschen doof finden. Bevorzugt Papahonk.
Was hat dir geholfen, Grenzen zu setzen?
Lügen.
Manchmal nahm ich Überstunden oder Urlaub, um heimlich in die Sauna zu gehen. Ich sagte niemandem etwas. Nicht den Kindern, nicht Papahonk. Warum? Weil ich das schlechte Gewissen nicht aushielt. Mom guilt at it’s best.
Die Ratgeber sagen: „Lebt Selbstfürsorge vor, damit die Kinder es lernen.“ Ich dachte: Klingt gut. Ich probierte es. Die Reaktion der Kinder? Emotionaler Weltuntergang. Meine Energie? Nicht ausreichend für pädagogische Grundsatzdiskussionen.
Also log ich. Und siehe da: Das mit der Selbstfürsorge klappte plötzlich.
Welche Erkenntnis war die wichtigste?
Zu den größten Falschaussagen der Menschheitsgeschichte gehört der Satz:
„Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist möglich, wenn beide Vollzeit arbeiten.“
Nein. Ist es nicht. Man kann funktionieren. Man kann überleben. Man kann improvisieren, jonglieren, delegieren, kollabieren.
Aber vereinbar ist daran gar nichts.
Warum ich trotzdem in die Vollzeit zurückkehrte, erkläre ich das nächste Mal. Jetzt bin ich zu müde.
Eure Mamahonk
P.S.: Meine universelle Anschlussfrage: Was würdet ihr anderen Müttern sagen, die überlegen, Vollzeit zu arbeiten – und was würdet ihr lieber verschweigen?

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