Mamahonks kleine Monatsrückschau Februar 2024 – Mamahonk mutiert zur Misanthropin

Na sowas. Der Februar ist schon vorbei? Was soll der Unfug! Pah! Was gibt es über diesen Monat zu sagen? Der Tod meines Vaters, die vermaledeiten patriarchalen Strukturen und die Vollpfosten von der AFD schlagen mir zunehmend auf das Gemüt und sorgen bei mir für dauerhaft schlechte Laune. Gern würde ich auch nur ansatzweise etwas Positives über den Monat Februar berichten, aber da gibt es nichts. Rein gar nichts. Was erwartet ihr? Ich komme aus Thüringen. 

Familie und Freunde

Circa 90 % des Monats Februar verbrachte ich damit, mein Kleinkind – Fünkchen – davon zu überzeugen, dass es nicht notwendig sei, sich beim Pullern auf dem Töpfchen vollständig auszuziehen. „Nein.“, sprach es. Und zog Body, Strumpfhose, Shirt aus. Und nicht wieder an. Stattdessen ging sie nicht aufs Töpfchen, sondern tanzte splitterfasernackt mit hochgerissenen Armen zu “Waka Waka” von Shakira.

Ich hätte jetzt vor Glück dahin schmelzen können, stattdessen gehörte ich zu den Müttern, denen hin und wieder die Frage kam, wann in Gottes Namen sie falsch abgebogen waren? Hinzu zu den exhibitionistischen Ambitionen neigte Fünkchen in den letzten Wochen zu stark ausgeprägtem Trotzverhalten. Was? Autonomieverhalten heißt das? Mir wurscht, wie dieses kleine Wutknäuel bezeichnet wird. Vier Prozent des Monats Februar bestand in dem verzweifelten Versuch, meine Tochter und mich unverletzt in die Wohnung zu bekommen. Mehr brauche ich nicht zu wissen.

Das alles hinderte mich selbstverständlich nicht daran, völlig aus dem Häuschen bei meiner eigenen Mutter anzurufen, um ihr halb bewusstlos vor Freude zu berichten, dass Fünkchen zum ersten Mal AA ins Klo gemacht, Pardon, gekotet hatte. (Ja, und ich berichte das über meine Tochter im vollen Bewusstsein der Wahrscheinlichkeit, dass in ca. 20 Jahren ihr*e potenzielle*r Verlobte*r davon liest und ggf. Abstand von einem Ehebündnis nimmt. Nieder mit den Institutionen des Patriarchats! Hehe.)  

Im Februar widmete ich jedoch genau null Prozent meiner Zeit, meine Mädels feministisch zu erziehen. Stattdessen bewältigte ich zusammen mit ihnen einen Ärztemarathon und holte das Weihnachtsfest (ausgefallen wegen Corona) in den Winterferien nach: Wir aßen den leckersten Stollen der Welt und besuchten die Glitzerwelt bei Stausee Hohenfelden. Die 10 Grad plus und die gefühlt eine Millionen anderen Besucher*innen sorgten für ein besonders besinnliches Weihnachtsgefühl. Nicht.

Das größte Highlight im Februar: Eine Freundin bat mich, Taufpatin ihrer Tochter zu werden. Doch was Positives!

Kampf dem Patriarchat

Wie oft stehe ich morgens auf und denk mir: Jetzt mal dem Patriarchat einen klebrig- dreckigen Lappen so richtig durch das Gesicht ziehen. Das wäre was. Dann stolpere ich über meine beiden Töchter und mir fällt ein, dass ich noch zwei Vollzeitjobs zu erledigen habe. Und den Haushalt. Und den Einkauf. Feminismus ist ein zu langes Wort für meinen vollgestopften Alltag. Und doch gibt es mir keine Ruhe.  

Mit Müh und Not zwinge ich mich, wenigsten literarisch meiner Wut auf das Patriarchat nachzugehen und widme meine zehn Minuten vor dem Einschlafen Werken wie “Untenrum frei”. In der Hoffnung meinen beiden Töchtern Grundgedanken feministischen Handelns mitzugeben, wenn ich selbst schon nicht den Hintern in der Hose habe, um danach zu leben. Von wegen Wein und Wasser. Ihr kennt das. 

Zum Motzen machte ich das, was der homo sapiens im Jahr 2024 so macht. Ich bemühte mein Online-Netzwerk. Mein Online-Netzwerk ist mein Ballermann des Feminismus. Nirgendswo kann ich so frei und entspannt über das Patriarchat ablästern, wie dort. Das alles kann und darf jedoch nur ein Anfang sein. 

Wenn schon nicht für den Feminismus, so dann für Vielfalt, Offentheit und Demokratie ging ich im Februar wieder auf die Straße. Ist doch das Gleiche. Checkt nur keine*r. Zumindest nicht die Pfosten von der AFD. Praktisch, dass sie pauschal alles ablehnen. Mit der AFD kann das Leben so einfach sein.

Auf der Demonstration fand ich Erstaunliches heraus: AFD reimt sich auf „Das Leben hat mich abgehängt und ich bin kognitiv nicht in der Lage, diese diverse und von Krisen begleitete Welt zu verstehen, deswegen gebe ich meine Stimme wohlhabenden Arschlöchern, damit sie mir einen Sündenbock für diese miesliche Lage, die relativ zur globalen Lage gar nicht mal so schlecht ist, aber aufgrund der Tatsache, dass meine Eltern mich bereits mit 6 Monaten aufs Töpfchen gesetzt haben, von mir echt scheiße empfunden wird, präsentieren, dann habe ich wenigstens eine Projektionsfläche für meinen Frust.“ Naja. Zumindest fast. 

Quelle: M. Ellrich

Beruf und Finanzen

Selbst mein Vollzeitjob – normalerweise Quell stetiger Freude – ging mir nur noch auf den Sack. Vermutlich irgendetwas mit Burn-Out oder so. Woran ich das merkte? Zunehmend entwickelte ich die nervige Tendenz, meine mit Baldrian und Johanniskraut in Schach gehaltenen negativen Gefühle meinen Arbeitskolleg*innen gegenüber in misanthropischen Verhaltensmustern Ausdruck zu verleihen!  

Dabei galt das Prinzip: Je lieber ich jemanden habe, desto nerviger empfand ich seine oder ihre Anwesenheit. Das wurde mir im Gespräch mit einem Kollegen bewusst. In einem Gespräch über Kommunikationsregeln. Ein Gespräch, das so hilfreich wie eine zweite Vagina im Nacken war.  

Der Kollege, dessen Behelfsfrisur Ausdruck der völligen Unfähigkeit seines Friseurs offenbarte – mehr Moos, als Haare – meinte mir bei Kräutertee erklären zu müssen, wie ich meine Arbeit zu machen habe. Dabei wurde ich auch in keinster Weise aggressiv oder dergleichen, sondern ich saß vielmehr gemütlich auf meinem Bürostuhl und dachte mir im Stillen: Jetzt ein Chemieunfall! Das wäre was. 

Als er mir zum Abschluss des Gesprächs vorschlug, etwas gemeinsam zu unternehmen, um die Beziehung zu stärken, wünschte ich mir, ich wäre eine Kakapo. Kakapos reagieren aus meiner Sicht auf die einzig richtige Art und Weise in derartigen Situationen: Sie fallen um. Zack. Das war’s.

Sport und Gesundheit

Um all die miesen Gedanken aus dem Kopf zu vertreiben, versuchte ich mich wieder im Laufsport. Gemeinsam mit einer Freundin hechelte ich wie ein astmathischer Kakapo die Saale Horizontale entlang. Mehr durfte ich nach vier Monaten Völlerei und Bewegungsmangel nicht erwarten. Anscheinend sollte mir dieses Glück jedoch nicht lange beschieden sein. Zuhause angekommen fiel ich tatsächlich um wie ein Kakapo. Kreislaufkollaps. Bei einem Ruhepuls von 250 reifte in mir der Gedanke, es war wohl doch etwas zu viel in den letzten Monaten. 

Was tut man als grenzbelastetes Mamahonk? Logisch, eine Auszeit nehmen. Wie jede gute Arbeitnehmerin versuchte ich das Maximum an freien Tagen herauszuschlagen. Wer kennt sie nicht – die Berechnung zum Jahresbeginn bei der auf magische Weise durch eine Kombination aus Feiertagen, Wochenenden und Urlaub,  ein halber Urlaubstag zu sechs Monaten Urlaub auf den Malediven mutiert.  

Bei mir klappte das nie. Stattdessen rang ich mich dazu durch, den Urlaub des armen Mannes – den gelben Schein – geltend zu machen. Ich hatte da doch dieses Leberfleck im Gesicht, dass meine Hautärztin schon vor Jahren wegraspeln wollte. Wenn ich den OP-Termin auf Mittwoch legte, würde der ästhetische Umbau meines Gesichts – Tataaaaa – zu 5 Tagen Urlaub. Gewieft. Ganz gewieft. Auf zum Arzt. 

Als meine Hautärztin mich fragte, wann es mir zeitlich passe, verhielt ich mich meinem Arbeitgeber gegenüber so rücksichtsvoll, dass ich um einen Termin nach den wichtigsten Terminen bat. „Warum wollen sie so lange warten“, fuhr mich die Ärztin an. „Das Ding muss raus. Nächste Woche Freitag habe ich noch EIN Zeitfenster.“ „Ja und ich einen wichtigen Arbeitstermin.“ Blaffte ich zurück. „Keine Sorge, sie können anschließend arbeiten.“ Gesagt, geschehen. Spritze, Schnitt und schon saß ich wieder um 2g Haut leichter im Büro. Mit dem Resultat, dass ich wie eine bekiffte Henne ohne Kopf in der Teambesprechung saß. Auszeit adé. Vielleicht habe ich im März mehr Glück?

 

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