#ReWrite: Beruflicher Wiedereinstieg 1.0 – Teil 1

Hier kommt wieder ein Artikel aus der Reihe #ReWrite. Er verharrte nahezu 6 Jahre im Entwürfeordner. Schien gemütlich da. Wie immer hatte ich den richtigen Zeitpunkt verpasst, ihn zu veröffentlichen.

Er ist kurz nach meinem ersten beruflichen Wiedereinstieg 2017 entstanden. Eigentlich hatte ich 15 Monate Elternzeit geplant. Doch mit der Geburt von Knopf (inzwischen 6) zog ich von Dresden nach Jena. 10 Monate nach ihrer Geburt erhielt ich ein Jobangebot, das ich nicht ablehnen wollte. Die verbliebene Elternzeit bis zur Eingewöhnung in die Kita übernahm der Mann.

Der Artikel entstand ungefähr zwei Monate nachdem der Mann und ich den Rollentausch vollzogen. In wenigen Wochen endet nun meine Elternzeit 2.0. Da scheint es mir gar nicht so verkehrt, sich an diese emotionale Zeit zu erinnern. Erinnert euch gerne mit.

Read it, like it or leave it.

Puh, seitdem ich wieder arbeite, stehe ich ständig im Widerstreit mit mir selbst. Das ist nicht so, weil Kind, Mann oder Haushalt ständig an mir zögen und ich ihnen nicht gerecht werden könnte. Was das betrifft, befinde ich mich aktuell in einer Luxussituation.

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, ist der Haushalt erledigt, Essen gekocht und ich bekomme ein meist ausgeschlafenes, sattes und trockenes Baby in die Arme gedrückt. Der Mann ist dann erstmal völlig zufrieden, wenn er in seinen Garten kann und lässt mich mit unserm Knöpfchen die gemeinsame Zeit auskosten.

Die tatsächliche innere Zerrissenheit kommt wahrscheinlich erst wenn unsere kleine Wanze in den Kindergarten geht. Da werden die hauswirtschaftlichen Karten neu gemischt.

Nein, mein innerer Konflikt rührt von ganz anderer Stelle her: Ist das Kind abends endlich eingeschlafen, habe ich endlich Zeit zu stricken, zu bloggen, Einrad fahren zu lernen, unsere nächste Reise zu planen, eifrig das nächste Handbuch für die Arbeit zu lesen, unseren Kräutergarten anzulegen, ein Workout zu absolvieren…ja, ich habe einen ganzen Rucksack voll zu tun.

Energiegeladen wie ich bin, krempel ich dann die Ärmel hoch, trinke noch schnell ein Glas Wasser und stürze mich voller Elan…

….auf die Couch und vergrabe meine Nase wahlweise in einen Roman oder drücke sie gegen das Tablet , um GNTM zu gucken (Natürlich nur zu sozialwissenschaftlichen Studienzwecken. *Hust*). Meinetwegen. Wenn es wenigstens eine Biographie von Che Guevara oder Mutter Teresa wäre. Oder eine Talkrunde wie ‚Hart aber Fair‘!

Doch nein, voller Inbrunst gebe ich mich der Trivialität hin. Ohne Scham und mit Kinderriegel.

Das schlechte Gewissen kommt kaum, dass ich andere berufstätige Mütter treffe, denen es allein erziehend gelingt zu Imkern, sodass sie mit samtweicher gepflegter Hand mir ein Glas selbst erzeugten Honigs in die Hand drücken können. What the f**k!

Doch ganz ehrlich, ich möchte und kann gerade nicht anders. Tatsächlich fange ich nämlich an zu verstehen, warum so viele Beziehungen auf der Strecke des Elternwerdens bleiben. Zumindest, bei gleichzeitigem Anspruch auf Selbstverwirklichung.

Ich habe einen echten Superpapa an meiner Seite. Dank ihm erlebt Knöpfchen gerade eine Mobilitätsrevolution. Er geht unglaublich viel mit ihr laufen, schenkt ihr Schuhe, organisiert einen Lauflernwagen. Und sie genießt die Entdeckung der Vertikalen unendlich.

Sie dankt es ihm, indem sie ‚Papa‘ zu ihm sagt. Selbstverständlich ihre Version von dem Wort. Und diese lautet ‚Ei‘. (Vielleicht, aber nur ganz vielleicht diente Papa zu häufig als Anschauungsmaterial für ‚Mach mal Ei‘.)

Wahrscheinlich nölt mein Mann enttäuscht von der Sprachverwirrung unserer Tochter deshalb in den letzten zwei Wochen ziemlich häufig darüber, dass die Rolle des modernen Mannes ganz schön anspruchsvoll sei und vermeintlich alles am Mann kleben bleibe.

Abgesehen davon macht er seine Aufgabe echt gut, was wiederum mir den beruflichen Einstieg erleichtert. Dennoch sind wir zwei ständig damit beschäftigt, uns aufzuteilen, sodass wir de facto nur noch einmal pro Woche etwas gemeinsam machen. Mit etwas ‚gemeinsam machen‘ meine ich: Auf der Couch sitzen.

Woran das liegt? Wir haben doch nur ein Kind? Und ein Kind ist schließlich kein Kind. Oder etwa nicht? Mag sein. Unser KeinKind ist jedenfalls seit kurzem schlafverwirrt. Beschloss wahrscheinlich, die fehlende Zeit mit Mama nachts nachzuholen.

Mühevoll gewöhnte ich ihr wochenlang das Schlafen im Familienbett ab, weil mein Bedürfnis auf mehr als einen 30 cm Streifen zu schlafen riesig wurde. Innerhalb einer Nacht war das alles passé.

Lautstark fordert sie ihre Rückkehr ins Familienbett ein. Dort gibt sie zwar Ruhe, tollt, jedoch wie ein Löwenjunges auf mir rum. Resultat: Ich gehe 20 Uhr mit ihr ins Bett. Wenn ich 6 Uhr aufstehe, habe ich maximal 6 Stunden Schlaf. Nicht am Stück, versteht sich.

Am Ende des Tages fehlt die Energie, um den Selbstdisziplinmotor anzuwerfen und entweder produktiv-kreativ zu sein oder den von der Emanzipation überforderten Mann zu verwöhnen.

Da gewinnen halt doch Heidis Hühner. Und die Kinderriegel.

Wisst ihr was? Das ist auch gut so!

Mama wandert mit Baby

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