Little Murphy’s Law

step0001Es gibt so klassische Situationen mit Baby. Eine Situation kennt beispielsweise jede Mutter. Muss sie sehr dringend unbedingt zu einem wichtigen Termin, darf auf gar keinen Fall zu spät kommen und ist leider aber schon leicht verspätet, hofft dennoch mit einem kleinen Sprint zur Bahn das Zeitdefizit kompensieren zu können, dann hört sie mit Sicherheit just in dem Moment als sie mit Baby auf dem Arm die Tür hinter sich schließt einen lauten Knall. Innerlich betet sie, dass das Kind an Flatulenz leidet, doch schon auf den ersten Riecher wird klar, hierbei handelt es sich um einen Zwischenfall größeren Ausmaßes. Der Termin platzt quasi mit dem Darm des Kindes.

Heute hatte ich wieder so einen Babyklassiker. Zum Mittagessen kam alles zusammen. Wir versuchen unser Knöpfchen gerade an Fleisch heranzuführen. Das ist keine leichte Aufgabe für mich. Denn ich bin Vegetarierin. Doch da der Knöpfchenpapa Fleisch auf seinem Speiseplan hat, entschieden wir uns dafür, unserem Kind auch welches anzubieten. Schließlich können wir ihm schlecht etwas vorenthalten, was der Papa isst. Allerdings ist damit auch der Papa der designierte Fisch- und Fleischverantwortliche. Ich weigere mich, es zuzubereiten und zu füttern. Ich bin nunmal außerstande den Zungen- Temperatur – Mess – Test vorzunehmen.

Dummerweise war der Papa zum Babymittagessen unauffindbar abhanden gekommen. Etwas, das er noch bereuen würde. Also gab ich mir einen Ruck und bot ihr Kartoffel-Möhre mit Pute an. Was soll ich sagen?  Momentan scheint Knöpfchen diese Leidenschaft noch nicht mit seinem Papa zu teilen. Nach dem ersten Löffelchen schüttelte es sich, nach dem zweiten blieb das Mündlein geschlossen. Da ich von einem sehr hungrigen Kind ausging, griff ich ohne genau darauf zu achten in das Kühlfach nach einer vorgekochten Mahlzeit und erhitzte sie im Schnellmodus in der Mikrowelle während ich das Müttermantra runterrasselte: „Gleich, mein Schatz! Glei-heich.“ Knöpfchen beschwerte sich lautstark im Hintergrund. Manchmal fühlt es sich an als hätte es die Rolle des Chors im antiken Drama inne. Allerdings besteht bei mir noch Unsicherheit, ob Knöpfchen eine tragische oder komische Handlung kommentiert.

Kaum war der Brei aufgetaut und umgerührt, hechtete ich schon zu dem sich in der Wiege aufbäumenden Kind. Mit lieblich-säuselnder Kopfstimme bemühte ich mich das erhitzte Gemüt zu besänftigen. Doch als Mylady registrierte, was ich ihr anbot, Blumenkohl-Kartoffelbrei, näherten wir uns allmählich dem retatierenden Moment. Ja, ich erfasse seit heute die Bedeutung des Wortes „schrill“ ganz neu. Schnell überlegte ich mir eine kulinarische Alternative, um die Mauer der Ablehnung zu durchbrechen. Für Reisen habe ich immer eine kleine Ration Gläschen im Haus. Ohne nachzudenken schnappte ich das Erstbeste, öffnete es und schob es samt Deckel in die Mikrowelle. Um das Kind zu beruhigen, spurtete ich zurück ins Wohnzimmer. Bevor ich dort ankam, hörte ich einen mächtigen Rums aus der Küche. Mit einer zackigen Kehrtwende hastete ich zurück. Der Deckel war explodiert. Überall klebte geschmackloser Zucchinibrei. Ich warf einen Blick zurück auf mein Kind, das irgendwie an seinen Schnuller gekommen war und bedächtig vor sich auf den Boden blickte. Mit einem Anflug von Stolz, dachte ich, wie gelassen meine Tochter doch sei.

Spätestens hier hätte ich meinen Irrtum bemerken und reagieren sollen. Ich schickte mich an, die Sauerei in der Küche wenigstens notdürftig abzuwischen als ich erneut ein Klappern hörte. Zurück im Wohnzimmer erblickte ich die Ursache: Wie sooft waren die Arme meines Knöpfchens urplötzlich zwanzig Zentimeter länger geworden, hatten die Fleischpampe umgeworfen und rührten nun seelenruhig darin herum.

Da stand ich also, Küche und Wohnzimmer bedeckt mit Breispritzern, mein Kind und ich ebenfalls von oben bis unten besudelt mit drei verschiedenen Geschmacksrichtungen. Genau in diesem Moment betrat mein Mann die Szenerie und fragte gutgelaunt: „Na, Mädels, wie ist die Stimmung!“ Was soll ich sagen? Da wir keine Kinderriegel mehr hatten, verhalf ich meinem Mann zu einer ganz neuen Vorstellung von den Worten ‚Ventil‘, ‚anblaffen‘ und ‚Scheißfleisch‘.