Mamahonks kleine Monatsrückschau September 2025 – Spätsommerchaos
Während im September 2025 der WhatsApp-Status meiner Freund:innen mit Bildern von der totalen Mondfinsternis heißläuft, wird Annalena Baerbock Präsidentin der UN-Generalversammlung und Charlie Kirk Opfer eines Attentats. Und ich? Mein September ist geprägt durch ein Gemüseamoklauf, statt unserer Kühl-Gefrierkombination gefriert das Gesicht von Fünkchen und ich fungiere als feministisches Versuchskaninchen. Wie das alles zusammenpasst? Das verrät meine Monatsrückschau.
Read it, like it or leave it.
Familie und Freunde – die Pferdeflüsterin
Knopf hatte ihren ersten Auftritt beim Voltigieren. Die musikalische Auswahl konkurrierte mit Rosamunde-Pilcher-Filmen. Kein Wunder, dass meine Tränendrüsen den Schulterschluss mit den Niagarafällen suchten. Emotionale Überschwemmung Pegel 10. Sie machte das hervorragend und das, obwohl sie die Woche vorab mit einem nervösen Magen zu kämpfen hatte.
Doch keine Zeit zum Tränen trocknen. Fünkchen, unsere kleine Draufgängerin mit dem Motto „Wenn meine Schwester das kann, kann ich das auch!“, sah das Ganze und verlangte ebenfalls auf ein echtes Pferd gesetzt zu werden – kein Plüsch, kein Karussell, sondern ein echtes, atmendes, hohes Tier. Und dann geschah das Unfassbare: Fünkchen – die Verkörperung von Bewegung, Geräusch und Chaos – verstummte. Fünf Minuten lang. Kein Wort, keine Bewegung, versteinerter Gesichtsausdruck. Ich war kurz davor, den Moment einrahmen zu lassen. Der Anblick war Zucker pur.

Knopf fuhr außerdem zum ersten Mal auf Klassenfahrt. Für eine ganze Woche. Vorab hatte ich den Verdacht, das nicht zu überleben. Meine Prognose, spätestens am zweiten Tag: Taschentücher und Tränen. Doch ich hielt durch und stellte überrascht fest: Ich habe ja noch ein zweites Kind! Fünkchen nutzte die Bühne, die ihre Schwester freigemacht hatte. Plötzlich wirkte sie groß, selbstständig und irgendwie… ganz schön gewachsen.
Insgesamt lief alles richtig gut. Achtung bei diesem Satz! Ding, dang, dong. Da schrillten schon die Alarmglocken. Trotzdem schöpfte ich keinen Verdacht, als die Milch im Kühlschrank regelmäßig schon nach drei Tagen verdarb. Ich schob es auf Zufall, auf die Marke, auf das Wetter. Aber irgendwann war klar: Der Kühlschrank war nicht mehr ganz bei sich. So überrascht es nicht, dass ich schon bald den Kühlschrank mit dem Fön abtaute und anschließend im Homeoffice auf die Lieferung einer neuen Kühlschrank-Gefrierkombination wartete. Statt – wie geplant – in die Sauna zu gehen.

Beruf und Finanzen – Feuer und Flamme
Der September hielt auch in beruflicher und finanzieller Hinsicht einige neue Erkenntnisse bereit. Eigentlich waren Ausgaben für den Nachlass, statt eines Kühlschranks geplant. Doch die gegnerische Partei lehnte unseren außergerichtlichen Vergleich ab – trotz eines Verkehrswertgutachtens, das eine deutlich höhere Summe für sie auswies. Bedauerlich, wie wenig manche Menschen bereit sind, sich mit einem fairen Ergebnis zufriedenzugeben.
Als Studiengangskoordinatorin im Rettungswesen bemühe ich mich kontinuierlich, meine rettungsdienstlichen Kenntnisse zu erweitern – so gut es eben geht. Die Erste-Hilfe-Schulung wurde inzwischen zweimal abgesagt, was bedeutet: Wiederbelebung mittels Herzdruckmassage kann ich noch nicht. Leben retten funktioniert aktuell nur, wenn ein AED in der Nähe ist – die Defibrillatorschulung habe ich nämlich bereits absolviert.
Im September stand nun die Brandschutzhelferschulung auf dem Plan. Ursprünglich wollte ich einfach nur mal lässig einen Feuerlöscher bedienen. Dass ich dafür drei Stunden Saale-Holzland-Dialekt und rund 20 Reels über Brände und deren Ursachen über mich ergehen lassen musste, hatte mir niemand gesagt. Am Ende hielt ich – leicht traumatisiert, aber stolz – den Löscher in der Hand und schäumte die Flamme weg. Seitdem inspiziere ich zuhause Kabelverläufe und tausche Netzteile aus. Erkenntnis: Mehr Wissen führt nicht immer zu mehr Handlungsfähigkeit, sondern manchmal einfach zu einem diffusen Gefühl der Angst.

In der Kategorie „Familienlogistik“ gelang uns ein kleiner Rekord: Die „Kind krank“-Saison wurde dieses Jahr bereits im September eröffnet. Mit Home Office, Gleitzeit und einer dazwischengequetschten Schulung versuchte ich, den Alltag zu organisieren – am Ende landeten wir doch beim Kinderarzt.
Bei der Gelegenheit rechnete ich auch die restlichen Kindkranktage aus dem Frühjahr ab und stellte fest: Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) gilt nicht für Kindkrankscheine. Wie ich auf die Idee kam, dass der Kinderarzt die AU automatisch an die Krankenkasse meldet und mein Arbeitgeber die Kindkranktage bestätigt – so wie bei meiner eigenen Arbeitsunfähigkeit? Gute Frage. Mir war vermutlich entfallen, dass ich in Deutschland lebe. Bürokratie in Papierformat können wir. Digital überlassen wir China und den USA. Ach dem gesamten Rest der Welt.
Sport und Gesundheit – Laufrausch trifft Feierlaune
Der September war geprägt von den Themen Gesundheit, Sport und Ernährung. Zwischen medizinischen Kontrollterminen, sportlichen Herausforderungen und der Teilnahme an einer wissenschaftlichen Studie ergaben sich nicht nur neue Erkenntnisse, sondern auch einige unerwartete Wendungen im Alltag. Ob beim Frauenlauf, beim Stadtradeln oder im Umgang mit saisonaler Gemüseflut – dieser Monat zeigte, wie eng körperliche Aktivität, mentale Strategien und pragmatische Lösungen miteinander verwoben sind.
Ein Termin, der mir seit drei Monaten im Nacken saß: Die Kontrolle eines neu entdeckten Fibroadenoms. Ich hatte ihn erfolgreich verdrängt – ganz bewusst. Denn mental bleibe ich stabiler, wenn ich mich erst dann mit einer Diagnose auseinandersetze, wenn sie tatsächlich gestellt wurde. Es soll Menschen geben, die bei jedem Symptom sämtliche potenziellen Diagnosen recherchieren und für jede einen Handlungsplan entwickeln. Nach dem Motto: „90 % der Dinge, über die ich mir Sorgen mache, treten nicht ein – Sorgenmachen hilft.“
Ich ticke da anders. Für mich ist Verdrängung kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Strategie, um handlungsfähig zu bleiben. Die Erleichterung war groß, als bei der Untersuchung alles in Ordnung war. Doch leider wurde ein neues Fibroadenom entdeckt. Ein kleiner Dämpfer – aber immerhin ist damit die Finanzierung der nächsten Untersuchung gesichert. Da bin ich pragmatisch.
Dieses Jahr war ich wieder mit meinen Kolleginnen beim Frauenlauf Jena am Start. Die größte Herausforderung kam diesmal schon vor dem eigentlichen Laufen: der Teamname. Nach einem wilden Synapsenlauf im Büro und 100 Vorschlägen von ChatGPT, fiel die Wahl auf: Open minds for open science. Stammt nicht von Chat, sondern einer Kollegin

Kurz vor dem Lauf fiel ebendiese Kollegin aus – aber wie das Leben so spielt, sprang spontan eine ebenso großartige Ersatzläuferin ein. Und dann ging’s los: Ich lief am Limit, versuchte verzweifelt, eine Freundin einzuholen, die ich irgendwo vor mir vermutete. Plötzlich kommt sie locker von hinten angeschwebt, überholt mich mit einem Lächeln und sagt nur: „Ich hab doch gesagt, ich geh’s locker an.“
Ich sah ihr stolpernd hinterher. Der Abend danach? Lustig, entspannt, mit prickelndem Getränk und guter Laune. Und die Organisation des Laufs? Top. Ich komme wieder – mit offenen Synapsen und vielleicht einem neuen Teamnamen. Vorschläge nehme ich ab sofort entgegen.

Was haben Zucchini, Äpfel und Pflaumen gemeinsam? Richtig: Sie verbündeten sich dieses Jahr zu einer Wachstumsoffensive. Und gegen meine Freizeit. Kaum ein Tag, an dem keine Kollegin eigenhändig gezüchtete Zucchini oder kiloweise Äpfel auf der Arbeit verteilte. Oder mein Bruder zuverlässiger als Amazon Prime eimerweise Äpfel und Pflaumen direkt aus dem Garten an meine Haustür lieferte. Der Mann versorgte uns mit Kartoffeln, rote Bete und Poree aus dem Garten. Es gab Wochen, da konnte ich meine Familie fünf Tage lang mit Zucchini-Kreationen ernähren.

Der diesjährige Stadtradeln Jena war ein voller Erfolg: deutlich mehr Teilnehmende, deutlich mehr Teams – und eine spürbare Dynamik, die sich durch unsere Organisation zog. Es war inspirierend zu sehen, wie viele Kolleg:innen sich motivieren ließen, gemeinsam Kilometer zu sammeln und dabei nicht nur etwas für die Umwelt, sondern auch für die eigene Gesundheit zu tun.
Ein bisschen peinlich war allerdings, dass ich mehrfach darauf angesprochen wurde, warum ich selbst nicht mitradelte – gerade weil ich per Mail regelmäßig zum Mitmachen animierte. Tatsächlich war ich aktiv, nur eben nicht sichtbar: Ich trug meine Kilometer gesammelt ein, da ich sämtliche sportlichen Aktivitäten über eine andere App tracke.
Feminismus – Stress deluxe
Seit August nehme ich an einer spannenden wissenschaftlichen Studie teil, die sich mit Stress bei Frauen zwischen 30 und 45 Jahren beschäftigt. Was wird untersucht? Alles, was man so messen kann: Schlaf, Herz, Blut, Urin, Haare, Speichel – ich bin quasi ein wandelndes Labor. Dreimal täglich beantworte ich Fragen zu meinem Befinden, und regelmäßig werde ich ins MRT geschoben, wo ich Aufgaben lösen muss. Mal entspannt, mal unter Druck. Ich liebe solche Studien. Sie sind für mich wie ein Spiegel, der mir neue Perspektiven auf mich selbst eröffnet.
So lernte ich zum Beispiel den Hawthorne-Effekt kennen – ein psychologisches Phänomen, das beschreibt, wie sich Menschen allein durch die Tatsache, dass sie beobachtet werden, anders verhalten. Die Aufmerksamkeit verändert das Verhalten, oft in Richtung mehr Leistung oder mehr Disziplin.
An mir selbst machte ich bisher zwei spannende Beobachtungen:
Kaum war ich Teil der Studie, hatte ich mein Leben besser im Griff. Ich ernährte mich bewusster, schlief regelmäßiger und strukturierte meinen Alltag klarer. Die bloße Teilnahme schien mein Verhalten positiv zu beeinflussen – ganz im Sinne des Hawthorne-Effekts.

Im MRT, unter Entspannung und ohne Beobachtung, schlief ich fast ein. Die Aufgaben waren leicht, die Atmosphäre ruhig – und mein Gehirn schaltete in den Ruhemodus. Ganz anders in der Leistungsphase: Dort bekam ich nahezu unlösbare Aufgaben gestellt. Zu wenig Zeit, ständige Beobachtung, negatives Feedback, komplexe Anforderungen. Und genau das spornte mich an. Ich war hellwach, fokussiert, motiviert.
Mir wurde klar: Ohne Aufgabe degeneriere ich. Ich brauche Herausforderungen, Reibung, ein Ziel. Auch wenn es weh tut. Feminismus und Wissenschaft.
Eine interessante Frage kam mir als ich im Wartezimmer meiner Gynäkologin die Plakate von der Praxis für Ergotherapie gegenüber betrachtete. Sie zeigten ausschließlich Frauen – Füße, Gesichter, alles im Kontext von Kosmetik und Pflege. Männer kamen nicht vor. Die Botschaft? Schönheit ist Frauensache. Männer? Offensichtlich immun gegen Falten, Hornhaut und Pigmentstörungen.
Ich fragte mich: Wie sähen diese Plakate aus, wenn Männer die Zielgruppe wären? Vielleicht ein bärtiger Typ, der sich sinnlich Bartöl ins Gesicht träufelt? Oder ein muskulöser Fuß mit dem Slogan „Hornhaut ist kein Held“?
Die Antwort liegt nicht nur in alten Rollenbildern, sondern auch in wirtschaftlichen Strukturen. Das Patriarchat, eng verknüpft mit kapitalistischen Prinzipien, setzt auf Gewinnmaximierung – und doch scheint Männerpflege kein lukrativer Markt zu sein. Oder wieso lässt sich das Patriarchat den Milliardenmarkt entgehen?
Die Vorstellung, dass Männer keine Pflegeprodukte brauchen oder wollen, ist überholt. Und dennoch bleibt die Werbung oft stumm, wenn es um männliche Zielgruppen geht. Dabei könnten Unternehmen mit einer breiteren Ansprache nicht nur neue Märkte erschließen, sondern auch zur Auflösung überholter Geschlechterklischees beitragen.
Ich jedenfalls wartete weiter. Auf meinen Termin. Und auf das erste Plakat mit einem Mann, der sich eine Gesichtsmaske gönnt. Vielleicht kommt’s ja noch. Wenn das Patriarchat mal eine Peelingpause einlegt.
Was sonst im September 2025 los war…






Ausblick Oktober 2025
Im Oktober geht’s rund: Ich agiere erstmals als Koordinatorin bei den Studieneinführungstagen – Flipcharts, Fragen und vermutlich viel Kaffee inklusive. Dann steht die Zeugnisübergabe für das Matrikel 2022 an, bei dessen BZP ich selbst als Simulationspatientin mitgewirkt habe. Ein schöner Kreis, der sich schließt.
In den Herbstferien reise ich mit den Kids in meine Geburtsstadt – zurück ins Haus meiner Kindheit. Nostalgie trifft Familienchaos, und ich freu mich auf beides. Endlich kann ich außerdem auch wieder Plasmaspenden.
Die Fahrt nach Kiel wird nachgeholt, Meerweh gestillt. Und besonders aufregend: Die ersten Infoabende für weiterführende Schulen für Knopf stehen an. Große Entscheidungen, kleine Füße – und ich mittendrin. Kann ich gut.

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