Mehr als nur Sport – Spaß und Tanzen mit Baby

Interview mit Daniela Adler – Inhaberin von Fit-für-2

Daniela Adler holte das Kangatraining nach Jena. Damit kamen Sport und Tanz in das Leben vieler Schwangerer und Mamas. Im Jahr 2010 startete sie ihr Unternehmen mit nur einer Kursteilnehmerin. Heute ist das FEM Family – Fit Für 2  aus dem Leben (werdender) Eltern in Jena nicht wegzudenken. Über 3.700 Mütter brachten Daniela & ihr Team zum Schwitzen. Im Interview erzählt uns die zweifache Mutter ihren Weg in die Selbstständigkeit, verrät ihr Erfolgsrezept und berichtet wie Corona ihr Unternehmen verändert. Viel Spaß beim Lesen!

©Daniela Adler

Mamastisch: Hallo Daniela, bitte stelle dich den Leser*innen kurz vor. Wie entstand die Idee zu FEM Family – Fit für zwei, wie fing alles an?

Daniela Adler: Ja, sehr gerne. Ich bin Daniela Adler und diplomierte Sportwissenschaftlerin mit einer Ausbildung als Bürokauffrau. Meine Leidenschaften waren und sind das Tanzen und der Sport. Außerdem bin ich Mama einer Tochter (16) und eines Sohnes (11). Als 2010 mein damaliger Arbeitgeber Insolvenz anmelden musste, verband ich diese beiden Leidenschaften. Durch Zufall stieß ich auf das Kangatraining.

Ich absolvierte kurzerhand die Ausbildung zur Kangatrainerin in Wien, mietete einen Raum in einer Tanzschule und startete mit genau einer Kursteilnehmerin in die Selbstständigkeit. Sie war eine Freundin von mir. Es gefiel ihr so gut, dass sie die Woche später eine Freundin mitbrachte. Das ging so weiter. Jede Mama, die einmal da war, blieb. Dann war der Kurs voll. Die Frauen waren unwahrscheinlich dankbar, dass sie etwas zusammen mit ihren Babys machen konnten.

Mamastisch: Wie leicht fiel Dir der Schritt in die Selbstständigkeit?

Daniela Adler: Ich bin ein sehr sicherheitsbedürftiger Mensch. Doch da ich ein fertiges Konzept an der Hand hatte, dass bereits in deutschen Großstädten wie München und Berlin etabliert war, dachte ich: „Jetzt machst du das entweder ganz oder gar nicht.“. Auf dem Arbeitsamt bot man mir eine ‚Versicherung für das Scheitern‘ an. (Ja, so etwas gab es damals.) Die lehnte ich bewusst ab. Ich sagte mir: „Du musst schon an Dich glauben, sonst brauchst du es gar nicht machen.“.

Mamastisch: Wie waren die anfänglichen Reaktionen auf deine Geschäftsidee?

Daniela Adler: In meinem Umfeld habe ich viele Freunde, die selbstständig sind. Mein Mann ist Unternehmensberater. Das war äußerst hilfreich. Allerdings waren meine Eltern skeptisch. „Hast Du Dir das gut überlegt? Zwei Kinder und beide Eltern sind selbstständig? Das geht doch nicht.“, schlugen sie die Hände über dem Kopf zusammen. Sie waren anfangs auch von meinem Studium der Sportwissenschaften nicht besonders angetan. Auch ich wusste anfänglich nicht, wo mich diese Ausbildung hinführen würde. Letztendlich zeigte sich aber, dass das Sport-Diplom die Grundvoraussetzung für die Krankenkassenzertifizierung meiner Kurse ist. Heute sind meine Eltern sehr stolz auf mich.

©Daniela Adler

Mamastisch: Was waren die größten Meilensteine in der Entwicklung Deines Unternehmens?

Daniela Adler: Mein Kursangebot ist mit den Babys und den Bedürfnissen der Mamis mitgewachsen. Aus einem Kurs wurden zwei Kurse, aus zwei Kursen wurden vier. Ich fragte die Mamis immer: „Was möchtet ihr gerne noch haben?“. So hat sich das Angebot stetig weiterentwickelt. Erst kamen die Outdoorkurse (Buggysport und Nordic Kanga) dazu. Anschließend entstand das Mama-Kind-Tanzen.

Häufig kamen die Mamis nach den Kursen mit Fragen zu mir: „Mensch Dani, mein Baby weint extrem viel. Mein Baby wird in der Nacht sehr oft wach. Was kann ich bei dieser trockenen Haut machen?“. Andere Baby-Kurse in Jena waren immer ausgebucht und die Mamis suchten bei mir Rat. Daher entwickelte ich zusammen mit einer Heilpädagogin einen eigenen Krabbel und Info-Kurs für Mama und Baby . Wichtig war mir, dass es wieder ein Kurs für zwei war: Ein Kurs für das Baby als Bewegungsförderung und für die Mama als Wissensvermittlung. So sind die Krabbel-Fit-Kurse entstanden. Mittlerweile bieten über 40 Trainer deutschlandweit Kurse nach diesem neu entwickelten Konzept an. Das freut mich sehr.

Als die Elternzeit meiner Mamis zu Ende und die Kinder im Kindergarten waren, fragten sie mich: „Welchen Sport machen wir jetzt?“. Am Anfang empfahl ich Ihnen immer ein Fitnessstudio. Doch eine Gruppe von fünf Mädels kam nach einem halben Jahr wieder und bat mich um Powerkurse ausschließlich für Mamas am Abend, was ich bis dato strikt ablehnte. Irgendwann klopften sie mich weich. Zwei von ihnen sind bis heute dabei. Und die Abendkurse sind ein fester Bestandteil in unserem Angebot.

Raum war stets der limitierende Faktor. Durch Zufall stieß ich auf das Angebot in der Kahlaischen Straße. Ich kalkulierte, denn die Kosten schienen anfangs riesig. Trotzdem entschied ich mich für das Objekt, denn dort konnte ich endlich auch Schwangerenkurse anbieten. Jetzt hatte ich auch alle Abendzeiten für Kurse zur Verfügung und das Angebot konnte wachsen. Außerdem zog noch eine Hebamme und anschließend eine Yogalehrerin in meine Räume ein. Die Eröffnungsfeier meines eigenen Kursstudios – das FEM-Family – war der größte Meilenstein für mich.

©Daniela Adler, Eröffnungsfeier des FEM Family in der Kahlaischen Straße 2015

Mamastisch: Was ist Dein Erfolgsrezept? Wodurch unterscheiden sich Deine Angebote von anderen Sportangeboten?

Daniela Adler: Es gab damals einige Sportangebote für Kleinkinder, bei denen die Eltern draußen vor der Tür warten mussten. Ich besuchte diese mit meinem Sohn. Er fand es nicht schön. Ich auch nicht. Den ganzen Tag sind wir getrennt, freuten uns aufeinander und dann sollten wir getrennt Sport treiben? Wichtig war mir daher immer, dass die Kurse für Mama und Kind sind.

Mir geht es sehr um Persönlichkeit. Das FEM Family ist nicht nur ein Sportstudio. Es soll sich anfühlen wie ein zweites Zuhause, also ein Ort, wo Sport gemacht, getanzt, gelacht und etwas für die Familie getan werden kann. Die Details sind mir auch sehr wichtig. Zum Beispiel gratuliere ich den aktiven Mamas immer zum Geburtstag. Kenntnis der Namen von den Kursteilnehmer*innen ist eine absolute Minimalanforderung an meine Trainer*innen.

Ich orientiere mich immer am Bedarf der Mädels und spüre dem nach, wie ich es ihnen so leicht wie möglich machen kann, an Informationen und in Bewegung zu kommen. Bei mir sind Frauen, die vorher mit Sport nichts am Hut hatten. Die sagten: „Uh, Sport und Schwitzen? Bitte nicht!“. Dann waren sie mit dem Baby bei mir und meinten: „Oh, Sport kann ja auch Spaß machen.“ Und sie blieben.

©Daniela Adler, „Wie ein zweites Zuhause. Für Mutter und Kind“

Mamastisch: Hattest Du auch Tage, an denen Du dachtest, ich schaffe das nicht? Was sind Deine Motivatoren, wenn es mal nicht klappt?

Daniela Adler: Na klar hatte ich solche Momente. Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit nahm ich die Möglichkeit eines Coachings in Anspruch. Es stärkte mich enorm, als externe Expert*innen mir ein Unternehmergen bescheinigten. Diese Vorgehensweise behielt ich bei. Wenn es zu viel wurde, holte ich externe Beratung.

Häufig half mir der Vergleich zum Familienmanagement. Beispielsweise musste ich in beiden Bereichen das Delegieren lernen. Das Kind in den Kindergarten und die ans Herz gewachsene eigene Trainingsgruppe an einen anderen Trainer abzugeben, fiel mir beides nicht leicht, war aber jeweils die richtige Entscheidung für die Entwicklung und das Wachsen des Kindes bzw. der Firma.

Mamastisch: Welche Ziele und Visionen hast Du für Dein Unternehmen?

Daniela Adler: Coronabedingt schmiede ich neue Pläne. Im ersten Lockdown stellte ich meine Sportkurse auf Online-Angebote um. Das nahmen meine Mamis sehr gut an. Ich bin ein positiv fokussierter Mensch und nehme mir die Ideen der positiven Mamas mit. Zum Beispiel kamen Mamis zu mir und meinten: „Dani, ich brauche einen Erste-Hilfe-Kurs für mein Baby. Und zwar jetzt und nicht, wenn die Pandemie vorbei ist.“. Ich war gar nicht auf die Idee gekommen und dachte, das ginge nicht. Das Angebot ist ja sehr praxisorientiert. Dann realisierten wir es einfach. Die Mamas finden es toll! Ein klarer Vorteil ist, dass sie es sich mehrmals und zusammen mit ihrem Mann ansehen können.

Daraus entstand die Idee, eine Elternakademie als Informationsplattform und Ausbildungstool für junge Eltern zu etablieren. Neben Sport- und Tanzkursen gibt es Antworten auf Fragen rund um Schwangerschaft und Elternsein z. B. Ernährung für das Baby, Stillprobleme oder gewaltfreie Kommunikation. Der Vorteil gegenüber anderen Angeboten: Die Mamis müssen sich die Infos nicht von unterschiedlichsten Kanälen zusammensuchen, sondern haben alle relevanten Infos gebündelt auf meiner Homepage. Dafür habe ich professionelle Expert*innen von einer Hebamme bis zu einem Schlafcoach an meiner Seite. Das gibt den Eltern die Sicherheit, dass die Informationen den aktuellsten Stand entsprechen. Ihr dürft alle gespannt sein – im Sommer geht es los.

Mamastisch: Das klingt als brächte Corona Dein Studio voran…?

Daniela Adler: Sicher entwickeln wir uns dank Corona weiter. Doch ich investiere jetzt vierstellige Beträge in die Onlinetechnik und Streamingdienste, während ich gleichzeitig nur wenige Einnahmen habe. Es gibt keine Gegenfinanzierung. Das ist ökonomisch sehr herausfordernd. Aber so ist das als Unternehmer. Wenn man an sich glaubt, nimmt man Risiken in Kauf und investiert.

Doch bei einem Blick in die Zukunft ist klar, dass sich die aktuelle Situation nicht so bald ändern wird. Daher investiere ich in die Idee der Elternakademie. Ich nutze die Krise als Chance und helfe meinen Mamas so gut es geht. Wir müssen jetzt anders denken und neue Wege gehen. Babyschwimmen Zuhause mit Online-Anleitung funktioniert auch in der heimischen (Baby-)Badewanne. In jedem Fall ist es besser als alternativ gar nichts zu machen.

Mamastisch: Vielen Dank für das Gespräch!