Mamahonks kleine Monatsrückschau März 2025
Ein halbes Jahr ist meine letzte Monatsrückschau her. Der monatliche Rückblick fehlt mir. Mein Leben in Worte zu fassen, macht das Chaos für mich strukturierter. Dadurch bin ich handlungsfähiger.
Woran lag meine Schreibpause?
Im Oktober erwischte uns eine heftige Magen-Darm-Grippe, die mich so aus der Bahn warf, dass ich monatelang durchs Leben irrlichterte. Tägliche Aufgaben wurden zur Herausforderung. Weihnachten und die dunkle Jahreszeit trugen zusätzlich zu meinem schlechten Schlafverhalten bei, was wiederum meine Energie weiter minimierte. Die kälteren Monate verstärkten den Bewegungsmangel und den Griff zu ungesunden Lebensmitteln.
Mein klassisches Herbst-Winter-Tief. Muskelmasse wurde zu Fett.
Ich verlor den Fokus auf persönliche Projekte und Hobbys, konnte mich jedoch beruflich und finanziell stabilisieren. Im März kam dann die Grippewelle und schickte Müdigkeit und Erschöpfung in die Verlängerung.
Krankheit ist auf 64m² für eine vierköpfige Familie eine umfassende Herausforderung, denn der begrenzte Raum bietet kaum Rückzugsmöglichkeiten oder Ruhe. Jede Kleinigkeit, ob positiv oder negativ, wog in dieser Zeit besonders schwer und machte das alltägliche Leben deutlich komplizierter.
Umso erstaunlicher, dass der März dazu reichte, die Hälfte meiner Jahresziele zu neutralisieren. Was war also los im Frühlingsmonat März, der in vielen spirituellen Traditionen als eine Zeit der Reinigung und Neuausrichtung betrachtet wird?
Familie & Freunde: Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach einen Grippe-Cocktail draus!
Erst erkrankten die Tochter und ich an Grippe, anschließend der Mann und die kleine Tochter. Dann durfte nochmal die große Tochter, danach der Mann und schließlich wieder ich. Es war unfassbar herausfordernd, weil ich selbst noch halb angeschlagen meine 40 Stunden Arbeit absolvierte, während ich nachts mit 10 bis 11 Unterbrechungen klarkommen musste.
Häufig überdachte ich in diesen dunklen Stunden meine aktuelle Situation. Was erwarte ich noch von meinem Leben? Wie möchte ich mich entwickeln? Ist das etwa erfüllend, zu arbeiten und abends mit Ach und Krach Haushalt und Kinder zu wuppen? Nicht selten riss mein Geduldsfaden in dieser Zeit. Will ich, dass meine Mädchen ihre Mutter als ständig erschöpfte und zeternde Mama erinnern?
Sozial vereinsamte ich zusehends, da die Krankheit unsere sozialen Kontakte stark einschränkte. Ein Höhepunkt war der Besuch einer Freundin in Gera, der eine willkommene Abwechslung darstellte und mir half, die Isolation für kurze Zeit zu vergessen.
Dank der Kinder hatte ich hin und wieder außerhalb der Arbeit Kontakt zu anderen Erwachsenen. Fünkchen geht nun auch zum Sportkurs. Genau am Tag meines Arbeitsunfalls nahm sie das erste Mal teil. Das fügte sich gut, da ein Kind stürzte und ich der anderen Mutter gleich mein Kühlpad geben konnte, welches ich zufällig noch in der Tasche hatte.
Wir Eltern sind dazu aufgefordert, vor der Turnhalle zu warten. Da bildet man eine Schicksalsgemeinschaft und tauscht Erfahrungen und Tipps aus. Schnell debattierten wir den Umgang mit überfluteten Wohnungen und tauschten hormonfreundliche Rezepte aus.
Das motivierte mich schließlich, endlich bei unseren Vermietern den Austausch der Abschlusshähne für Kalt- und Warmwasser anzufordern, die sich schon länger nicht mehr schließen ließen. Ganz ehrlich – selbst solche Aktionen werte ich inzwischen als Erfolg.
Eine kleine Kraftquelle bildete die Earth Hour. Gemeinsam mit Knopf und ihren Bonusgroßeltern gingen wir in die Friedenskirche, wo insgesamt vier Chöre auftraten. Eine Freundin ist zusammen mit ihrer Tochter in zwei von den Chören aktiv. Für mich war es ein sehr berührendes Erlebnis, das mir wieder neuen Mut und Energie gab.

Beruf und Finanzen: Neue Wege
Im März erreichte ich mein erstes berufliches Jahresziel: Ein neuer Job. Bereits im Herbst 2024 bewarb ich mich intern um eine Stelle als Studiengangskoordinatorin. Nun konnte ich endlich den Vertrag unterzeichnen.
Ich entschied mich aus mehreren Gründen für diesen Wechsel. Meine aktuellen Aufgaben befriedigten mich schon lange nicht mehr. Während der Zeit als Kleinkindmutter war es durchaus hilfreich, wenig Fristen und wenig Verantwortung zu haben. Doch mittlerweile ertappte ich mich immer häufiger dabei, wie ich unterfordert aus dem Fenster blickte und darauf wartete, dass mein Selbstwertgefühl vom Spielen nach Hause kommt.
Finanziell bedeutet diese Veränderung auch eine Verbesserung, die mit Blick darauf, dass meine wissenschaftliche Mitarbeit bald ausläuft, sehr willkommen ist. Als ich den Vertrag unterzeichnete, erfuhr ich jedoch, dass es vorerst keine Vertretung für meine aktuelle Stelle geben, und diese möglicherweise nicht einmal ausgeschrieben wird. Der ÖD frisst seine Kinder. Frustrierend.
Ein persönliches Highlight war die Durchführung der dritten und leider letzten Erhebung an Thüringer Schulen. Diese Tätigkeit brachte eine willkommene Abwechslung zur sonstigen Büroarbeit und ermöglichte mir, meine Kolleg*innen besser kennenzulernen. Die wissenschaftlichen Assistent*innen gaben mir wertvolle Impulse und bereicherten meine Arbeit enorm. Gleichzeitig war diese Phase jedoch sehr kräftezehrend, da ich aufgrund der atemwegserkrankten Familie zu wenig Schlaf bekam und nur noch funktionierte.
Um meine finanzielle Situation zu verbessern – die Auszahlung des Nachlasses rückt näher – suchte ich nach weiteren Einkommensquellen, wie zum Beispiel als Spieltesterin oder durch das Beantworten von Umfragen. Während ich meine kranken Kinder hütete, testete ich verschiedene Spiele-Apps. Obwohl dies zunächst nett klang, stellte sich schnell heraus, dass diese Spiele darauf angelegt sind, mehr Geld auszugeben. Ein Vorankommen nur möglich durch zusätzliche In-App-Käufe. Tätigte man diese nicht, musste man mehr Zeit investieren. Wenn ich etwas als vollzeitberufstätige Mama von zwei Kindern nicht habe, dann Zeit.
Nach vier Stunden Spielen hatte ich lediglich 0,78 Cent verdient und verzichtete darauf. Ich verstehe zwar den Suchtfaktor dieser Spiele, doch kann nicht nachvollziehen, warum sie so erfolgreich sind und wie irgendjemand Zufriedenheit daraus ziehen kann. Meine Tochter, die mich teilweise beobachtete, sah das anders.
Sport und Gesundheit: Zerstörte Träume
Leider pulverisierte der März – bessergesagt ein Gelenkkapselriss – ein zweites Ziel für 2025: Die Teilnahme am Halbmarathon des Rennsteiglaufs.
Eigentlich noch nicht vollständig von meiner Grippe genesen hielt ich es trotzdem für eine Spitzenidee, an einem Workshop auf Arbeit teilzunehmen. Während ich auf dem Rückweg mit Kolleg*innen plauderte, übersah ich eine Stufe, kam ungeschickt auf und knickte um. Direkt nach dem Sturz funktionierte zwar alles, doch am Abend war mein Fuß geschwollen und bläulich verfärbt.
Genau wie das Wort ‚D-Arzt‘ gibt es nun auch das Wort ‘Ruptur‘ in meinem Wortschatz. Ich war beeindruckt, wie schnell man Termine und Behandlungen bekommt, wenn man den Begriff ‘BG’ verwendet. Doch das schnellste MRT, die modernste Orthese und die beste Physiotherapiebehandlung half nichts. Die Diagnose des D-Arztes war eindeutig: Keine Teilnahme am Rennsteiglauf.
Gerade als ich mit dem Training für den Halbmarathon begonnen hatte und ich ein bisschen das Gefühl gewann, sportlich wieder in meiner Umlaufbahn zu schweben, zog mir diese Nachricht den Boden unter den Füßen weg. Aus reiner Gewohnheit meldete ich mich dennoch zum Firmenlauf an. Bisher habe ich meine Teilnahme nicht zurückgezogen, weil ich mir einbilde, im Zweifel auch walken zu können. Statt Lauftraining gibt es nun ausschließlich Physiotherapie. Zwei Monate lang. Vielleicht ist meine Motivation bis dahin aus dem Winterschlaf erwacht.

Im März endete die zweimonatige Studie zum Thema Stress und Stressempfinden, an der ich teilnahm. Dabei wurden mithilfe eines Fitnesstrackers meine Vitalparameter und mein Schlafrhythmus überwacht. Zusätzlich musste ich dreimal täglich Fragen zu meinem Stresslevel beantworten. Ich nahm vor allem daran teil, um mehr über mein eigenes Stressniveau zu erfahren und zu testen, wie sich das Leben mit einem Fitnesstracker gestaltet.
Schon länger hatte ich den Wunsch, einen solchen Tracker zu erwerben, war mir aber unsicher, ob er wirklich einen Mehrwert für mein Leben bringen würde. Durch die Nutzung des Fitnesstrackers stellte ich fest, dass ich tatsächlich mehr schlafe, als ich bisher annahm. Fitter fühlte ich mich dadurch nicht.
Die regelmäßige Nutzung der Uhr am Arm half mir zudem, pünktlicher zu sein. Daher bedauerte ich die Rückgabe des Geräts zwar, doch ob ich wirklich eines benötige oder es einfach eine neue Batterie in der Uhr meines Vaters nicht auch tut, habe ich noch nicht entschieden.
Feminismus: Lost in hopelessness
Feministisch bin ich etwas haltlos. Nach umfassender Wut folgt die Hoffnungslosigkeit. Als ich meine beiden Töchter mit Eis bestach, um am Frauentag kurz bei der Demo Halt zu machen – wir waren gerade auf dem Weg, Schuhe zu kaufen – versuchte ich mich in den Redebeiträgen der Rednerinnen wiederzufinden. Es ging um Kapitalismus. Es ging um Schwangerschaftsabbrüche.
Doch alles, was ich dachte, war: It’s a long way to go!
Wenn ich höre, wie männliche Personen in meinem Umfeld reden, sie sich gegenseitig in ihrer Männlichkeit bestärken und die Wiederherstellung der natürlichen Ordnung fordern – manche offensiv, manche latent – wird mir schlecht. Und da rede ich nicht von der Anerkennung von Minderheiten, sondern ganz banal von der hierarchischen Verteilung von Macht bipolarer Geschlechterverhältnisse.
Es ist unfassbar, wie sehr männlich gelesene Personen sich bedroht fühlen, wenn Leute von sich behaupten, sie seien weder männlich noch weiblich. Es ist unfassbar, wie sehr Herkunft herhalten muss, für etwas das auf das Geschlecht zurückgeht. Es ist unfassbar, welchen sexuellen Anspielungen Frauen ausgesetzt sind und Männer nicht verstehen, dass das ein Problem sein kann.
Ich möchte nicht spalten. Ich möchte gerne, dass wir als Menschen miteinander im Gespräch sind und gemeinsam daran arbeiten, eine friedliche Gesellschaft aufzubauen.
Doch ich werde meine Töchter nicht vor afghanischen oder syrischen Männergruppen warnen, sondern VOR MÄNNERN!

Du möchtest keinen Mamastisch-Beitrag verpassen? Dann abonniere meinen Blog und erhalte regelmäßig Neues aus dem Leben von Mamahonk.
Anregungen, Kritik? Gerne per Mail. Folge mir gerne auch auf Instagram oder Facebook, um über die neuesten Einträge informiert zu werden. Und ganz wichtig: Weitersagen & Empfehlen – danke Dir😀





Boah. Bei dir war ja einiges los! Ich hab dich sehr vermisst und dachte mir, naja, ein Schreibpäuschen. Warum nicht, vielleicht nicht schlecht bloß mal so im echten Leben zu werkeln. Aber dass es dich so sehr gebeutelt hat, das schmerzt.
Hoffentlich kommst du bald wieder auf die Füße, in jeglicher Hinsicht!
Ich wünsch euch alles, alles Gute und ganz furchtbar viel Gesundheit, Energie und Zuversicht!
Sabine aus dem Mausloch