Gottesdienst oder Gartenarbeit? Wenn Mama betet und Papa jätet.
Jetzt stellt euch vor: Ein Pärchen mit unterschiedlichen Weltanschauungen – sie christlich und er … naja, eben nicht. Dann bekommen sie ein Kind. Und noch eins. Die Sonntagsfrage hat für diese beiden Kinder wenig mit der aktuellen politischen Stimmung im Land zu tun. Stattdessen dreht sie sich darum, gehe ich mit Mama sonntags in die Kirche, „Lobe den Herrn“ singen oder lieber mit Papa in den Garten, Brennesseljauche ansetzen? Gottesdienst oder Garten?
In Familien, in denen ein Elternteil evangelisch und der andere nicht christlich ist, treffen oft verschiedene Wertvorstellungen, religiöse Praktiken und Traditionen aufeinander. Das kann zu Unsicherheiten führen, wie religiöse Feste gefeiert oder welche Werte vermittelt werden. Wir sind so eine Familie.
Willkommen in der Familie Mamahonk
Die größte Herausforderung? Ich selbst bin ohne christliche Traditionen groß geworden und habe mich zusammen mit meiner Tochter Knopf (9) vor acht Jahren taufen lassen. Zwar gab es immer wieder in meinem Leben Berührungspunkte mit dem Glauben, kleine Wegweiser, die mich zu Ihm geführt haben, trotzdem bedeutete dieser Schritt völliges Neuland für mich.
Meine eigene Erwachsenentaufe fühlte sich an, als würde ich nackt und blind ins Christentum schreiten.
Während andere Mütter schon von klein auf mit Gemeindeanbindung, Ritualen, Traditionen und einem Grundverständnis der Bibel groß geworden sind, stand ich vor einer völlig neuen Welt. Ich hatte keine vertrauten Lieder im Kopf, keine Kindheitserinnerungen an Weihnachtsgottesdienste oder das gemeinsame Beten am Abend. Alles, was ich hatte, war die Entscheidung, diesen Weg mit Ihm an meiner Seite zu gehen – und ein großes Fragezeichen, wie das konkret aussehen kann.
Außerdem sind in meinem Umfeld christliche Traditionen eher Mangelware, und Religion wird oft mit Skepsis betrachtet. Keine Großeltern, die Bibelgeschichten erzählen, kein Beten, keine Rituale. Das macht es nicht gerade einfacher, Glauben im Alltag zu leben.
Immer wieder stoße ich an meine Grenzen. Gehen wir sonntags in die Kirche oder in den Garten? Sollen wir vor dem Essen beten? Und wie beantworte ich Knopfs Fragen, wenn sie wissen möchte, wer oder was die Apostel sind? Während andere Eltern vielleicht auf Antworten der eigenen Eltern zurückgreifen können, muss ich oft selbst nachlesen, nachfragen oder einfach ehrlich sagen: „Ich weiß es nicht, lass uns gemeinsam herausfinden, was das für uns bedeutet.“
Wie wir als Familie mit dieser Vielfalt umgehen, welche Stolpersteine es gibt und wie gerade aus diesen Unterschieden wertvolle neue Wege entstehen können, möchte ich Euch heute erzählen. Read it, like it or leave it!
Herausforderung: Religiöse Erziehung
Die Frage, ob und wie Kinder religiös erzogen werden, kann ein Konfliktpunkt sein. Während ich Wert auf religiöse Bildung lege, ist dem Mann dies oft weniger wichtig. Während ich stolz das Taufkleid auspackte, googelt er nach einem OLED-Fernseher Mein vorgeschlagener Kompromiss: Das Kind wird getauft – aber der TV nicht, kam nur mittelmäßig an.
Explizite religiöse Erziehung findet bei uns manchmal nur eingeschränkt statt und benötigt oft Unterstützung von außen, etwa durch die Gemeinde oder den Religionsunterricht.
Herausforderung: Weihnachten oder Heiligabend?
Bei unterschiedlichen Werten und Traditionen besteht ein großer Bedarf an offener Kommunikation und Kompromissbereitschaft, um gemeinsame Lösungen für Alltagsfragen und Feste zu finden, ohne dass sich jemand ausgeschlossen fühlt. Ich freue mich auf die Gottesdienste an Ostern, Pfingsten und Heiligabend. Der Mann fragt sich: „Was gibt es zu Essen?“
Herausforderung Identitätsfindung der Kinder – oder: „Und woran glaubst du?“
Unsere Töchter müssen ihren eigenen Weg zwischen den unterschiedlichen Weltanschauungen finden. Das führt zu Verwirrung oder Loyalitätskonflikten, vor allem, wenn wir unsere jeweiligen Überzeugungen stark vertreten. Meine Töchter sind inzwischen wahre Diplomatinnen. Sie wissen: Mama glaubt an Gott (auch wenn sie Feministin ist), Papa an den Garten – und sie selbst? An Schokolade.
Diese Konstellation ist sicher nicht ideal, doch sie bietet auch Chancen:
Chance – Vielfalt als Bereicherung
Unsere Töchter wachsen mit einer größeren Offenheit gegenüber unterschiedlichen Weltanschauungen auf. Sie lernen früh, verschiedene Perspektiven zu respektieren und Toleranz zu leben. Ein bisschen fühlt es sich an, wie Toleranz-Training im Wohnzimmer. Das kann manchmal auch schmerzhaft sein. Letztendlich lernen beide, dass es mehr als eine Wahrheit gibt. Und dass man mit und ohne Kirchenbesuch ein guter Mensch sein kann – solange man den Tisch abräumt.
Chance – Kreative Familienrituale
Wir entwickeln neue, eigene Rituale, die Elemente beider Traditionen oder auch ganz neue Formen beinhalten. Das stärkt unsere Familienidentität und fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl. Das haben wir auch nötig. Die Frage „Kommt das Christkind oder der Weihnachtsmann?“ lösten wir unkompliziert: Es kommen beide.
Chance – Gespräche, die nie langweilig werden
Die Notwendigkeit, sich über Unterschiede auszutauschen, fördert die Kommunikationsfähigkeit und den gegenseitigen Respekt innerhalb unserer Familie. Ob beim Abendessen oder im Auto: Die Themen gehen nie aus. „Gibt es Gott?“ wird genauso diskutiert wie „Wo, bitteschön, ist mein Smartphone?
Fazit: Kinder mit Superkräften
Evangelisch und nicht christlich unter einem Dach? Ist nicht einfach, doch Knopf und Fünckchen wachsen daran. Unsere Töchter können Bibelgeschichten erzählen UND erklären, wie man Kartoffeln erntet. Und sie wissen: Am Ende des Tages zählt, dass alle zusammen lachen.

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