#ReWrite: Abschleppdienst für Kinder: Das FollowMe- Unsere Erfahrungen

Heute folgt mein Erfahrungsbericht für das FollowMe, welches wir bereits im Jahr 2020 erwarben und für die Erstgeborene nutzten. Es kann daher sein, dass sich bezüglich des Lieferumfangs Änderungen ergeben habe. Das Prinzip ist unverändert. Unsere Erfahrungen damit lest ihr hier. Ich werde dafür nicht bezahlt.

Wozu ein FollowMe?

Aus meiner Sicht war die Geburt von Knöpfchen eine ultimative Bereicherung für mein Leben. Doch hey, ich bin in Deutschland geboren. Meckern kann ich. Logisch, dass ich ein Haar im Fruchtwasser fand: Der eingeschränkte Bewegungsradius.

Schnell Jacke anziehen und auf‘s Rad schwingen gab es als Mama nicht mehr. Stattdessen minutenlange Überzeugungsarbeit, Jacke und Schuhe anziehen, ausziehen, pinkeln, anziehen und episches Warten auf der Treppe, am Bürgersteig, vor der Baustelle – auf die weltentdeckende Tochter. Mach ich ja gerne.

Trotzdem arbeitete ich – sehr zum Leidwesen unserer Tochter – beständig daran, ihre und damit meine Mobilitätsgrenzen auszuweiten. Im Tragetuch schleppte ich sie als Baby die Kernberge hinauf, mit dem Radanhänger zog ich sie über den Saale-Radweg, auf dem Laufrad trieb ich sie meine Minijoggingrunde entlang.

Im Frühjahr 2020 landeten wir endlich beim Kinderfahrrad. Dank Knöpfchens extremer Laufraderfahrung war der Umstieg auf das Fahrrad in Lichtgeschwindigkeit bewältigt. Strecken innerhalb der Stadt oder zum Garten wuppte sie mit Links. Doch mein grottoides Zeitmanagement zeigte mir immer wieder Grenzen auf. Berge und Pünktlichkeit stellten gleichermaßen unüberwindbare Hindernisse dar.

Unsere Lösung: Die FollowMe Tandemkupplung. Sinn und Sinnigkeit lagen auf der Hand. War der Berg zu steil oder versagte Mamas Zeitplanung wieder, wurde der Nachwuchs in die Kupplung gehängt und ab ging die Post. Gerne nutzte ich das FollowMe auch bei unübersichtlicher Verkehrslage. Sorry, machen Hubschraubermamas so.

Dennoch pflegten das FollowMe und ich eine ambivalente Beziehung. Die erhoffte Entlastung übte sich nämlich erstmal im Warten auf Godot und erteilte mir eine Lektion im Geduldigsein. Im April 2020 beauftragt, kam das FollowMe Ende Juni 2020 an. Die Radindustrie ist definitiv eine Gewinnerin der Krise. Es bedurfte eines weiteren Monats, bevor wir in den Straßenverkehr starteten. Das lag definitiv nicht nur an meiner technischen Begabung, die zugegeben irgendwo zwischen Pippi Langstrumpf und Bob der Baumeister liegen mag.

Montage des FollowMe

Zeitlebens bemühte ich mich darum, dem Klischee der technikscheuen Frau einen Strich durch die Rechnung zu machen. Die Kupplung montierte ich daher in Nullkommanix an mein Fahrrad. Die Imitation von Speedy Gonzalez endete damit leider auch schon.

Als ich die Kupplung am Kinderrad anbringen wollte, scheiterte ich kolossal. Die vom Hersteller mitgelieferten Schrauben passten – surprise, surprise – nicht an das WOOM-Kinderfahrrad. Passende Schrauben ließen sich gegen ein großzügiges Entgelt nachbestellen. Gegoogelt, getan. Ab geht die Post!? Pustekuchen!

Eine weitere Montagehürde folgte. Für die Halterung, in die das FollowMe eingehangen wird, war vom Hersteller ein Klettverschluss mitgeliefert. Der diente allerdings ausschließlich dekorativen Zwecken. Statt zu befestigen, boten seine Materialeigenschaften meiner Tochter die Gelegenheit, zu einer fröhlichen Rutschpartie. Zusammen mit dem Klettverschluss verrutschte die Verbindungsstange und damit mein Kind.

Unglücklicherweise bemerkte ich das nicht auf dem Fußweg, den ich morgens auf dem Weg zur Kita unbemerkt von den Schülerlotsen entlang radelte. Nein, selbstverständlich fand ich einen geeigneteren Ort, um lebensgefährliche Konstruktionsfehler zu diagnostizieren: Eine Straßenkreuzung, die Knöpfchen und ich im Harakiri-Style überquerten.

Ich dankte meinen Körper für die effiziente Ausschüttung konzentrationssteigernder Drogen, dank derer Knöpfchen und ich sicher in der Kita ankamen.

Der Mann bekam beim Anblick des zerkratzten Kinderradrahmens allerdings Zitteranfälle, ob des zukünftigen Verlustgeschäfts auf Ebay-Kleinanzeigen. So war er, der Mann. Kind und Frau halbtot und der Mann sorgte sich um den Wiederverkauf des Kinderrads. Pfffhhh.

Ein alter Radschlauch löste schließlich mein Problem. (Der Life-Hack stammte übrigens aus der Bedienungsanleitung des FollowMe, was mir Anlass gab, mich verwirrt am Kopf zu kratzen und zu fragen, wieso nicht ab Werk das passende Material verwendet wurde?)

Ein weiteres Materialmanko war aus meiner Sicht der mitgelieferte Karabinerhaken, in dem die Halterung der Kupplung gehängt wurde. Schon nach wenigen Fahrten war dieser verbogen und schloss nicht richtig.

Das führte dazu, dass die Halterung regelmäßig auf unebener Strecke aus dem Haken hüpfte und die Kupplung mit voller Wucht auf die Straße knallte. Ich habe inzwischen für 1,49 € einen stabileren Karabiner mit Drehverschluss im Baumarkt gekauft. So, genug gelästert.

Ein- und Abkoppeln des FollowMe

Denn wie in einer langjährigen Ehe neigte ich dazu, nur die negativen Eigenschaften aufzulisten. Verzichten wollte ich auf die Kupplung trotzdem nicht. Nach wenigen Fahrten gelang mir das Einhängen und Fixieren des Kinderrads in Sekundenschnelle.

Ich benötigte kein Werkzeug und Knöpfchen entdeckte ihre Freude an der Technik. Sie war die Splintverantwortliche. Der Splint wurde bei der Kupplung von einer Öse in die nächste gesteckt. Gelegentlich hegte ich den Verdacht, sie täuschte Schwächeanfälle vor, nur um als Kupplerin aktiv werden zu können und in das FollowMe eingehängt zu werden.

Das fixe Ein- und Auskuppeln war ein klarer Vorteil gegenüber anderen Anhängesystemen. Die Kupplung wuchs dabei mit und konnte bis zu einem Zuggewicht von 45 Kilogramm/20 Zoll des Kinderrads zum Einsatz kommen. Wir hatten ein 16 Zoll Fahrrad. Der Hersteller gibt eine Altersgrenze von bis 9 Jahren an. Nennt mich  Rabenmama, doch in dem Alter soll Knöpfchen Radtouren bitteschön selbst bewältigen.

Fahren mit dem FollowMe

Anfänglich fuhr es sich etwas gewöhnungsbedürftig. Doch durch den relativ niedrigen Schwerpunkt war eine hohe Stabilität gewährleistet. Anders als bei anderen Modellen wackelte das Kinderrad im FollowMe dank der Befestigung am Rahmen des Kinderrads nicht und es war kein Problem Holperwege zu befahren.

Für mich persönlich war es eine Befreiung, bei Radtouren nicht darauf zu achten, ob Knöpfchen den Rückweg noch schafft. Abgesehen davon war so ein kleiner Heckantrieb an Bergen echt von Vorteil. Lediglich über ihr aktives Bremsverhalten bergaufwärts mussten wir hin und wieder verhandeln.

Achtung: Wie bei allen Anhängesystemen erforderte das FollowMe besondere Aufmerksamkeit im Straßenverkehr.

Insbesondere bei schmalen Verkehrsinseln erwies es sich als sinnvoll, sich zu vergegenwärtigen, dass man Überlänge hat, damit es nicht zu unangenehmen Begegnungen zwischen Kind und Auto kam.

Außerdem galt die feste Regel, vor dem Losfahren alles zu sichern. Knöpfchen durfte nicht vor mir auf das Kinderrad steigen. Es drohte sonst ein Umfallen der Gesamtkonstruktion. Knöpfchen und ich schwangen uns schließlich in einer Art synchronisierten Tanzperformation auf das Rad.

Besonders bewährte sich das FollowMe bei einem ungeplanten Sturzvorgang: Kurz vor Weihnachten löste sich unerwartet das Vorderradblech von meinem Rad und fiel auf die Straße. Ich bremste so abrupt, dass das Wort „plötzlich“ neu definiert werden musste.

Es hebelte mich vom Rad. In Zeitlupe segelte ich dem Asphalt entgegen. Noch während des Stürzens beschloss ich downzushiften. Wie durch ein Wunder stellte ich beim Blick über die Schulter fest, dass sowohl Kind als auch Kinderrad noch standen. Es erschien mir physikalisch unmöglich, war aber so. Dank FollowMe.

Inzwischen war die Tandemkupplung seit über einem Jahr an meinem Rad befestigt. Da wir vorwiegend als Stadtradler:innen unterwegs waren , benötigten wir sie zumeist, wenn es mal wieder schnell gehen musste. Dafür beließ ich die Kupplung permanent am Rad. Die zusätzlichen vier Kilogramm waren mir allemal lieber als eine ständige (De)Montage.

Was ist mein Fazit?

Die FollowMe Tandemkupplung kann ich weiterempfehlen. Ja, sie mag ein paar Materialschwächen haben (Aufhängeriemen, Klettverschluss, Karabinerhaken), die jedoch die Sicherheit des Fahrens mit Kind nicht gefährden und relativ einfach abgestellt werden können.

Unter #ReWrite veröffentliche ich Artikel von mir, die es bisher nicht auf den Blog geschafft haben und im Entwürfeordner verstaubten. Sie sind daher nicht zwingend tagesaktuell, trotzdem wichtig und richtig.

Mama wandert mit Baby

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