Kleine Monatsrückschau Oktober 2022

Im Monat Oktober verfolgte ich gleich mehrere ambitionierte Projekte. Ich startete die Spezialoperation „Mamahonk wird Multimillionärin“. Als Familie nahmen wir zum zweiten Mal Anlauf für die Unternehmung „Rhodos oder Bad Schandau? Egal. Hauptsache Urlaub in der Sächsischen Schweiz“ und ich setzte mein Maßnahmenpaket „Verschlankung bei gleichzeitigem Erhalt der kontinuierlichen Kalorienzufuhr“ fort.   

Hätte ich mir alles nicht vorgenommen, hätte ich gewusst, was Herbstferien für Auswirkungen auf mein persönliches Zeitpensum haben. Und der Mann im Urlaub. Und defektes Radzubehör. Und plötzlich hereinbrechende Krankheiten. Für Letzteres konnten weder die Herbsteferien, der Mann noch das Rad etwas. Das hatte sich mein Körper ausgedacht. Machte es aber auch nicht besser. Meine Ziele erreichte ich trotzdem nicht.

Read it, like it or leave it!

Eigentlich begann der Oktober mit einem Weiberwochenende in Dresden recht aussichtsreich. In 100 Jahren wird dieser Ausflug als Grundlage meiner Kanzlerinnenschaft in die Annalen gehen. Im Jahr 2022 war er ein absoluter Genussmoment. Abgesehen von seinem Ende. Bei der Rückkehr beschloss unser Fünkchen zu zahnen. Trotz ausgiebigen Einsatzes schulmedizinischer Hilfsmittel klang ihr Weinen wie „Kill ‘Em All“.

Die erste Oktoberwoche verlief auch noch recht ansehnlich. Ich tauschte mein Rad gegen Walkingstöcke ein, um am 2. Thüringer Krebslauf „Run & Walk“ teilzunehmen. Bei mir war es mehr walk als run, doch mir war die Teilnahme sehr wichtig. Das Thema Krebs spielte eine sehr große Rolle in meinem Leben. Immerhin erwalkte ich 24,5 km. Ein kleines Highlight war die Wanderung zu den Perückensträuchern Jenas. Zusammen mit drei weiteren Mamas – Rückbildungskurs light.

Krönender Abschluss bildete die Präsenzveranstaltung in Lobeda-West. Versehentlich entpuppte sich diese als mein erster Laufwettkampf nach Fünkchens (0) Geburt. Eigentlich hatte ich vor, die Nordic -Walking-Strecke mit Fünkchen zu walken. Doch es kam anders. Beflügelt von ihrem Erfolg beim Spendenlauf im September entschied sich Knopf (6) ebenfalls am Lauf teilzunehmen. Doch sie gab sich nicht mit Walking ab. Püh.

So kam es, dass ich ihr 5 km durch das Saaletal hinterherhechelte. Die Aktion kam passend. Nicht, weil ich endlich meine Brust auf Brustkrebs untersuchen ließ und ich selbst eine Spendenaktion vorbereitete, sondern weil unser Radanhänger bereits das zweite Sicherheitsseil einbüßte. So kam eine Trainingspause für‘s Rad genau richtig.

Danach begann das Elend. Zu den Orten, die ich im Oktober als geprügelter Hund verließ, gehörte die Couch, der Jenzig und die Börse. Kaum hatte ich mich sportlich etwas angestrengt, beschloss mein Körper eine Auszeit auf meinem Lieblingsmöbel. Ich wurde krank. Sterbenskrank. Zum Glück nur einen Tag. Meine Motivation nutzte jedoch den Moment und nahm eine Woche Auszeit. Ein Freudenfest für den inneren Schweinehund.

Sozial völlig isoliert bekam ich Allmachtsfantasien. Das erklärt vielleicht, dass ich nach dem Familienurlaub in der Sächsischen Schweiz den bereits vor zwei Monaten zugelegten Neobroker anschaltete und eine fünfstellige Summe in verschiedene Aktien investierte. Wie ich innerhalb weniger Tage meine Vermögenswerte vervierviertelte, lest ihr (bald) hier. Doch zuerst ein paar Worte zum Familienurlaub.

Seit September gehörten wir zu den Menschen Hanswürsten, deren Jahreseinteilung stärker denn je von graubehosten Männern und Quotenfrauen festgelegt wird. Spontan zu den Großeltern während der Woche? Urlaub in der Nebensaison? Passé. Von nun an bestimmte die Kultusministerkonferenz, wann die Honkfamilie in den Urlaub fuhr. Ich behielt meine optimistische Weltsicht und betrachtete Herrn Holter einfach als meinen persönlichen Assistenten, der netterweise meinen Terminkalender befüllte.

In dem für Urlaub vorgesehenen Zeitfenster buchten der Mann und ich uns eine Woche Bungalowferien in der Sächsischen Schweiz. Das war in doppelter Hinsicht erholsam. Einerseits schwelgten der Mann und ich gelegentlich in der Vergangenheit, da wir zu Zeiten unserer Fernbeziehung – das macht fast die Hälfte unseres Zusammenseins aus – regelmäßig alle zwei bis drei Wochen in der Sächsischen Schweiz weilten. Andererseits führten wir den Nachwuchs – der die andere Hälfte unseres Zusammenseins ausmacht – an unser Lieblingshobby heran.

Wir lagen jedoch falsch, als wir glaubten, dass unser Vorschlag, wandern zu gehen, ohrenbetäubenden Jubel bei unserm Knopf auslöste. Sie gab sich nicht mal die Mühe, Interesse zu heucheln. Vielmehr endeten unsere pro-nature-Diskussionen in einem Kampf auf Leben und Tod. Ausführlicher Bericht folgt, sobald Fünkchen nicht mehr zahnt und ich meine Augen wieder für eine Dauer schließen kann, die die Bezeichnung ‚Schlaf‘ rechtfertigt.

Kurz vor Monatsende versuchte ich schnell noch mein Hauptziel – den Jenzig dreimal nacheinander hochzufahren – zu erreichen. Es gelang mir. Allerdings geriet die Heimfahrt zu einem vollständigen Debakel. Denn die Bremsen an meinem Rad gaben merkwürdige Geräusche von sich.

Merkwürdige Geräusche an Rädern lösten bei mir mittelschwere Krisen aus. Wie wichtig Bremsen waren, wusste jede:r, die:der mal auf einen Berg mit einer Steigung von 16% radelte – und diesen Berg wieder hinunter musste.  Während der recht rasanten Abfahrt versuchte ich mein verschütt gegangenes Wissen über Ukemi-waza zu aktivieren.

Zu Schulzeiten besuchte ich einen Judokurs. Ein Semester lang trainierten wir ausschließlich Falltechniken. Das prägte. Bei einem Spontansturz im zarten Alter von 20 Jahren gelang es mir, mit Hilfe von Zempo-ukemi statt des Genicks einen Zacken aus der Krone zu brechen:

Bei der Rolle vorwärts und dem sicheren Landen auf zwei Beinen verrutschte mein Lauf-Shirt, sodass der rote Spitzen-BH die Truppe Halbstarker auf dem gegenüberliegenden Parkplatz anleuchtete. Nie wieder in meinem Leben sollte ich einen derart frenetischen Applaus erhalten. Vielleicht gelang mir bei dem heutigen spontanen Bremsversagen eine Wiederholung? Alte Rampensau!

Doch damals war ich mit 6 km/h und nicht mit 40 km/h unterwegs. Ich überlebte diesmal ohne Zempo-ukemi. In einer perfekten Welt führe ich nun erleichtert nach Hause, setzte mich auf die Couch und äße einen K-Riegel. Das wäre schön. War aber ausgeschlossen. Schließlich hatte ich Kinder.

Während sich die Freude ob des entronnenen Beinahetods entfaltete, erforderte das Radeln mit Radanhänger von mir Fertigkeiten und Geschick, über die ich offensichtlich nicht verfügte. Es gab einen Ruck. Da löste sich die die Deichsel aus der Deichselaufnahme. Die Sicherheitslücken an unserem Radanhänger waren Unkraut nicht unähnlich. Sie wuchsen nach. Auch das überlebten wir. Trotzdem forderte ich vom Hersteller einen neuen Wagen. Ich bin gespannt.

Das Feiertagswochenende verbrachten wir in Südthüringen bei meinem Vater. Das hätte auch ein Genussmoment werden können. Doch Fünkchen war der Ansicht, was zu Monatsbeginn funktionierte, kann auch am Monatsende nicht verkehrt sein. Statt Süßes oder Saures erhielt ich Halbverdautes und fuhr mit vollgereiertem Shirt durch Mittelthüringen. Ein Genussmoment für Mamas von zahnenden Babys.

Und im November? Da lecke ich Wunden.

Mama wandert mit Baby

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