Alle Jahre wieder, streckt’s Mamahonk darnieder

Kürzlich wurde ich gefragt, was Mutterschaft für mich bedeutete? Für eine Mikromoment überlegte ich, ob totale Erschöpfung sowie Sehnsucht nach Erwürgen angemessene Antworten seien. Ich verpackte meine Antwort, dann doch in gesellschaftsfähigere Argumente.

Doch Mutterschaft war, was sie nunmal war. Und besonders anstrengend war sie im Advent. Und ich redete nicht von Geschenken, Weihnachtsfeiern und unliebsamen Verwandten. Als Mamahonk erkannte ich unsere Adventszeit an einer gepflegten Krankheit. Ohne Mist! Seit Knopfs Geburt pflegten wir im Advent keine Traditionen, sondern unsere Kinder.

Read it, like it or leave it!

Anno Knopfini 1 landeten wir in der Kindernotaufnahme: Blut im Stuhl. Ursache bis heute ungeklärt.

Anno Knopfini 2 fegte die gesamte Familie inklusive Großeltern der Norovirus weg.

Anno Knopfini 3 brachten wir uns den Fluch des Pharaos aus Ägypten mit.

Anno Knopfini 4 streckte uns eine hundsmiserable Erkältung nieder.

Anno Knopfini 5-6 waren die Krankheiten im Lockdown.

Anno Knopfini 7 erwischte uns alle — wie 10 Millionen andere Deutsche — eine Atemwegsinfektion.

Papahonks ersten Urlaubstag verbrachten wir beim Kinderarzt. Es erwischte Knopf. Dann folgten wir Eltern und Fünkchen (0). Insgesamt 4 x Inhalieren, 4 x Brust einreiben, 4 x ausverkaufte Medikamente. Knopf gesundete allmählich. Wir nicht.

Kranke Eltern und halbgesunde Kinder fühlten sich ein bisschen wie David gegen Goliath an. Unsere Steinschleuder? Der Fernseher: Wir nutzen die Hypnosefähigkeiten unseres OLED-TVs, um den genesenen Knopf zumindest für 1,5 h das Bedürfnis nach elterlicher Aufmerksamkeit vergessen zu lassen.

Übrigens. Die Tatsache, dass es keinen Disney-Film mit Überlänge gibt, betrübte mich zutiefst. „Raya und der letzte Drache“ mit der Dauer von „Die Heilung der Schlaflosigkeit“ wäre doch angemessen, oder? Meine Schlaflosigkeit wäre zumindest geheilt.

Papahonk befürchtete jedoch, dass wir Knopf nie wieder in die Schule bekämen. Vorsichtig merkte er an, dass TV-Konsum, Süßigkeiten und elterliche Dauerbespaßung gegebenfalls nicht als Medizin für Bronchitissen galten. Könnte etwas dran sein.

Ich nahm mir vor, die These in den kommenden Tagen auf Belastbarkeit zu testen und versuchte, Knopf zu Gemüsekonsum zu animieren. Vielleicht gab ihr das einen Grund, in die Schule zu gehen? Einzige Reaktion: Maulen. Wahrscheinlich argwöhnte sie, nach der Infektion mit dem Erkältungsvirus, auch noch mit dem hochansteckenden Lauchvirus infiziert zu werden.

Doch zuvor sah ich mich gezwungen, Knopf – auf Wunsch der Lehrerin – von der Schule abzumelden. Grund: Das Lehrpersonal war krank. Erforschte wahrscheinlich ebenfalls die medizinische Wirkung von Naschereien und Langzeit-Filmen.

Mein Problem: Ich war ein Mamahonk. Mein Leben bestand aus festen Abläufen. Feste Abläufe machten das Leben mit Kindern lebenswert. Doch – vier Menschen auf derart knappen Raum waren nicht gut für feste Abläufe. Im Gegenteil. Sie führten zur Veränderung von Abläufen. Gar nicht gut!!! Mein Nervenkostüm bedurfte eines Schonwaschgangs.

Nach wenigen Tagen starteten Papahonk und ich in den Tag mit Wetten, wann es wohl die erste Eskalation gebe? Anfänglich hielten wir uns bis zum Mittagessen. Inzwischen waren wir froh, wenn wir es bis zum Frühstück schafften, ohne dass Knopf über eine Neuanschaffung von Eltern nachdachte.


Nachdem Knopf die Disney-Mediathek hoch und runter guckte, überlegte ich, dass nun der passende Zeitpunkt gekommen sei, unser Flötenoratorium für Weihnachten und die Honkverwandtschaft einzuüben. Knopfs Flöte rief meinen vorsorglich im Ohr positionierten Ohropax zu: „Zeigt mal, was ihr drauf habt.!“ Fünkchen hatte keine Ohropax.

Das mochte der Grund dafür sein, dass sie am kommenden Abend mit 39,5 Grad Fieber auf meiner Brust lag und quasi zu einem Teil von mir wurde. 48 Stunden lang.

Zwischendurch kam ich kurz zu mir und fand mich auf dem Klo wieder. Fasziniert davon, wie ich schon bei Knopf einen Grundsatz nicht lernte. Und nun bei Fünkchen auf’s Neue vergaß: Duschen, Zähneputzen und Kacken bitte immer erledigen, wenn Papahonk noch wach war! Zumindest, wenn das Baby kränkelte und die Wahrscheinlichkeit, dass es alle 20 Minuten weinte bei 100 Prozent lag.

Hatte ich nicht. War er nicht. Also saß ich mit heruntergelassener Hose und verrotztem Baby im Arm auf dem Klo und dachte fieberhaft nach. Ich fragte mich nicht etwa, wie ich mit Baby im Arm duschen oder Zähne putzen könnte? Nein. Mich interessierte ganz banal, wie ich mich nun abputzen sollte? Ein Dilemma, dass ich in fast 7 Jahren Mutterschaft nicht auflöste.

Außerdem sinnierte ich, wie ich dem Mann die Schuld geben konnte? Aufgepasst! Das ist ein wahrer Life-Hack: Sich gegenseitig für den eigenen Frust verantwortlich machen, ist die Grundlage für jede solide Beziehung! Hilft! Probiert es aus! Natürlich war der Mann Schuld an meiner Misere. Wer sonst?


Mein Bedürfnis, einfach nur Frau zu sein, steigerte sich innerhalb weniger Tage ins Unermessliche. Also guckte ich mir einen Move von Papahonk ab: Als er abends aus dem Fitnessstudio kam, verkündete ich ihm, dass ich walken geh. Normalerweise stellte ich stets einen Antrag bei ihm UND bei den Kindern. Einen Antrag auf Verlängerung des Aufenthalts außerhalb der Wohngemeinschaft. Erfolgsquote: Unterirdisch. Diesmal schuf ich Tatsachen und ging. Ohne Antrag. Mit 100% Erfolg.

Bei meiner Rückkehr hatten 75 % meiner Familie schon geabendbrotet. Ein Abendbrot, das ich zubereitet hatte. Aus schlechtem Gewissen wegen meines anstehenden Moves. Gebratene Nudeln. Gebratene Kartoffeln. Gebratener Weißkohl. Aufbereitete Reste vom Feinsten eben. Mehr war nicht drin in Mamahonks Lazarett.

Gönnerhafterweise kündigte Papahonk nun an: „Ich mache Fünkchen bettfertig.“ Das war meine nächste Chance. Glückstag. Dezent erinnerte ich Knopf daran, dass auch für sie Schlafenszeit sei, indem ich sagte: „Ab in die Dusche. Pardon. Schnapp den Waschlappen!“ Mein Bedürfnis nach Solodasein frohlockte.

Ich sah mich, wie ich in aller Ruhe mein Abendessen einnahm, ohne parallel ein Baby mit Brei zu füttern, mit dem Schulkind die Zahlen 1 – 100 durchzuzählen (nur um nach der 59 stets bei der 30 zu landen) und gleichzeitig mit Papahonk die Geschehnisse an der Börse zu interpretieren. Nur ich und meine verbrannten Zwiebeln. Keine Unterbrechungen. Keine zusätzlichen durchgekauten Lebensmittel auf meinem Teller. Keine Diskussionen. Hach. Das war Wellness.

2 Minuten später blickte mein Bedürfnis nach Solodasein in die dunklen Kulleraugen von Knopf.

Ich: „Was machst du noch hier?“

Knopf: „Ich bleib bei Dir.“

Ich: „Warum?“ Mir fehlte jegliches Verständnis.

Knopf: „Damit du nicht so allein bist.“

Ich: „Aha?“ (Oooorrr!)

Knopf: „Das ist ungerecht. Da wären drei im Bad und du alleine. Jetzt ist es zwei zu zwei. Das ist gerecht.“ Sagten die zwei Kulleraugen.

Mein Bedürfnis nach Solodasein gab meinem Bedürfnis, meinen Kindern Werte wie z. B. Gerechtigkeit zu vermitteln, einen auf den Dez. Ich hörte es schreien: „Gerechtigkeit? Was hat das denn mit Gerechtigkeit zu tun? Hol die Kleine auf den Boden der Tatsachen.“

„Es ist doch aber noch ein Kind.“

„Gerechtigkeit ist tot!“

„Ihre Argumentation ist soooo niedlich!“

„Du willst allein sein!“

„Niedlich“

„A-L-L-E-I-N“

So aß ich also meine 11 Kartoffeln mit 0,2 verbrannten Zwiebeln. Parallel zählte ich unsere Streichhölzer 3 mal bis 59 und 6 mal bis 30. Zusammen mit Knopf. Und meinem beleidigtem Bedürfnissen.


Einen Tag später versuchte ich erneut, etwas Solozeit zu ergattern. Ich meldete mich freiwillig zum Wocheneinkauf. Zum Wocheneinkauf vor Heiligabend. Nur Kamikaze ist schöner.

Knopf (aus dem Kinderzimmer): „Mir ist langweilig!“

Ja. Leergekaufte Regale, gestresste Mitbürger:innen und lange Warteschlangen klangen für mich nach Wellness-Oase. Wahrscheinlich hatten die Erkältungsviren meinen Selbstschutz völlig zertrümmert.

Knopf: „Laaaahangweilig!“

Na gut. Wir wollten nicht übertreiben. Es klang zumindest nach ausreichend Zeit, um heimlich meine Nase vor das Smartphone zu halten, so zu tun, als studierte ich eine Einkaufsliste und in Wirklichkeit ein paar Reels auf Instagram reinzuziehen.

Knopf: „LANGWEILIG!!!“

Ein Luxus, den ich mir vor den Kindern nicht gönnte. Nur auf dem Klo (wenn ich kein Baby im Arm hatte), heimlich beim Kochen (Verbrannte Zwiebeln ließen grüßen) oder eben beim Einkaufen. Dafür ließ ich mir gerne den Parkplatz wegschnappen, mich zur Seite schieben oder nach hinten drängeln.

Knopf: „Langweilig!Langweilig!Langweilig!Langweilig!Langweilig!Langweilig!Langweilig!“

Innerlich erfasste mich bei dem Gedanken an den überfüllten Supermarkt eine wahre Zen-Stimmung. Ich spürte regelrecht, wie sich mein Rücken und mein Trommelfell samt Paukenhöhle und Gehörknöchelchen entspannten. Es versprach ein guter Tag zu werden. Vielleicht würde ich heute sogar meiner Waage etwas Gutes tun? Und auf Süßigkeiten verzichten?

Mein Kind zog lautstark den Rotz hoch.

Fröhlich rief ich dem Mann und den Kindern zu: „Ich mach jetzt lohos! Soll ich euch noch etwas Schönes mitbringen?“

Papahonk: „Nein, danke! Möchtest du aber Knopf mitnehmen?“

Knopf: „Au jahaaaa!!!“

Ich: „WTF?“

Tja, so hustete, schnupfte und bauchschmerzte sich die Honkfamilie durch den Advent und die Weihnachtsfeiertage. Inzwischen reduzierten sich meine Ziele für 2023 auf den Wunsch, wenigstens eine Woche völlig gesunde und schmerzfreie Kinder zu haben. Die durchschliefen!

Euch Mamas & Papas (Onkels, Tanten, Großeltern, Geschwistern, Freund:innen, Nachbar:innen und Mensch:innen) wünsche ich aus tiefstem Herzen, dass Ihr Euch Weihnachten genauso glücklich fühltet wie Ihr auf den bei Instagram, Facebook und WhatsApp geposteten Fotos strahltet! Bis zum nächsten Jahr🥰

Eure Mamahonk!

Mama wandert mit Baby

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