Mamahonks große Jahresrückschau 2024
Das Jahr 2024 kam und ging. Nachfolgend das, was blieb.
Wie kann ich mich und meine Kinder finanziell absichern?
Im Jahr 2024 beschäftigte mich intensiv die Frage der finanziellen Absicherung für mich und meine Kinder. Diese Absicherung basierte auf drei Säulen:
- Bildungsbudget für die Kinder: Endlich habe ich ETFs für die Kinder eingerichtet und zusammen mit meinem Mann einen Sparplan erstellt, sodass wir auch rückwirkend noch besparen können.
- Eigene Altersvorsorge: Hier gab es mehrere wichtige Schritte. Ich habe eine Kontenklärung bei der Rente sowie die Anerkennung von Erziehungszeiten beantragt. Mein eigenes ETF-Portfolio habe ich weiter ausgebaut und die Investments in Einzelaktien stark zurückgefahren, da diese eher eine Spielerei während der Elternzeit waren. Zudem habe ich Vermögenswirksame Leistungen bei meinem Arbeitgeber beantragt. Es ist zwar nicht viel, aber ich lasse es nicht liegen.
- Verbindlichkeit durch Erbschaft: Durch den Tod meines Vaters entstand eine Verbindlichkeit, da das vererbte Haus mit einem Nachlass beschwert ist. Ein Teil meines Vermögens ist daher gebunden und liegt auf einem fest verzinsten Tagesgeldkonto, bis die Höhe des Nachlasses feststeht. Obwohl dies eine Immobilie sichert, die auch Sicherheit bietet, war dieses Geld ursprünglich für die Bildung meiner Kinder vorgesehen und wird mir definitiv fehlen.
Diese Ereignisse haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, meine Finanzen stärker zu ordnen, Freistellungsaufträge ordnungsgemäß einzurichten und langfristig eine solide Finanzstrategie aufzubauen.
Wie lässt sich ein Leben in einer Familien-WG gestalten?
Der Mann und ich haben uns 2023 entschieden, unser Leben künftig als Familien-WG zu gestalten. Was bedeutet das? Wir sind Eltern – nicht mehr und nicht weniger.
In einer gleichberechtigten Partnerschaft versuchen wir, uns gegenseitig und unsere Kinder bestmöglich zu unterstützen. Die romantische Beziehung zwischen uns ist jedoch Vergangenheit. Das ist bedauerlich, aber es gibt nachvollziehbare Gründe dafür.
Wie uns das gelingt? Mal besser, mal schlechter. Die Herausforderung besteht darin, sich auf das gemeinsame Ziel zu konzentrieren und persönliche Befindlichkeiten zurückzustellen. Nicht immer haben wir die Kraft dazu, und es entstehen Spannungen. Doch es gibt auch Momente, in denen es sich leicht und harmonisch anfühlt – wie es eigentlich in einer erwachsenen Beziehung sein sollte.
Am Ende ist es ehrlich. Ich kann mir wieder in die Augen sehen, ohne Frust über Handlungen oder Kompromisse, die den eigenen Werten widersprechen. Es ist nicht perfekt, aber solange die Kinderbetreuung so zeitintensiv bleibt, sehen wir keinen Grund, daran etwas zu ändern.

Die gemeinsame Erziehung bietet logistische Vorteile, die wir nicht missen möchten. Außerdem knn ich mir momentan nicht vorstellen, wochenweise von meinen Mädels getrennt zu sein.
Um unser Leben als Familien-WG zu gestalten, haben wir klare Schritte unternommen:
Zunächst haben wir die Pflichten klar aufgeteilt. Wir wechseln uns wochenweise mit der Vormittags- bzw. Nachmittagsbetreuung der Kinder ab, was einer Vorform des Wechselmodells ähnelt – nur dass wir weiterhin in einer gemeinsamen Wohnung leben.
In diesem Rahmen übernehmen wir auch wechselweise Verantwortung für den Haushalt, den Einkauf und die Essenszubereitung. Das Schöne daran ist, dass jeder von uns seine eigenen Vorstellungen umsetzen kann, mit mehr oder weniger Intensität, ohne dass sich der andere gekränkt fühlt, weil Erwartungen nicht erfüllt werden.
Ausflüge, Familienfeste und Urlaube bestreiten wir weiterhin gemeinsam. Außenstehende würden vermutlich den Unterschied zu einer traditionellen Familie nicht bemerken. Es gibt jedoch eine klare Grenze: Emotional und sexuell ist das Leben des anderen tabu.
Ein wichtiger Schritt war es, den Kindern zu erzählen, dass wir uns zwar gegenseitig wertschätzen, aber nicht mehr lieben, wie es in anderen Familien der Fall sein mag. Es war uns wichtig, dass unsere Töchter verstehen, dass sie von uns geliebt werden, aber dass das Verhalten ihrer Eltern nicht für eine romantische Beziehung steht.
Leider haben wir das nicht bilderbuchmäßig, sondern im Konflikt gemacht. Das bedurfte viel pädagogischen Reparierens im Nachgang und bleibt ein kräftezehrendes Momentum.
Um unser Leben zu organisieren, führten wir das Instrument des Familienrats ein, an dem alle Familienmitglieder teilnehmen können. Anfangs funktionierte es nur mäßig, weshalb wir es vorerst auf Eis gelegt haben. Stattdessen besprechen wir an den Wochenenden die anstehende Woche und abends den jeweils nächsten Tag.
Aus meiner Sicht sind Gespräche der herausforderndste Teil des Modells: Sie beschränken sich meist auf organisatorische Fragen. Themen, die eine tiefere intellektuelle Auseinandersetzung oder emotionale Tiefe erfordern, suche ich zunehmend im Außen.
Wie investiere ich in meine Gesundheit?
Im Jahr 2024 stand meine Gesundheit im Mittelpunkt. Ich stellte meine Ernährung um, indem ich weißen Zucker vollständig reduzierte und abends stets Low Carb, high Protein aß. Zudem achtete ich auf einen ausgeglichenen Haushalt von Eisen, Vitamin D3 und Vitamin B12.
Mein Tag begann ich mit einem Glas warmem Wasser und einem Schuss Apfelessig. Auch die ersten 10 Minuten nach dem Essen in Bewegung zu bleiben, half mir sehr. Grundsätzlich achtete ich darauf, zuerst Gemüse und dann Kohlenhydrate zu essen.
Bereits im Winter intensivierte ich mein Lauftraining, was viel Zeit und detaillierte Absprachen erforderte. Parallel wollte ich meinen Beckenboden trainieren, was jedoch nicht gelang, da ich keine feste Routine entwickeln konnte.
Das einzige freie Zeitfenster – abends im Bett – gehörte meinen beiden Mädchen. Trotzdem bin ich sportlich mit den ersten 9 Monaten des Jahres sehr zufrieden. Ich nahm am Firmenlauf, am Frauenlauf und am Krebslauf teil.

Leider wurde meine Familie im Oktober von einer Magen-Darm-Grippe heimgesucht, die uns völlig aus der Bahn warf. Seitdem fällt es mir schwer, meine gesunden Routinen wieder aufzunehmen.
Lange Zeit war die regelmäßige Plasmaspende eine starke Motivation, meine Bewegung und Ernährung entsprechend zu gestalten, doch nach der Erkrankung fiel das vorübergehend weg. Dann kam Weihnachten… Geschenkt.
Wie gehe ich mit den politischen Herausforderungen unserer Zeit um?
Die aktuellen gesellschaftlichen Umbrüche und Verwerfungen bewegen mich sehr. Der zunehmende Rechtsruck und die damit einhergehende Rückwärtsrolle in Sachen Frauen- Kinder- und Minderheitenrechte lässt mich am gesunden Menschenverstand zweifeln.
In einer ersten Reaktion suchte ich online Kontakte und nahm in unregelmäßigen Abständen an der Online-Bande teil. Ich hielt selbst einen Vortrag zum Thema Frauengesundheit. Persönlich hatte ich den Eindruck, je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto wütender wurde ich. Es gab Zeiten, in denen konnte ich männliche Artgenossen nicht ertragen. Ich sehnte mich zurück nach den kuscheligen Zeiten, als ich nicht jede Person aufgrund ihres Geschlechts unter Generalverdacht stellte.
Der Austausch auf Demonstrationen, bei feministischem Frühstück des Frauenzentrums und das Eintauchen in die gängige feministische Literatur halfen mal dabei, Abstand zu gewinnen, mal meine Wut zu verschärfen. Meine Wut lechzte nach Engagement. Doch sei aktivistisch mit 2 kleinen Kindern und einer Vollzeittätigkeit!
Ich schnupperte bei den Omas gegen Rechts, der Hochschule gegen Rechts und bei Verdi. Wirklich verstetigen konnte ich diese Kontakte noch nicht. Ich bin noch auf der Suche, habe jedoch meine Spendenvolumen stark erhöht.
Wie richte ich meine berufliche Zukunft aus?
Gegenwärtig befinde ich mich in meinem 3. Sozialversicherungspflichtigen Job. Ich bin über einen gemeinnützigen kleinen Verein, über einen privaten Bildungsträger an eine Hochschule gewechselt. Als ich die aktuelle Tätigkeit antrat, gab es viel zu strukturieren und zu digitalisieren. Doch das ist geschafft.
Inhaltlich fühlte ich mich zunehmend unterfordert, aufgrund meiner Vollzeittätigkeit fühlte ich mich gleichzeitig zeitlich überfordert, finanziell müsste ich aufgrund meiner persönlichen Familiensituation mehr fordern. All das zusammengenommen führte dazu, dass ich mich Ende November auf eine neue Stelle innerhalb der Hochschule bewarb. To be continued…
Wie gestalte ich Familienzeit bei Vollzeit?
Kurz nach meinem beruflichen Wiedereinstieg im Jahr 2023 erhielt ich die Option, in Vollzeit zu arbeiten. In meinem Umfeld habe ich zahlreiche weibliche Vorbilder, denen das trotz Familie gelingt. Deren Credo: Teilzeit heißt Vollzeit arbeiten, Teilzeit bezahlt werden. Tatsächlich war das auch meine Erfahrung. In Teilzeit machte ich permanent Überstunden. Außerdem ist die Vollzeittätigkeit der einzige Weg, wie ich den Mann zu einer gleichberechtigten Elternschaft bekomme.
Trotzdem ging mir der Hintern auf Grundeis, als ich selbst begann Vollzeit zu arbeiten. Ich gewährte mir selbst eine Probezeit von 6 Monaten an, in denen ich prüfen wollte, wie meine Familie und ich selbst damit klarkommen.
Problem: Ich stillte meine Tochter gleichzeitig ab und kurz darauf erlitt mein Vater eine Sepsis, in dessen Folge er starb. Logisch, dass mehrere Monate alles drunter und drüber ging. Daher erlaubte ich mir die Probezeit deutlich zu verlängern.
Mein Fazit nach einem Jahr: Strikte Absprachen mit dem Mann, klare Aufgabenteilung und ein flexibler Arbeitgeber machen es möglich. Doch es ist alles auf Kante genäht und wenn ein Rädchen blockiert, stoppt das gesamte System.

Viel Zeit mit den Kindern – Quality Time wie man so schön sagt – bleibt mir nicht. Die Lösung: Ich nehme die Kinder überall mit hin. Ich trainierte gemeinsam mit meiner Größten. Zuhause machten wir gemeinsam Yoga oder Muskeltraining, Sie kamen zu Besuchen bei Freunden und Verwandten mit.
Oder anders gesagt – es gibt eigentlich nur noch soziale Bekanntschaften in meinem Umfeld, die sich mit meinen Kindern vereinbaren lassen. Alles andere existiert momentan für mich nicht. Ob ich das dauerhaft so möchte, weiß ich nicht.
Wie kann ich soziale Kontakte bei Vollzeittätigkeit und Familie pflegen
Ehrlich? Gar nicht. Hobbys und soziale Kontakte sterben als erstes bei dem Pensum, das ich mir selbst aufgebürdet habe. Ich bin dankbar für jede Person, die das versteht. Am eindrücklichsten beschreibt eine Begebenheit mit einer Bekannten meine aktuelle Lage:
Ich saß mit meinen beiden Töchtern in der neuen Stadtbibliothek, aß Abendbrot und las nebenbei. Da kam eine alte Bekannte auf mich zu. Überrascht musste ich feststellen, dass sie zwei Kinder hatte. Das letzte Mal, als wir uns sahen, waren wir beide mit dem ersten Kind schwanger. Beide strahlten wir uns an und freuten uns sichtlich über die Begegnung. Im Moment der Begrüßung stürzte ihre Tochter zu Boden und fing zu weinen an. Lächelnd rief sie mir zu: “Ich hoffe, es geht euch gut. Bis in 5 Jahren.”

Lachend winkte ich ihr hinterher. Wie oft musste ich Familientreffen, Besuche bei Freundinnen oder Ausflüge absagen, weil ein Kind krank, ich schlichtweg zu energielos war oder eines der Kinder zu irgendeinem Kindergeburtstag eingeladen war. Als Zweifachmama lebt man drei Leben und die passen verdammt nochmal nicht in einen Terminkalender.
Da spreche ich nur über Beziehungen zu Freunden oder Familie. Zivilgesellschaftliches Engagement ist da noch nicht mitgedacht. Irgendwie versuchte ich in der Online Welt Alternativen aufzutun. Ich schloss mich einer feministischen Online Bande zu Beginn des Jahres an. Das brachte mich weiter. Da jede abwechselnd zuständig für einen Input war, setzte ich mich intensiv mit dem Thema Frauengesundheit in der Forschung auseinander. Doch je tiefer ich in die Thematik tauchte, desto mehr Wut und Ohnmacht spürte ich. Ich begegnete dem mit Humor und Sport. Das dokumentierte ich auf Instagram und vernetzte mich dort zunehmend. Die Zeit, die das beanspruchte, fehlte mir allerdings recht schnell bei meinen Kindern. Also schmiss ich Facebook und Instagram recht schnell wieder vom Smartphone. Hin und wieder aktiviere ich es am Wochenende.
Meine sozialen Kontakte mit Familie und Freunden reduzierten sich also auf wenige Events und Feiertage. Diese zelebrierte ich dafür um so intensiver
Meine Highlights
- 70. Geburtstag meiner Mutter
Hier sah ich zahlreiche Verwandte, die ich teilweise Jahre nicht gesehen hatte. Mein Bruder und ich stellten innerhalb kürzester Zeit ein kleines Programm auf die Beine, auf das ich sogar recht stolz bin und die Kinder tanzten fröhlich zwischen allen Erwachsenen.

- Taufe am Elbufer
Die Taufe einer Tochter von meiner Freundin und ehemaligen Klassenkameradin am Elbufer berührte mich tief. Es war die erste Flußtaufe, der ich beiwohnte und zugleich meine zweite Patenschaft.

- Sommerfest der Uni Jena
Das Fest nutzten wir, um uns mit ehemaligen Kommiliton*innen in Jena zu treffen. Wie immer sind solche Treffen sehr bereichernd. Zu sehen, was aus meinen damaligen Freund*innen geworden ist, wie sie sich entwickelt und verändert haben, gab mir wertvolle Impulse. Und das Partyherz in mir mal wieder pulsieren zu spüren, tat gut.
- Mädelstreffen Erfurt
Ähnlich war das Treffen in Erfurt mit meinen ehemaligen Klassenkamerad*innen. Es gab so viel Kraft.


- Adventssingen
Mit meinen beiden Töchtern und ihren Bonusgroßeltern besuchten wir das Adventssingen im Stadion von FC Carl Zeiss Jena. Absoluter Gänsehautmoment, wenn ca. 20.000 Weihnachtslieder singen. Der Überraschungsauftritt von Glasperlenspiel war das Sahnehäubchen.

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