Mamahonks kleine Monatsrückschau Juni 2026 – Kur, Konflikte und Komfortzone
Der Juni 2026 hatte einiges im Gepäck. Meine große Tochter verabschiedete sich von der Grundschule, auf Kur wurde mir schmerzhaft bewusst, dass ich als Mutter inzwischen als „uncool“ gelte, und mein Hormonhaushalt führte einen kurzfristigen Putsch gegen mein emotionales Gleichgewicht durch. Dazwischen gab es Geschwisterliebe, Stand-up-Paddling, tägliche Sauna und die Erkenntnis, dass meine Kinder längst größer geworden sind, als ich wahrhaben möchte.
Was war los bei uns im Juni 2026?
Der Juni begann bei uns mit einem Ende – und zwar einem ziemlich großen. Meine große Tochter verabschiedete sich offiziell von ihrer Grundschulzeit. Die Sommerferien starteten zwar erst im Juli, doch weil wir den Großteil des Monats auf Kur verbringen würden, fühlte sich bereits das Abschlussfest ihrer Klasse wie der eigentliche Schlusspunkt dieser Lebensphase an.
Wie so oft war unser Alltag in den Wochen davor vollkommen überladen. Statt liebevoll zu planen, nutzten Papahonk und ich die wenigen freien Minuten zwischen Knopfs Geburtstag, Haushalt und Job eher dafür, uns gegenseitig zu versichern, wie schlecht wir organisiert seien und was wir alles nicht geschafft hätten. Die daraus resultierende Erwartungshaltung bewegte sich knapp über der Nulllinie.

Diese Strategie erwies sich überraschenderweise als erfolgreich. Die Kinder präsentierten ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm mit Tanz, Gesang und musikalischen Beiträgen, das nachweislich ohne nennenswerte Intervention Erwachsener entstanden war. Ich war gleichzeitig überwältigt, gerührt und ein bisschen erschrocken.
Denn plötzlich wurde mir bewusst, wie groß meine Tochter bereits ist. So groß sogar, dass in mir kurz der Gedanke aufkam, ob eine christliche Schule überhaupt noch ausreicht oder ob ich sie nicht lieber direkt ins Kloster schicken sollte.
Während ich geistig noch dabei war, ihre Brotdose zu kontrollieren, befand sie sich offensichtlich bereits auf dem Weg in die nächste Lebensphase. Die Datenlage deutete darauf hin, dass die Ära der vollständigen elterlichen Kontrolle ihrem Ende entgegengeht.

Noch deutlicher wurden diese Veränderungen während unserer Kur. Dort zeigte meine Tochter ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Autonomie sowie eine starke Orientierung an ihren Freundinnen. Konnte der soziale Kontakt nicht im gewünschten Umfang stattfinden, führte dies zu erheblichen Stimmungsschwankungen. Gleichzeitig entwickelte sie die Erwartung, dass auch ich mein Sozialverhalten optimieren und mich den Müttern der besonders beliebten Kinder anschließen sollte.
Leider entsprach mein persönliches Interesse nicht ihren Vorstellungen. Während andere Mütter gerne über Kinderkrankheiten, Hygiene oder Waschmittel diskutierten, suchte ich eher Gespräche über Politik, gesellschaftliche Entwicklungen und die großen Fragen des Lebens. Dieses Verhalten wurde von meiner Tochter als sozial suboptimal bewertet und führte zu einer deutlichen Absenkung meines Coolness-Indexes.
Das wurde mir von ihr erfreulicherweise transparent kommuniziert. Ich erfuhr also aus erster Hand, dass ich in ihrem sozialen Umfeld offenbar nicht zu den Premium-Eltern gehöre. Diese Erkenntnis schmerzte kurz, ließ sich aber durch die Mitteilung, dass sie es mir immerhin direkt erzählt hatte, wieder etwas ausgleichen.

Mit sehr konkreten Vorstellungen war ich zur Kur gefahren. Ich wollte nicht mein Leben komplett umkrempeln oder eine tiefgreifende Transformation erleben. Mein Ziel war deutlich einfacher: die Zeit, die ich normalerweise mit Einkaufen, Putzen und Essensplanung verbringe, endlich einmal für mich und meine Kinder zu nutzen. Ich wollte Sport machen, schwimmen gehen und Zeit in der Sauna verbringen. Genau das ist mir gelungen.
Darüber hinaus habe ich einige wertvolle Impulse für den Umgang mit meinen Kindern mitgenommen. Mir wurde klar, dass insbesondere Geschwisterkonflikte und starke Wutausbrüche mich im Alltag viel Kraft kosten. Nicht, weil meine Kinder ungewöhnlich schwierig wären, sondern weil genau diese Situationen meine persönliche Schmerzpunkte darstellen.
Worauf bin ich stolz im Juni 2026?
Auf die Geschwisterbeziehung meiner beiden Mädchen.
Das mag überraschend klingen. Doch, wenn man einen Großteil des Tages damit verbringt, Streitigkeiten zu schlichten, Besitzansprüche zu verhandeln und darüber zu diskutieren, wer wen zuerst angeschaut hat, hegt man gelegentlich den Verdacht, Einzelkinder wären so viel einfacher.

Aber im Juni zeigte sich mehrfach, dass unter dem täglichen Chaos eine ziemlich starke Geschwisterliebe steckt. Als Fünkchen ausbüchste, machte sich Knopf sofort auf die Suche. Fünkchen wollte am ausschließlich zu ihrer Schwester, als ich sie schließlich wohlbehalten von der DLRG zurück bekam, sie teilte ihre Pommes mit ihr und als zwei größere Jungen nach einer Sand-Attacke wenig begeistert reagierten, war Knopf direkt zur Stelle.
Die beiden streiten sich weiterhin. Ausdauernd. Kreativ. Teilweise professionell.

Trotzdem habe ich erstmals seit Langem wieder deutlich gesehen, dass da genau das entstanden ist, was ich mir immer für sie gewünscht habe: eine echte Verbindung. Und ehrlich gesagt war ich manchmal nicht sicher, ob sie unter all den Konflikten überhaupt vorhanden ist.
Ist sie aber. Zum Glück.
Was hat mich bewegt im Juni 2026?
Der Juni stand ganz im Zeichen einer Entwicklungsphase, die ich bislang nur aus Fachliteratur, Erfahrungsberichten und fremden Familien kannte: dem präpubertären Verhalten meiner großen Tochter.
Es verging kaum ein Tag ohne emotionale Ausschläge, hitzige Debatten oder Diskussionen über Themen, deren Sinn sich mir häufig nicht erschloss. Dabei zeigte Knopf eine bemerkenswerte Fähigkeit, auf nahezu jede meiner Handlungen mit Frust zu reagieren.
Zu den Konfliktfeldern gehörte beispielsweise mein Geburtstag. Dort erlaubte ich mir den schwerwiegenden Fehler, Zeit mit Freundinnen zu verbringen, die eigens aus verschiedenen Teilen Deutschlands angereist waren.
Ebenfalls kritisch bewertet wurde der Vorfall, bei dem ich beim Tragen eines Bollerwagens die Hilfe einer anderen erwachsenen Person annahm, obwohl selbstverständlich ihre Unterstützung vorgesehen gewesen wäre.
Besonders bemerkenswert war jedoch weniger ihr Verhalten als meine Fähigkeit, mich immer wieder darauf einzulassen. Obwohl mir die Mechanismen inzwischen bekannt sein sollten, ließ ich mich regelmäßig in Diskussionen verwickeln, die weder Sieger noch Erkenntnisgewinn hervorbrachten.
Rückblickend bin ich deshalb sehr froh, dass ich mich zu Beginn der Kur für das Erziehungsmodul statt für das Stressmodul entschieden habe. In den Gesprächsrunden mit den anderen Müttern konnten wir unsere kleinen und großen Erziehungsdramen ausführlich analysieren. Das löste zwar nicht alle Probleme, half mir aber dabei, mein inneres Gleichgewicht zu bewahren und die Ereignisse etwas gelassener einzuordnen.
Was waren meine Schmerzpunkte im Juni 2026?
Mein größter Schmerzpunkt im Juni war die Erkenntnis, dass ich meinem Hormonhaushalt offenbar deutlich mehr Mitspracherecht in meinem Leben eingeräumt habe, als mir bewusst war.
Der Höhepunkt dieser Erkenntnis fiel praktischerweise auf meinen 44. Geburtstag. Während andere Menschen Kuchen essen und Glückwünsche entgegennehmen, saß ich innerlich in einer Mischung aus Lebenskrise, Weltuntergangsstimmung und existenzieller Verzweiflung.
Ich wollte kein anderes Alter. Ich wollte gleich ein anderes Leben.
Mit beachtlicher Überzeugungskraft erklärte mein Gehirn mir, dass nahezu alles schieflief, dass ich grundlegend falsche Entscheidungen getroffen hatte und dass die Zukunft bestenfalls unerquicklich sei. Die emotionale Wucht war so stark, dass sie mir selbst Angst machte.

Zwei Tage später war der ganze Zauber verschwunden.
Plötzlich war die Welt wieder in Ordnung. Ich war ausgeglichen, stabil und konnte die selben Lebensumstände betrachten, ohne eine spontane Auswanderung in ein Paralleluniversum zu planen. Kurz darauf setzte meine Periode ein – eine Woche zu früh.
Rückblickend betrachtet hatte also vermutlich nicht mein Leben ein Problem. Mein Hormonhaushalt hatte lediglich beschlossen, kurzfristig die komplette Geschäftsführung zu übernehmen.
Deshalb gibt es für die kommenden Wochen ein klares Projekt: Zyklus- und Stimmungstracking sowie die Überprüfung meines Hormonstatus.
Denn wenn diese Tage hormonbedingt sind, möchte ich sie verstehen. Und wenn ich sie verstehen kann, möchte ich lernen, sie zu gestalten, statt sie einfach auszuhalten.
Welche Erkenntnisse habe ich gewonnen im Juni 2026?
Im Juni musste ich einer unangenehmen Wahrheit ins Auge blicken:
Ich bin Spießerin geworden.

Die Diagnose wurde beim Stand-up-Paddling gestellt, das meine Tochter und ich zum ersten Mal gemeinsam ausprobierten.
Ich hatte erwartet, dass wir beide aufgeregt, vorsichtig und vielleicht ein bisschen unsicher sein würden. Stattdessen zeigte sich ein deutlicher Generationsunterschied. Meine Tochter stieg auf das Brett, probierte Dinge aus, verlor kurz das Gleichgewicht, lachte darüber und machte einfach weiter.
Ich hingegen verbrachte einen Großteil der Zeit damit, mögliche Gefahren abzuwägen.
Wie tief ist das Wasser? Wie kalt ist das Wasser? Was passiert, wenn ich falle? Kann man sich beim Fallen auf ein Stand-up-Paddle-Board verletzen? Warum gibt es eigentlich keine Geländer?
Während meine Tochter das Abenteuer sah, sah ich die Unfallstatistik.
Irgendwann wurde mir klar, dass sich hier nicht nur zwei Menschen auf einem Brett befanden, sondern auch zwei völlig unterschiedliche Lebenshaltungen. Sie bewegte sich mutig und neugierig durch die Welt. Ich bewegte mich vorsichtig und gut abgesichert durch meine Komfortzone.
Das Erschreckende daran ist: Ich weiß nicht einmal, wann das passiert ist.
Irgendwann zwischen Steuererklärung, Care-Arbeit, Vollzeitjob und Rückenschmerzen hat sich offenbar die vernünftige Erwachsene eingeschlichen und den Platz der Person eingenommen, die früher einfach Dinge ausprobierte.
Noch weiß ich nicht, was ich mit dieser Erkenntnis anfangen werde. Aber immerhin habe ich das Problem erkannt.
Das ist vermutlich der spießigste Satz, den ich jemals geschrieben habe.
Was hat mir große Freude bereitet im Juni 2026?
Zu meiner eigenen Überraschung bestätigte der Juni eine Erkenntnis, die Sportwissenschaftler:innen vermutlich schon länger kennen: Regelmäßige Bewegung verbessert tatsächlich die Stimmung.
Einer meiner Vorsätze für die Kur war, die gewonnene Zeit konsequent für mich zu nutzen. Und tatsächlich gelang mir etwas, das im normalen Alltag fast utopisch erscheint: Ich machte täglich Sport, ging regelmäßig schwimmen und verbrachte viele Stunden in der Sauna.
Der Effekt war bemerkenswert. Nicht nur körperlich fühlte ich mich belastbarer, auch mental tat mir diese Mischung aus Bewegung, Ruhe und Zeit für mich ausgesprochen gut. Offenbar ist mein Organismus deutlich kooperativer, wenn er nicht gleichzeitig arbeiten, einkaufen, kochen, organisieren und Kinder durch den Alltag navigieren muss.

Besonders schön war dabei, dass ich meinen ursprünglichen Plan tatsächlich umgesetzt habe. Ich wollte die freie Zeit nicht produktiv optimieren, keine neue Persönlichkeit entwickeln und auch nicht die Geheimnisse des Universums entschlüsseln. Ich wollte mich bewegen, erholen und etwas Zeit für mich haben.
Und genau das ist gelungen.
Der gesamte Kuraufenthalt gehört deshalb ohne Frage zu den Highlights des Monats. Allerdings war dort so viel los, dass ich ihm lieber einen eigenen Rückblick widme, statt ihn hier zwischen Sport und Sauna zu verstecken. Denn verdient hat er definitiv mehr als einen einzigen Absatz.
Was habe ich Neues gelernt im Juni 2026?
Ich habe gelernt, dass Stand-up-Paddling in Wahrheit ein sehr geschickt getarnter Balance-Test für Erwachsene ist.
Von außen betrachtet sieht die Sportart denkbar einfach aus: Menschen stehen entspannt auf einem Brett, gleiten friedlich über das Wasser und wirken dabei, als hätten sie ihr Leben vollkommen im Griff.

Von innen betrachtet steht man auf einer schwimmenden Instabilität, versucht verzweifelt, die Würde zu bewahren, und hofft, nicht vor Publikum ins Wasser zu fallen.
Trotzdem hat es erstaunlich viel Spaß gemacht.
Welche Menschen haben mich inspiriert im Juni 2026?
Ich folge schon ziemlich lange dem Youtube-Kanal Specialbooksbyspecialkids. Ich möchte gerne die wirklich weisen Worte des Moderators hier verlinken. Ein kleines bisschen davon jeden Tag und Personen wie Trump haben keine Chance mehr.
Welche Bücher habe ich im Juni 2026 gelesen?
Die Liste aus der Monatsrückschau Mai 2026 setzt sich unbeeindruckt fort:
Jörg Maurer: Kommissar Jennerwein darf nicht sterben
Jörg Maurer: Beim Föhn brummt selbst dem Tod der Schädel
Judith Luig: Du wolltest doch auf den Ponyhof
Jörg Maurer: Niedertracht
Volker Klüpfel: Funkenmord
Was steht im Juli 2026 an?
Im Juli geht mein Kampf um die Vollzeitbeschäftigung in die nächste Runde. Irgendwo zwischen Fachkräftemangel, Familienrealität und organisatorischem Wahnsinn versuche ich weiterhin nachzuweisen, dass berufstätige Mütter nicht nur theoretisch existieren. Meinen Blick auf die Vollzeittätigkeit könnt ihr hier in meiner Artikelserie nachlesen, die ich dieses Jahr veröffentlicht habe.
Daneben steht ein deutlich erfreulicheres Großereignis an: die Hochzeit meines Neffen. Ich freue mich darauf, einen Tag lang Menschen in festlicher Kleidung zu sehen und ausnahmsweise nicht diejenige zu sein, die Kinderbuffets, Ersatzkleidung oder verlorene Kuscheltiere organisieren muss. Zumindest lautet so der Plan.
Auch Knopf hat einen wichtigen Termin im Kalender. Ihr Kindergeburtstag steht an und damit die alljährliche Herausforderung, ein für Kinder unvergessliches Erlebnis zu schaffen, ohne dass die organisierenden Erwachsenen anschließend eine mehrwöchige Erholungsmaßnahme benötigen.
Den Abschluss des Monats bildet ein Urlaub an der Ostsee gemeinsam mit unserer gesamten Familien-WG. Das klingt entweder nach einem wunderbaren Sommerabenteuer oder nach einem groß angelegten Sozialexperiment. Vermutlich wird es von beidem etwas werden. In jedem Fall genug Stoff für die nächste Monatsrückschau.
Eure Mamahonk

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