Drei Gründe, warum der Mann die bessere Hausfrau ist

ACHTUNG: Der Artikel kann Spuren von Satire enthalten.

Der Mann und ich führen eine gleichberechtigte Partnerschaft. Zumindest ich. Der Mann? Der bezeichnet sich selbst als Feminist. Es hätte sich gelohnt, seine Interpretation vom Feminismus zu betrachten, als wir uns kennenlernten. Habe ich aber nicht. Nach einem Jahrzehnt, weiß ich nun, ginge es nach ihm, ginge die Frau Vollzeit arbeiten, kümmerte sich um die Kinder und führte den Haushalt. Der Mann? Der geht in den Garten.

Arbeit habe ich. Kinder auch. Jetzt muss nur noch die Sache mit dem Haushalt hinhauen. Wäsche, Kochen, Putzen und so. Also hat sich der Mann einen wirklich neckischen Erziehungsauftrag auferlegt: Er möchte mich zur perfekten Hausfrau modellieren.

Sein amüsantes Bestreben beruht auf einer Gemeinsamkeit zwischen uns beiden: Eine überdurchschnittlich stark ausgeprägte Phobie vor Hausarbeit. Wo das Problem ist? Ganz einfach. Unsere Ansprüche. Während der Mann – trotz Phobie – eine Wohnung im permanent geordneten Zustand anvisiert, bin ich bei zwei Kindern schon zufrieden, wenn ich unverletzt von einem in das andere Zimmer gelange. Er spricht von Sauhaufen. Ich nenne es realistisch. Leider geht es nicht ohne Hausarbeit. Bisher verpassen wir es jedoch, die haushaltsbezogenen Aufgaben ressourcenorientiert und interessenabhängig zwischen uns aufzuteilen. Stattdessen vermitteln wir sie qua Wortgefecht. Ein zentraler Schauplatz dafür war und ist die Küche.

Wenn der Mann nicht wäre, könnte ich die Küche als einen Ort der Essenszubereitung bezeichnen. Mit ihm ist sie ein Ort feministischer Schlachten geworden. Unser persönlicher Femscape-Room. Unglücklicherweise ist es mir bisher nicht gelungen, die Hinweise richtig zu interpretieren und das Rätsel zu lösen, um an den erforderlichen Code zur Befreiung zu gelangen. Das erklärt gegebenfalls, weshalb wir uns seit Jahren auf viereinhalb Quadratmeter im Kreis drehen.

Der Mann versucht hartnäckig, den Hausfrauenkern aus mir herauszuschälen. Er könnte dies nun durch positive Motivation tun. Er könnte sagen: „Oh, du hast echt lecker gekocht. Du kannst das spitze.“ Doch Subtilität kann der Mann nicht. Stattdessen drängelt mich der Mann, ihm ‚traditionelle Küche‘ zuzubereiten. In Thüringen wird ‚traditionelle Küche‘ übersetzt mit Klöße, Rotkraut und Rouladen. „Schleich Dich“, empfehle ich ihm, wenn er mir so kommt. Natürlich nicht, ohne ihm zu attestieren, dass er mir gehörig auf den Sack geht. Der Mann gibt jedoch nicht auf und meint: „Traditionell zu kochen ist eine angeborene Fähigkeit der Frau. Du sollst traditionell kochen. Das kann jede Frau.“ Ich koche jedoch nicht traditionell. Nicht für ihn, nicht für andere und auch für mich nicht. Meine mir angeborenen Fähigkeiten weisen mich eher dazu an, ihm kräftig ein’s mit dem Nudelholz überzuziehen.

„Kochen ist nicht meine Leidenschaft, sondern Essen.“, stelle ich klar. Der Mann zeigt Vernunft. Er bestätigt mir, dass bei den von mir zubereiteten Speisen von Kochen zu sprechen, dem menschlichen Hang zur Übertreibung entspräche. Vielmehr noch. Der Mann gelangte zu der Erkenntnis, dass ich ein einziger Hausfrauenunfall sei. Ich versage in allen Disziplinen: Kochen, Sauberkeit & Ordnung. Er übersieht allerdings, dass seine bahnbrechende Erkenntnis nicht auf wissenschaftlich fundierten Fakten, sondern schlichtweg auf unseren unterschiedlichen Vorlieben basiert.

Lasst mich das am Beispiel einer simplen Reis-Gemüse-Pfanne erklären. Vermeintlich harmloses Gericht. Schmeckt auch. Bei uns ein Minenfeld. Der Mann ist überzeugt, dass ich keinen Reis kochen kann. Er mag ihn körnig. Ich nicht. Bei mir darf der Reis ruhig matschig sein. Anders beim Gemüse. Ich möchte an der Bissfestigkeit erkennen, ob es sich um eine Möhre oder Aubergine handelt. Brät der Mann Gemüse, könnte man meinen, er bereite sich auf den Breikoststart von Fünkchen vor. Es lohnt nicht, zu erwähnen, dass Reis-Gemüse-Pfanne des Mannes Lieblingsgericht ist. Mein persönliches Pest-oder-Cholera-Dilemma. Ich habe die Wahl zwischen einem nöligen Mann oder einem Reisgericht, bei dem selbst die steineraspelnde Käferschnecke am Reis kapitulierte und Scrats zahnlose Großmutter über das Gemüse jubilierte.

So meckert der Mann also mit zäher Regelmäßigkeit über den Aß, den ich ihm in der Annahme, es seien leckere Gratins oder Lasagnen, serviere. Blöd, dass niemand der Hausfrau in mir sagt, dass sie nicht gekränkt sein braucht. Es war nie mein Lebensziel, eine gute Hausfrau zu sein. Trotzdem leidet sie. Wenn jemand nicht in der Situation ist, meine Kochkünste zu kritisieren, dann der Mann. Er weiß es nur nicht. Zwar kann der Mann schon immer sehr viel. Universalgenie. Behauptet er. Irgendwie stimmt das auch. Der Mann ist mein persönlicher Meteorologe, Technikberater und Reisekaufmann. Gestehen werde ich ihm das aber nicht. Sonst bekommt er Allüren. Doch ein Koch, das ist auch der Mann nicht.

Trotzdem. Wer meckert, kocht selbst. Ich kenne Frauen, deren Mann kocht auf eigene Faust. Einfach, weil er Bock hat. Ich hingegen bin mit dem Mann gesegnet, der unverhohlen an der Frau-an-den-Herd-Maxime festhält. Deswegen darf der Mann auf gar keinen Fall zum Kochen gedrängt werden. Ansonsten leidet er. In Sekundenbruchteilen unter hartem Stuhl. Dank meiner Neigung, zu starkem Haarausfall, geraten seine Überzeugungen schließlich ins Wanken. Die Tatsache, dass ich nahezu alles anbrennen lasse und mich vegetarisch ernähre, erweist sich ebenfalls als kolossaler Vorteil, den Mann zu kulinarischem Aktivismus anzuspornen.

Seine Kochkünste sind allerdings nicht der Rede wert. Über das Reisgericht mit Gemüse kommen sie nicht hinaus. Halt! Moment. Das ist nur die halbe Wahrheit. Der Mann macht die weltbeste Nudelsoße und einen köstlichen Kaninchenbraten. Letzteres ließ ich mir sagen. Einer ernstzunehmenden Einschätzung seiner Fähigkeiten, Fleisch zuzubereiten, steht meine Zugehörigkeit zur Minderheitengruppe der Vegetarier:innen entgegen.

Ein weiteres Indiz für meine Inkompetenz als Hausfrau sind – so der Mann – meine herumliegenden Haare. Es ist faszinierend, wie er sich bereits sieben Jahre stets auf’s Neue darüber empört. Für ihn sind sie der Beweis, dass ich ohne den Mann ein Lotterleben führte. Ohne Sinn für Ordnung. Doch er irrt. Denn im Grunde genommen gleichen sich unsere Sauberkeitsvorstellungen mehr als er ahnt. Uneinigkeit besteht lediglich über den Zeitpunkt der Ordnungswiederherstellung. Aus der Perspektive des Mannes ist dieser Zeitpunkt – SOFORT! Aus meiner Perspektive muss ich VORHER noch einkaufen, kochen, Kind trösten, Windeln wechseln, auf das Klo gehen, Mails checken, in der Nase bohren…. Das ist, nebenbei bemerkt, der wahre Grund, warum Frauen in Altersarmut landen: Die überzogenen Sauberkeitsvorstellungen der Männer. Immer wenn ich gerade ein Depot eröffnen will, konfrontiert mich der Mann mit meinem Haarausfall und fordert tägliches Staubsaugen zur Beseitigung der Haarbüschel ein.

Ein dritter Grund, mir eine Kündigung als Hausfrau auszusprechen war mein Umgang mit der Menge an Putz- und Abwaschwasser. Damit könne keine Wohnung gereinigt werden. So der Mann. Was soll ich sagen? Ich bin nunmal ein Kind der 90er Jahre, als Fridays for Future noch Bündnis ´90 hieß und sich mit dem Ozonloch, Treibhausgasen und saurem Regen auseinandersetzte. Meine Waschbecken oder Spüleimer sind grundsätzlich nur halbvoll mit Wasser gefüllt. Ist nachhaltig, doch brachte damit den Mann regelmäßig zur Weißglut. Er investierte sieben Jahre Zusammenleben, um mich davon zu überzeugen, dass Waschbecken und Putzeimer randvoll gefüllt zu sein haben. Sonst sei der Reinigungseffekt für Geschirr und Boden gleich Null! Das galt bis zum 24.02.2022. Seitdem verordnet der Mann strikte Sparmaßnahmen. Er geht innovativ vor: Wir duschen kalt, sammeln Wasser für die Klospülung und der Putzeimer und das Abwaschbecken, ja, die sind nun auch bei dem Mann halbvoll. Alles andere sei Verschwendung. Klar?

Der Mann weiß halt, wie man richtig kocht, sparsam putzt und rechtzeitig Ordnung hält. Aus meiner Sicht verdient er dafür den Titel „Hausfrau des Jahres“!, darf putzen und ich eröffne endlich ein Depot.

Postscriptum: Falls sich die eine oder der andere fragt, ob der Mann meinen Blog liest? Tut er nicht. Er ist ja im Garten. Doch ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, Blogbeiträge, in denen der Mann eine Rolle spielt, meinem Göttergatten vorab zur Durchsicht zu geben. Anbei seine Zensur…äh…Version: Häufig Gelegentlich führen unsere unterschiedlichen Ansichten zu hitzigen sachlichen Zankereien Diskussionen.

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