Mamastisch hat Geburtstag

Jubiläum! Fünf Jahre Mamastisch! Zeit, Bilanz zu ziehen.

Hochmotivierter Start 2017.

Demotivierte Pause 2018 bis 2019.

Wiedereinstieg mit Coronapandemie 2020.

Nicht wegen Corona. Sondern wegen der Fehlgeburten. Meine Therapeutin gab mir den dezenten Hinweis, dass ich an meiner passiv-aggressiven Haltung mir selbst, dem Mann und der Welt gegenüber arbeiten sollte. Tat ich. Wechselte den Job, die Therapeutin und bekam noch ein Baby.

Dann 2022 die Erkenntnis: Ich tauge nichts als Mamabloggerin. Das reale Leben hat mich fest im Griff. Abends löst die Couch das Leben ab. Sie hat einen genauso festen Griff. Zwölf magere Artikel pro Jahr schaffte ich zu schreiben. Die Zahl ist frisiert, wie die Zahlen des gelben Engels. Da wird es wohl nix mit der Weltherrschaft.

Jeder Artikel war ein Krampf. Also das Verfassen, nicht der Artikel. Ich missachtete grundsätzlich Regel Nr. 1 im Social-Media-Kosmos: Aktuellen Content und Cliffhanger-Fotos. Also das, was man gerne liest und ansieht. Beachtet man das, macht es nichts, potenziellen Follower:innen das Gefühl zu vermitteln, sie seien hirnamputierte Schwachmaten, denen das grammatikalisch-orthografische Desaster nichts ausmachte. Ich hingegen befürchtete stets, dabei ertappt zu werden, wie ich Rhythmus falsch schrieb. Nur deswegen vermied ich es, über den Tanzkurs meiner Tochter zu berichten. Mein Perfektionismus zwang mich dazu, Texte zwanzig Mal zu redigieren. Mindestens. Lektorat und Korrektorat nicht mitgerechnet. Entdeckte ich nach der Publikation einen Fehler (immer) im Text, verputzte ich vor lauter Frust eine Kinderriegelpackung. Mindestens. Verfettung wegen Bloggen. Ob die Krankenkasse hier eine Ernährungstherapie bezahlt?

Meine Fotos? Stibitzte ich von Pixabay. Warum? Weil ich’s verraffte, eigene anzufertigen. Ganz einfach. Beispiel: Drei Jahre lange versuchte ich zu Beginn der Radsaison, einen Erfahrungsbericht zum FollowMe zu veröffentlichen. Einen ehrlichen. Authentisch bis in die Fingernägel. Bis heute ruht er im Ordner Entwürfe. Der sowieso an Verstopfung leidet. Zwischenzeitlich ist Knöpfchen groß genug, um mit dem eigenen Mountainbike kilometerlange Radtouren zu fahren. Und das FollowMe ist längst dem Radanhänger für das Baby gewichen. Mir fehlte ein einziges Foto. Vom FollowMe selbst. Jedes Mal war es das Gleiche. Der Frühling kam. Ich dachte: Spitze, jetzt mach ich das Foto, und ging raus zum Fotografieren. Samt Rad, FollowMe und Kind. Mist, Regen. Gut, dann morgen. Morgen kam. Blöd, Knöpfchen hatte Halsschmerzen. Lieber am nächsten Tag. Dann aber wirklich. Ja, dann! Dann, vergessen. Dann Saison vorbei. Zum Ende der Radsaison einen Artikel für Radzubehör veröffentlichen? Was ein Kacktiming. Mach ich dieses Jahr trotzdem. Ätsch. Kack auf’s Timing.

Zu meinem Zeitmangel und Perfektionismus gesellte sich ein zweifelhaftes Image als Helikoptermama deluxe. Gab keine Punkte. Ist zwar jede, will aber keine sein. Finden alle doof. Erzieher:innen, Lehrer:innen, andere Mütter:innen. Sogar die Kinder:innen. Doch was soll’s? Ich war und bin Kontrollfreak. Das kostete Zeit, Energie und Kraft. Und war – nebenbei bemerkt – nicht besonders sexy. Ich wog bereits als Teenager 10 Kilogramm mehr als mein gleichaltriges Umfeld. Vom sexy hatte ich mich schon ewig verabschiedet. Ich konnte gut ohne sexy leben. Der Blog nicht.

Selbst der Titel ist ein Fail. Ich meine, was soll das? Mamastisch. Das ist ein Name, der nicht hält, was er verspricht. Wieso? Hin und wieder verirrte sich eine Leserin auf meinen Blog, die nicht mit mir verwandt, befreundet oder von mir bestochen war. Die fragte dann sichtlich verwirrt, wo denn die Rezepte seien? Mamastisch sei doch ein Foodblog, oder? Mantraartig erklärte ich, Mamastisch sei ein Kofferwort aus ‚Mama‘ und ‚fantastisch‘. Meist erhielt ich keine oder eine Antwort, die von What the f**k? nur so troff. Meiner Familie und meinen Bekannten hingegen bin ich unendlich dankbar, dass sich noch niemand von ihnen bemüßigt fühlte, mich darauf hinzuweisen, dass es eigentlich korrekt Mamatastisch heißen müsste. Gut, falls es zur Anklage durch Konrad Duden kommen sollte, warum ausgerechnet mir als Germanistin solch ein Fauxpas unterlief, kann ich zur Verteidigung meine Vorstellung von meinem Blog als heitere Frauenrunde um einen mit Kinderschokolade bedeckten Tisch anführen. Wahrscheinlich war ich im Kinderriegel-Delirium als ich an dem Titel feilte. So genau weiß ich das nicht mehr.

Irgendwie passt auch das ursprüngliche Ziel meines Blogs nicht zu mir: Stärkung von Mamas? Ungefähr 10 Trillionen andere Blogs wollen das Gleiche. Ich hatte große Pläne: Blogmarathon, Blogparaden, Blogchallenges. Die Blogosphäre wartete jedoch nicht darauf, dass ich meine Artikel endlich zu Ende schrieb und bebilderte. Und bloggte mir davon…

Wie alle anderen Elternblogs wollte ich Hilfe und Rat bieten. Für all die schrecklich verzweifelten Eltern. Als wäre Elternschaft der drohende Weltuntergang. Ganz bescheiden schwang ich mich auf zur Expertin. Für die richtige Ernährung. Die richtige Erziehung. Sport. Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Viel zu spät merkte ich, dass mir das Wichtigste fehlte. Die Expertise. Und die positive Einstellung zu meinem Produkt. Ich finde Ratgeber einfach kacke. So richtig. Das war ein bisschen als hasste ein Gynäkologe die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale von Frauen. Unpraktisches Geschäftsmodell. Nicht auszumalen, ich geriet an einen solchen! Vermutlich stieg ich als Mann vom Gynäkologiestuhl.

Mein fehlendes Wissen kompensierte ich…. Tataaa… mit Hilfe von Elternblogs. Ihr merkt die Ironie, oder? Beim Anblick der gepimpten Instagram-Accounts und Webseiten zerbröselte mein digitales Selbstbewusstsein zu Bio Pre Anfangsmilchpulver. Und das in einem Ausmaß, das die Luftbrücke für Baby Milchpulver in den USA im Mai 2022 nicht notwendig gewesen wäre. Also probierte ich es mit Büchern. Das war nicht besser. Ich las die ersten fünf Seiten, fühlte mich schlecht, weil meine pädagogische Realität nicht zu den Inhaltsverzeichnissen passte. Stattdessen sind nun die Bücher als Staubfänger:innen (*kicher*) bei mir fest angestellt. Ich halte einfach nix davon, anderen zu erzählen, wie es vermeintlich richtig geht. Ich weiß es selbst nicht. Also lasse ich es.

Außerdem – Stärkung der Mamas? Ernsthaft? Mamas sind wie Ameisen. Die unterschätztesten Lebewesen ever. Können alles. Machen alles. Tragen alles. Weit über ihr eigenes Körpergewicht hinaus. Sieht nur keiner. Die kommen allein klar. Die kriegen das hin. Falls nicht, hoffe ich, dass die Krankenkassen auch für ihre Kinder die kostspieligen Psychotherapien übernehmen.

Wenn ich tief in mich hineinhorche war der Hilfsgedanke sowieso nur Vorwand. Mir ging es um Ruhm und Reichtum. Gut, Pampers, Dell und Amazon haben angefragt. Von Trump kam auch eine Mail. Wie er auf meinen Blog kam, ist mir ein Rätsel. Größenwahn verbindet? Doch mal ernsthaft. Ich habe auch meine Ehre. Ich warte auf Ferrero. Bis dahin bleibt mein Blog genau das, was er ist: Ein Blog.

Streng genommen fällt die Bilanz für meinen Blog ziemlich mau aus. Text, Bilder, Titel, Marketing, Ziele – alles EIN Reinfall. Betriebswirtschaftlicher Totalausfall. Trotzdem quäle ich euch weiter. Wieso? Ich spare mir so die Kosten für die Psychotherapie. Der Blog ist mein Egotrip. Zumindest meistens. Es tut so unglaublich gut, sich den ganzen Mist von der Seele zu schreiben. Wenn man Mist mit etwas Humor mischt, entsteht daraus sogar richtig fruchtbare Erde. Darin gesundet und gedeiht meine Seele (Jap, es ist Sommer und ich war zu oft mit dem Mann im Garten!).

Der Blog hilft mir, all die Alltagskatastrophen wie die Fehlgeburten, wackelzahnpubertierende Kinder oder eben den Mann zu verkraften. Warum ich nicht einfach Tagebuch schreibe, statt das Internet zu verstopfen? Weil es meinem Ego unendlich hilft, wenn Leser:innen mir schreiben: „Jap, ganz genau so. Ich kenne das auch. Ich habe auch so einen komischen Mann, der sich feiert, nur weil er die Wäsche aufgehangen hat. Als wäre es eine olympische Disziplin.“ oder „Hast Du bei Deinen Kindern folgendes probiert…Sedativa, Teppichklopfer, im Wald aussetzen?“

Ja, mein Blog scheint die beste Therapie, um die Ausbrüche des zwangscholerischen Mannes, meiner verträumten Kinder und meines angstgestörten Selbst zu verarbeiten. Wenn ich es runterbreche, macht der Blog mit mir genau das, wofür meine Psychotherapeutin dreistellige Beträge pro Stunde nimmt. Der Blog nimmt mich wie ich bin und ermöglicht mir den Zugang zu meiner inneren Welt. Er unterstützt meine mir eigene Aktualisierungstendenz und macht mich zum besseren Menschen. Genug geschwafelt.

Bloggen oder nicht bloggen? Das war hier die Frage. Die Würfel sind gefallen. Der Blog bleibt. Und bekommt ein bisschen SEO hier und DSGVO dort. Das gönne ich ihm. Ein kleines Makeover.

Also. Bleibt sitzen oder nehmt Platz an Mamastisch. Ein Ort für fantastische Mamas mit den kleinen und großen Alltagssorgen aus unserem schrägen, stressigen, chaotischen, aber immer lustigen Familienalltag. Für die folgenden fünf Jahre. Und genehmigt euch einen Kinderriegel. Das Rezept dafür gibt’s nicht hier, sondern bei Ferrero.

ÜBRIGENS…

…während ich diesen Artikel schrieb, wurde ich 10 x überredet Bibi und Tina zu spielen (ich war die Stute Sabrina), habe 3 x je 4 Kilogramm rote, schwarze und weiße Johannisbeeren entstielt, habe 7 x geschlafen, habe 21 x gefrühstückt, gemittagt und geabendgebrotet (alles natürlich auch zubereitet), 35 x Windeln gewechselt, Knöpfchen 5 x in die Kita gebracht und 3 x abgeholt, war 6 x einkaufen (irgendetwas vergisst man immer), habe 3 Wanderungen gemacht, 4 x Vorträge über die Vor- und Nachteile von Brennnesseljauche im Garten sowie die Waffenlieferungen der Deutschen in die Ukraine von dem Mann bekommen, 42 x gestillt, habe vorgelesen, mich über die Lautstärke von Ice Age 4 mit Knöpfchen gestritten, 3 x jeweils mit Mama und mit Papa telefoniert, dabei 3 Waschmaschinen gewaschen, aufgehängt und zusammengelegt und jetzt bin ich zu müde, um weiter über Dinge zu schreiben, die mich vom Schreiben…..Tsssssssssssssssssssssssss.

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