Mamahonks neueste Rabenteuer – 4. Vollzeit arbeiten als Zweifachmama – Arbeit und Karriere
Es gibt diese Vorstellung, dass berufstätige Mütter alles schaffen können, wenn sie nur gut genug organisiert sind. Ich weiß nicht, wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat, aber ich vermute stark: Jemand ohne Kinder. Oder jemand mit Personal.
Ich jedenfalls habe versucht, Karriere und Kinder unter einen Hut zu bringen — und der Hut war irgendwann so voll, wie die Windel einer Einjährigen mit Diarrhoe.

Sind Vollzeitarbeit und Familie vereinbar? Wie wirkt sich das auf die verschiedenen Lebensbereiche aus? Und vor allem: Wer oder was bleibt am Ende eigentlich übrig?
Dazu habe ich Eindrücke aus sechs Bereichen gesammelt: 1 Alltag & Organisation, 2 Emotionale Seite, 3 Kinder & Bedürfnisse, 4 Arbeit & Karriere, 5 Partnerschaft & Netzwerk, 6 Selbstfürsorge & Identität.
Die Artikel werden sicher immer wieder aktualisiert — so wie mein Nervenkostüm. Ich freue mich, wenn ihr eure Eindrücke in den Kommentaren hinterlasst oder mir anderweitig zukommen lasst. Read it, like it or leave it.
Welche Unterstützung hast du dir gewünscht – und welche hast du tatsächlich bekommen?
Ich hatte Glück. Zumindest an der Hochschule. Dort wird Familie mitgedacht — zumindest von den Kolleg:innen. Niemand guckt schräg, wenn ich die Teambesprechung verlasse, weil der Kindergarten anruft.
Die Strukturen des öffentlichen Dienstes hingegen sind so modern wie ein Faxgerät im Keller eines Bürgeramts.
Homeoffice? Nur, wenn der Mond richtig steht und drei Verwaltungsformulare in Papierformat von Amtswegen beglaubigt wurden.
Pausenzeiten? Ich arbeite 8 Stunden und habe 45 Minuten Pause pro Arbeitstag. Richtig. Nicht 30 Minuten, sondern 45 Minuten. Die zusätzliche Viertelstunde brauche ich nicht, aber sie wird mir trotzdem aufgezwungen. Das sind 1 Stunde und 15 Minuten pro Woche, die ich länger auf Arbeit sein muss. Für nichts. Für absolut gar nichts.

Ich wollte Flexibilität. Ich bekam starre Regeln, die vermutlich in Stein gemeißelt sind. Oder in Verwaltungsdeutsch, was ungefähr das Gleiche ist.
Ich könnte in der Zeit ein Kind abholen, ein anderes trösten oder zumindest so tun, als hätte ich Freizeit.
Was ich gebraucht hätte? Schlichtweg mehr Flexibilität. Was ich bekommen habe? Ein System, das Flexibilität für gefährlich hält.
Immerhin lebe ich in einer Region Deutschlands, in der Kinderbetreuung kein exotisches Privileg, sondern institutionalisierte Selbstverständlichkiet ist. Kitas existieren, Plätze auch, und Fremdbetreuung muss weder erklärt noch entschuldigt werden. Niemand fragt, wer denn auf die Kinder aufpasst – es ist einfach klar: jemand anderes. Und dafür bin ich dankbar. Sehr.
Was war beruflich am schwierigsten, während du gleichzeitig Mama warst?
Kindkrankphasen sind der ultimative Stresstest für jede berufstätige Mutter. Ich weiß, Kinder werden krank. Ich weiß, das ist normal. Aber jedes Mal, wenn ein Kind hustet, sehe ich meinen Kalender vor meinem inneren Auge in Flammen aufgehen.

Der eng getaktete Alltag bricht zusammen wie ein Kartenhaus im Orkan. Und während ich versuche, Termine zu retten, Deadlines zu verschieben und gleichzeitig Fieber zu messen, schauen mich die Kinder an, als wäre ich persönlich schuld an ihrer Virenlast.
Noch schlimmer: Die Reaktionen der Kinder, sobald ich ihre Einladung zu rollenspielen, zu basteln oder zu kommen ablehnte. Knopf guckte mich stets an wie eines der Instamodels bei Heidi, wenn sie ihren Mädchen sagt, es kann nur eine geben. Und das ist nicht sie.
Was hat dir geholfen, beruflich trotzdem du selbst zu bleiben?
Ganz einfach: Indem ich alle anderen und alles andere scheiße fand.
Meine Wut, meine Erschöpfung, mein Frust — all das hat mich erstaunlich gut durch den Arbeitsalltag getragen. Zynismus ist ein unterschätztes Karrierewerkzeug.
Papahonk und ich haben unsere Überforderung großzügig aneinander ausgelassen. Ein Konzept, das man „emotionale Gleichverteilung“ nennen könnte. Oder ehrlicher: „Wir sind beide fertig, aber wenigstens gemeinsam.“
Eure Mamahonk
P.S.: Welche beruflichen Hürden kennt ihr als arbeitende Mütter – und welche Strategien habt ihr entwickelt, um trotzdem ihr selbst zu bleiben? Schreibt es in die Kommentare.

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