Mamahonks neueste Rabenteuer – 2. Vollzeit arbeiten als Zweifachmama – Die emotionale Seite
Nachdem ich im ersten Teil meiner Serie schon höflichst darauf hingewiesen habe, dass die politische Debatte über „Lifestyle‑Teilzeit“ ungefähr so viel Realitätsbezug hat wie Elternabende um 20:30 Uhr, wird es jetzt richtig spannend.
Denn heute geht es um das, was Herr Merz beim Thema Vollzeitarbeit + Kinder grundsätzlich übersieht: Um die wahre Schattenregierung im Leben einer Vollzeit berufstätigen Mama: DAS SCHLECHTE GEWISSEN.
Kein Gesetz, keine Reform, keine Arbeitsmarktstrategie hat so viel Einfluss wie dieses kleine, giftige Stimmchen, das einem rund um die Uhr ins Ohr zischt: „Du machst alles falsch – und zwar gleichzeitig.“
Denn während Politiker über Arbeitsstunden philosophieren, die sie selbst vermutlich nie unter realen Familienbedingungen getestet haben, kämpft man als Mamahonk an einer völlig anderen Front: Der permanente innere Vorwurf, gleichzeitig zu viel und zu wenig zu sein.
Im Job: zu oft weg.
Bei den Kindern: zu selten da.
Bei sich selbst: gar nicht.
Und genau darum geht es heute:
Was macht dieses schlechte Gewissen mit uns? Wie überlebt man es? Und gibt es eigentlich eine Lösung, die nicht „Iss Schokolade oder heul doch!“ heißt?
Willkommen zu Teil 2. Wir steigen ein – mitten ins Zentrum des Mutter-Burn-out-Bermudadreiecks. Read it, like it or leave it!
Wie bin ich mit dem schlechten Gewissen umgegangen, wenn es auftauchte?
Als Vollzeit tätige Mama ist man vor allem Eines: Das personifizierte schlechte Gewissen! Man wird weder den Kindern noch dem Arbeitgeber gerecht. Hier eine wichtige Besprechung, deretwegen das Schulkind alleine Zuhause sitzt und das Kindergartenkind als letztes aus dem Kindergarten abgeholt wird. Dort ein Magen-Darm-Virus, der von Familienmitglied zu Famillienmitglied wandert. Da gehen gut und gerne zwei Wochen ins Land, in denen die Kolleg:innen mich nicht sahen.

Ich habe es mit Kinderriegeln betäubt. Auf Dauer war das ziemlich teuer, da regelmäßig der Inhalt meines Kleiderschranks ausgetauscht werden musste. Insgesamt bescherte die Vollzeittätigkeit meinen Körper eine Ansammlung von 10kg Fett.
Doch wenn ich gesund aß und mich regelmäßig bewegte, geriet mein Zeitmanagement und mein Nervenkostüm ins Wanken. Das hatte zur Folge, dass die Kinder häufiger angeraunzt wurden.
Ich hatte also die Wahl zwischen schlechter Laune und traurigen Kindern oder schlechter Laune und zu engen Hosen.
Ein Dilemma.
Gab es Momente, in denen ich dachte: „Ich kann nicht mehr“ – und was hat mir dann geholfen?
Natürlich gab es Momente, in denen ich dachte: Jetzt ist Schluss. Ich kann nicht mehr. Diese Momente waren so häufig wie ungewaschene Brotdosen in Schultaschen. Ich war ein wandelnder Ich-kann-nicht-mehr-Moment.
Was mir geholfen hat? Kurzfristig: Ein Tag Sauna. Ein Tag, an dem ich einfach nur existieren darf — ohne To‑do‑Liste, ohne Verantwortung, ohne BH.
Was wirklich geholfen hat? Loslassen.
Während andere Mütter versuchen, Perfektion zu erreichen, sich regelrecht ein Bein ausreißen, wenn der Kindergeburtstag ins Haus steht, Freundebücher ausgefüllt oder für den Kuchenbasar bunte Muffins gebacken werden müssen, habe ich mich für einen anderen Weg entschieden: Ich bin einfach nicht perfekt. Und meine Kinder auch nicht.
Ich machte den Mist nicht mehr mit. Und verlotterte zusehends.
Gleich einem Naturgesetz schritt der körperliche, geistige und finanzielle Verfall voran. Alte Kleidung, graue Haare, schwarze Zähne, krumme Fingernägel, unrasierte Beine …
Aber wisst ihr was? Es war okay. Denn Perfektion ist ein Luxus, den man sich nur leisten kann, wenn man kinderloser Single ist. Oder wahnsinnig. Vielleicht auch beides.

Was ich meinem damaligen Ich heute sagen würde?
Wenn ich meinem früheren Ich begegnen könnte, würde ich es sanft an den Schultern packen, tief in die Augen schauen und sagen:
„Werde Investmentbankerin. Oder schluck dein Ego runter und heirate einen reichen Mann. Gerne auch Frau. Oder — und das ist vielleicht der beste Tipp — renn! So schnell Du kannst “
Natürlich würde ich ihr auch sagen, dass sie es schaffen wird. Dass sie stärker ist, als sie denkt. Dass sie lachen wird, weinen wird, verzweifeln wird — und trotzdem weitermacht.
Aber ganz ehrlich: Der Tipp mit dem Investmentbanking wäre schon hilfreich gewesen.
Eure Mamahonk
P.S.: Was würdet ihr eurem früheren Ich sagen, bevor ihr Vollzeit + Kinder gestartet habt?

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