Mamahonks kleine Monatsrückschau Oktober 2025 – Vollzeitchaos

Während Japan seine erste Premierministerin Sanae Takaichi bekam und Frankreich seinen ehemaligen Präsident Nicolas Sarkozy ins Gefängnis schickte, war ich im Oktober motivationsmäßig nicht nur sportlich, sondern auch beruflich etwas abtrünnig geworden. Das schlechte Gewissen und die Selbstzweifel traten sich gegenseitig in meinem Herzen auf die Füße. Stellt die Kaffeemaschine an, ich werde euch jetzt bis ins kleinste Detail von den verbesserungswürdigen Tagen berichten, die ich im Oktober verleben musste. Read it, like it or leave it!

Quelle: M. Ellrich

Familie & Freunde: Survival of the Fittest – Elternedition

Der Oktober startete mit den Herausforderungen, dass Familienmanagement in (Herbst-)ferien so mit sich bringt. Auf Wunsch von Knopf verbrachten wir den Abschnitt der Herbstferien in meiner alten Heimat, Das stellte ein Kontrastprogramm zur vorangegangenen Woche dar, die der Mann mit Knopf und ich mit Fünkchen verbrachte.  

Plötzlich war ich ALLEINE 24/7 für beide Kids allein verantwortlich. Im Haus meiner Eltern. 

Es war merkwürdig in dem Haus meiner Kindheit zu sein. Die Geräusche- das Knarzen der Treppe, das Klopfen der Heizung – alles zutiefst vertraut – versetzten mich direkt in meine Kindheit. Doch die Zimmer fühlten sich leer an. Das lag nicht etwa an den fehlenden Möbeln, schließlich gab mein Bruder sein Bestes, um alles gemütlich einzurichten.  

Quelle: M. Ellrich

Ohne meinen Vater, ohne meine Mutter und ohne meinen Bruder fehlte das Gefühl von Geborgenheit. Mit Wehmut begriff ich, dass es nun an mir lag, meinen beiden Töchtern dieses Gefühl zu vermitteln. Und das war gar nicht so einfach, in einem Haus, in dem es gleichzeitig so viele Zimmer zu managen gab. 

Quelle: M. Ellrich

Also absolvierten wir ein klassisches Ferienprogramm mit Tierpark, Reiten, Schwimmbad und Radfahren üben. Ich genoss es, täglich meine Mutter zu besuchen und meine Kindheitsfreundin zu sehen. Am letzten Tag meines Urlaubs wurden die Kinder outgesourct und ich gönnte mir Sauna und Massage. 

Quelle: M. Ellrich

Im Oktober holten wir auch die olympiaverdächtig oft abgesagte Reise nach Kiel nach und besuchten eine ehemalige Kommilitonin und gute Freundin von mir, die ganz nebenbei zum Lebensvorbild meiner Tochter avancierte. Spoiler: Sie hat zwei Pferde. Grund genug das Lebenskonzept der Eltern abzulehnen. 

Die Fahrt nach Kiel bot einen Blumenstrauß an sämtlichen Erklärungen für die Verspätung der deutschen Bahn: 

  • Verspätung wegen Arbeiten am Gleis 
  • Verspätung wegen ärztlicher Behandlung eines Mitreisenden 
  • Verspätung wegen einen verspäteten vorausgegangen Zuges 
  • Verspätung wegen Verspätung des Zugpersonals 

Dabei mussten wir nur zweimal umsteigen. Man höre und staune: Wir kamen trotzdem eine Stunde früher am Zielort an. Dafür konnte die Bahn aber nichts. Mit Misstrauen gegenüber der Funktionsfähigkeit des Fahrplans der deutschen Bahn checkte ich zwei Stunden vor Abfahrt den Reiseplan und stellte fest, dass der Halt in Jena entfiel und jubilierte, da die Zugbindung ebenfalls entfiel. So schnell hatte ich meinen Nachwuchs noch nie zum Bahnhof getrieben.

Quelle: M. Ellrich

Den Aufenthalt in Kiel nutzten wir ausgiebig, um Halloweentraditionen zu vergleichen. Bessergesagt: Meine Freundin lernte die Adaption us-amerikanischer Traditionen in Deutschland kennen, die Kinder gruselten sich und ich feierte Reformationstag. So kam jede auf ihre Kosten, ohne einen allzu großen psychischen Schaden zu erleiden. Während Knopf ihre Pferdekenntnisse mit meiner Freundin erweiterte, entdeckte ich eine alte Leidenschaft – Geocaching – wieder und zwang Fünkchen zu kilometerlangen Spaziergängen. 

Quelle: M. Ellrich

Beruf & Finanzen: Veränderung ich hör Dich trapsen

Im Oktober startete das neue Semester – und ich bekam meinen ersten „Bühnenauftritt“ als Studiengangskoordinatorin für Rettungswesen. Zwischen all den Lebensretter:innen fühlte ich mich wie die Person, die für die Rettung der Verwaltung zuständig ist. Nicht gerade ein Job, der durch Ehre und Ruhm beeindruckt. 

Quelle: M. Ellrich

Ein echtes Highlight war die Organisation des Symposiums „ImPuls“: Dort diskutierten wir mit Expert:innen über die großen Fragen des Rettungsdienstes – zum Beispiel, warum die Behandlung manchmal vom Postleitzahlen abhängt. Föderalismus lässt grüßen. 

Quelle: M. Ellrich

Und dann ist da noch das Projektende der Evaluation. Soll ich es fürchten oder herbeisehnen? Ab Januar arbeite ich nicht mehr Vollzeit – das bedeutet: mehr Zeit, weniger Geld. Ein klassischer Plot-Twist im Berufsleben. Vielleicht wird das mein persönliches „Survival-Training“: Wie man mit halber Arbeitszeit und vollem Leben jongliert. 

Im Oktober war es außerdem soweit: Der seit Monaten rot markierte Informationsabend des Christlichen Gymnasiums Jena stand an. Ich hatte alles vorbereitet wie für ein NASA-Launch: Störfaktoren delegiert, Technik auf Hochglanz, ellenlanger Fragenzettel griffbereit. Ich loggte mich in Teams ein – und starrte in die digitale Finsternis. 

Link geprüft? Ja. Passwort? Ja. Stromzufuhr? Läuft. Termin? … oh. 

Während ich am Vorabend der feierlichen Zeugnisübergabe des Matrikel 2022 beiwohnte, erfuhren alle anderen Eltern alles Wesentliche zum Schulbesuch am Christlichen Gymnasium. Ein schöner Moment – nur leider nicht für mich. Mein Informationsabend? Geopfert. Statt gut informiert zu sein, überrollten mich die Ereignisse wie ein Rettungswagen mit Blaulicht. 

Seit Jahren arbeite ich Vollzeit, um die Privatschule zu finanzieren, und nun scheitert mein Masterplan CGJ an einem Terminfehler? Was bleibt? Vertrauen. Ich vertraue jetzt auf Gott – und hoffe, dass sein Plan besser ist als mein Outlookkalender. 

Sport & Gesundheit: Amygdala vs. Großhirn

Im Oktober quittierte meine zuckerbefreite Ernährung ihren Dienst. Mal wieder. Durch diverse Events wurde ich regelrecht zur Verköstigung genötigt. Was zugegeben, kein Drama war. Zumindest davor. Währenddessen ahnte ich zu meiner eigenen Überraschung, dass der selbst gebackene Kuchen von der Bonusoma eine zu verlockende Alternative zu meinem Leben ohne Industriezucker bot. 

Dann kam die Geburtstagsfeier meines Bruders. In der Gaststätte wollten sie erst nur fünf von 15 Personen verköstigen. Meine Mutter überzeugte das Personal jedoch davon, dass die Deportation einzelner Familienmitglieder in dem einen oder anderen Weltbild eine durchaus reizvolle Alternative zu überfüllten Räumlichkeiten (oder Ländern) sei, jedoch nicht in unserer. 

Vermutlich als Strafe mussten wir eine Stunde auf das Essen warten, dessen Preis größer als die Portion war. Hunger und Frust – eine wahrlich ungünstige Konstellation bei diäziöser Ernährung. Vor lauter Appetit aß ich die Portionen meiner beiden Töchter gleich mit. Diese waren glücklicherweise durch die Smartphone-Aktivitäten der Cousine abgelenkt und vergaßen jegliches Hungergefühl. Da sage nochmal jemand, social media sei nichts für unterzehnjährige! 

Quelle: M. Ellrich

Und als wäre das Elend nicht schon genug, machten wir anschließend einen klitzkleinen Zwischenstopp in der Wohnung meines Bruders, wo ich nach nur fünf Minuten mit zahllosen Chipstüten, angeknabberten Schokoladen und ein paar Gummitierchen plötzlich ein lautes RATSCH vernahm. Es war allerdings nicht irgendein herkömmliches Ratsch. Nein, es war das Ratschen meines heiß geliebten Rocks.  

Mit einem kritischen Blick in den Kleiderschrank fest: Daraus wird nix. Das wiederentdeckte Konsumieren industriegezuckerter Snacks durfte kein neues Hobby werden. Ich besaß nur noch einen Rock. Bevor ich also den Fressanfall bereuen und mich selbst dafür zerfleischen konnte, schnürte ich die Turnschuhe, schwang die Salatschüssel und googelte „Yogaübungen für Anfängerinnen“  

“Aber, aber es macht dich doch glücklich“, sagte die Amygdala etwas verstört. Weil sie sich ein Leben ohne emotionales Essen nicht im Geringsten vorstellen konnte. Mein Großhirn fand es jedoch prima und die Amygdala schmollte. Doch so ist das. Ich kann es nicht allen recht machen.  

Mit welchem Snack ich mir wohl das nächste Mal meine Ernährungsbilanz versaue? Was das Durchhaltevermögen betrifft, muss ich an mir arbeiten.

Feminismus: Kapitalismus ohne Nebenwirkungen? Bitte fragen Sie Ihren Arzt oder Politökonomin Göpel.

Im Oktober habe ich mich gefragt: Gibt es einen Kapitalismus ohne Nebenwirkungen? Diese Frage hat mich nicht mehr losgelassen. Denn wenn wir ehrlich sind: Die Nebenwirkungen spüren wir überall – von ökologischen Krisen bis zu sozialer Ungleichheit. Auf der Suche nach Antworten bin ich auf Maja Göpel gestoßen. 

Göpel ist Politökonomin, Honorarprofessorin und Mitgründerin von Scientists4Future. Sie steht für eine klare Botschaft: Märkte sind keine Naturgesetze. Sie funktionieren nur, wenn wir Regeln schaffen, die Vertrauen und Gemeinwohl sichern. Ihr Ansatz hat mich sofort angesprochen, weil er nicht bei der Kritik stehenbleibt, sondern Wege aufzeigt, wie wir Wirtschaft neu denken können. 

Bei diversen Beiträgen von ihr wurde mir bewusst, wie sehr auch ich mich in einer „Ego-Fixierung“ eingerichtet habe. Die Welt ist komplex, also ziehe ich mich in mein kleines, kontrollierbares Umfeld zurück. Göpel dreht den Blick um – sie sagt: Wandel gelingt nur gemeinsam. Das hat mich berührt, weil es genau das ist, was feministische Ökonomie fordert: Solidarität, Care und Verantwortung statt isolierter Profitlogik. 

Wenn ich ihr zuhöre, verstehe ich, Kapitalismus ohne Nebenwirkungen ist kein utopischer Traum, sondern eine Frage der Regeln und Werte, die wir setzen. Mein Aha-Moment? Dass Feminismus und nachhaltige Wirtschaft mehr verbindet, als ich dachte. Beide kämpfen gegen Systeme, die Menschen und Ressourcen ausbeuten. Beide suchen nach Strukturen, die Leben ermöglichen – nicht nur überleben. Und genau hier möchte ich weitermachen: Fragen stellen, Alternativen sichtbar machen und Räume schaffen, in denen Werte mehr zählen als kurzfristige Gewinne. 

Im Oktober war ich auch endlich wieder aktiv. Mein Aktivismus benötigt zwischen Vollzeit und 2 Kindern niedrigschwellige Angebote.  Gesichter gegen rechts bot das.  

Quelle: M. Ellrich

Was ist das? Es handelt sich um eine Initiative, die Menschen sichtbar macht, die sich gegen Rechtsextremismus und für Demokratie positionieren. Einfach durch ein Foto, ein Statement, ein gemeinsames Zeichen in sozialen Medien oder bei lokalen Veranstaltungen. Keine komplizierten Strukturen, sondern ein klares Signal: Wir sind viele, die Haltung zeigen. 

Die Teilnahme an Gesichter gegen Rechts hat meine Überzeugung, wir könnten 2029 eine Bundesregierung ohne die AFD bilden, endgültig dem Untergang geweiht. Ich versuchte, zahlreiche Personen zu motivieren, ebenfalls teilzunehmen. Erreicht habe ich die wenigsten. Trotzdem: Haltung zeigen bleibt wichtig. Für mich war diese Erfahrung ein Reminder, dass Aktivismus nicht immer große Gesten braucht – manchmal reicht ein Gesicht, das sagt: „Nicht mit uns.“ 

Was steht im November 2025 an?

Im November steht das nächste Elterngespräch in der Grundschule an, welches das Casting für „Knopfs next erweiterte Schule“ startet. Daran knüpft der Tag der offenen Tür im CGJ: an – ein Termin, den ich hoffentlich korrekt in meinen Kalender eingetragen habe.

Außerdem jährt sich Todestag meines Vaters zum 2. Mal. Ein melancholischer Reminder, dass das Leben keine Pausen-Taste kennt.

Parallel läuft die Kompensation des Nachlasses: ein epischer Kampf zwischen „Ich will mehr“ und „Ich kann nicht mehr.“

Zum ersten Mal lasse ich mich gegen Grippe schutzimpfen – in der Hoffnung, dass ich nicht wieder als wandelnde Virenschleuder ende und die gesamte Familie in einen Infektionsstrudel stürze.

Du möchtest keinen Mamastisch-Beitrag verpassen? Dann abonniere meinen Blog und erhalte regelmäßig Neues aus dem Leben von Mamahonk.

Anregungen, Kritik? Gerne per Mail. Folge mir gerne auch auf Instagram oder Facebook, um über die neuesten Einträge informiert zu werden. Und ganz wichtig: Weitersagen & Empfehlen – danke Dir😀