12 von 12 Januar – Mütterproteste?

- Heute ist Tag 5 der Bauernproteste. Alle reden darüber. Die Unterstützung ist groß. Alle sind sich einig. Bauern sind wichtig. Bauern dürfen das. Die Bauern werden nicht müde zu betonen, „Wir demonstrieren nicht wegen Subventionen oder Diesel. Wir demonstrieren wegen Rahmenbedingungen, die uns konkurrenzunfähig machen.“ Ich liege im Bett und grübel.

2. Auf dem eingeschneiten Weg zur Arbeit grüble ich weiter. Ich bin Mutter. Ich kriege Kinder. Ich bin auch wichtig. Die Rahmenbedingungen für Mütter? Verbesserungswürdig.

3. Während ich die Tür aufschließe, frage ich mich, warum protestieren wir Mütter nicht? Wieso schnappen wir nicht einfach die Kinderwagen, Buggy, Radanhänger und blockieren die Auffahrt zur A9 Richtung München? Schließlich gibt es 8,2 Millionen Mütter mit minderjährigen Kindern in Deutschland. Das dürfte sich lohnen.

4. Der Cappuccino dampft und vermittelt mir ein behagliches Gefühl. Protestgründe gäbe es hinreichend: Unzureichende Kitabetreuung, Bildungskrise in den Schulen, Krise der Kinderarztversorgung, Karriereknick nach Geburt …

5. Der Rechner fährt hoch. Woran liegt es, dass die Mütter nicht auf der Straße stehen?

6. Ich richte etwas Obst und Gemüse für unser heutiges Neujahrsbrunch her und frage mich: „Sind die Probleme etwa nicht massiv genug?“

7. Während ich eine ideale Kombination aus Brötchen, Kürbiskernen und Käse kaue, überlege ich, ob unser Leidensdruck zu gering ist? Vielleicht geht es uns zu gut?

8. In der Pinkelpause schweifen meine Gedanken wieder zu den Bauern. Klar, die haben gerade keine Erntezeit. Da lässt sich locker ein Protest einschieben. Das fehlt uns Müttern. Zeit.

9. Nach der Arbeit hechte ich zu Schule und Kita. Mich begrüßt eines der von Eltern geliebten Schilder am Eingang. Sind die Probleme vielleicht zu vielseitig?

10. Meine Mädels und ich laufen langsam heim. Zwischen „Lauf schneller Fünkchen!“ und „Knopf, jetzt warte doch mal“ frage ich mich, ob es daran liegt, dass Carearbeit nicht als ökonomische Ressource zählt?

11. Was spielt die Angst davor, von rechten Gruppierungen unterwandert zu werden für eine Rolle? (Schließlich taucht merkwürdigerweise bei jedem noch so berechtigten Protest, irgendein hirnbefreiter Fascho auf und schreit „Umsturz!“.) Ich sage nur TradWifeBewegung.

12. Abends im Bett grübel ich immer noch. Ich erinnere mich an Island im Oktober 2023. Im Musterland beim Thema Gleichstellung legten einen Tag lang mehr als die Hälfte der Frauen ihre Arbeit nieder. Auf Mütter in Deutschland umgerechnet wären das 4,1 Millionen Mütter. Und ich frage mich, was wäre wenn… Und dann blicke ich auf meine beiden Töchter. Und schäme mich.

Du möchtest keinen Mamastisch-Beitrag verpassen? Dann abonniere meinen Blog und erhalte regelmäßig Neues aus dem Leben von Mamahonk.
Anregungen, Kritik? Gerne per Mail. Folge mir gerne auch auf Instagram oder Facebook, um über die neuesten Einträge informiert zu werden. Und ganz wichtig: Weitersagen & Empfehlen – danke Dir😀




