Mamahonks kleine Monatsrückschau Mai 2025 – Monat mit Ladehemmung

Grippe. Mittelohrentzündung. Magen-Darm-Virus. Das ist nur eine kleine Auswahl der schlimmsten Prüfungen einer Elternschaft. Familie Mamahonk kann nach diesem Mai mit stark lädierter Brust behaupten: Wir hatten sie alle.  

Eigentlich wollte ich im Wonnemonat Mai wie im vergangenen Jahr so richtig durchstarten und meine gesunden Routinen reaktivieren. Doch es kam anders. Denn mein Immunsystem schummelt sich durch dieses Jahr. Arbeitsunfall im Februar. Grippe im März und April. Weshalb nach dem Mai die gesamte Hoffnung auf den zarten Schultern des Monats Juni ruht, kann ich gerne am Magen-Darm-Debakel der vergangenen Wochen darlegen. Read it, like it or leave it. 

Familie und Freunde: Wenn der Mai ins Klo fällt – zwischen Putzeimer und Polizei

Der Mai – der Monat, in dem alles besser werden sollte. Endlich Frühling, endlich Sonne, endlich wieder raus! Ich hatte große Pläne: Zum 1. Maifeiertag sollte meine Freundin zu Besuch kommen, als Highlight war ein Konzert eines Kollegen fest eingeplant, das Damenviertelfest stand an und der Spendenlauf auf dem Sommerfest der Grundschule meiner Tochter war natürlich auch ein Muss. Kurz: Der Mai sollte unser persönlicher Familien-Event-Marathon werden. 

Spoiler: Alles kam anders. 

Wir waren weder auf dem Konzert noch beim Damenviertelfest noch beim Sommerfest. Stattdessen starteten wir in den Mai mit eine Special-Edition Wäsche waschen, literweise Anis-Fenchel-Kümmel-Tee an Zwieback und der spannenden Frage: Wie herum führt man eigentlich Vomex-Zäpfchen richtig ein? Die Magen-Darm-Infektion, die wir uns einfingen, war ein klarer Fall für das Robert-Koch-Institut.

Den Anfang machte – Überraschung – unser Fünkchen (3). Kurz darauf klagten auch der Mann und Knopf (8) über Übelkeit. Und als ich dachte, ich sei davongekommen, trafen wir uns alle gleichzeitig am Klo, um dessen Belastbarkeit zu testen. Später kamen Eimer und Schüssel zum Einsatz – anfangs leerte ich sie noch gewissenhaft nach jedem Erbrechen. Knopf übergab sich jedoch so häufig, dass ich dachte, ihr Magen macht einen Salto. Am Ende der Nacht prüfte ich nur noch mit einem halben Auge, ob alle noch lebten, wenn es wieder „so weit“ war. Familienidylle können wir!

Nach diesem beschwerlichen Start freute ich mich umso mehr, meine Mutter gleich mehrfach live und in Farbe zu sehen. Im Mai stand ein wichtiger Termin ins Haus – im wahrsten Sinne des Wortes: Das Verkehrswertgutachten für das Elternhaus. Ein Termin, der alte Erinnerungen wachrüttelte.  

Seit dem Tod meines Vaters war ich vielleicht siebenmal in diesem Haus. Ein Teil meines Lebens, den ich oft ausblende – vermutlich, um nicht zu sehr zu spüren, dass mein Vater wirklich nicht mehr da ist. Trotzdem genoss ich die Zeit mit meinem Bruder, meinem Schwager und meiner Mutter.  

Ein weiteres Highlight im Mai: Der „Tag im Paradies“ – reserviert für Knopfs großen Tanzauftritt. Meine Mutter war ebenfalls für ein paar Tage in Jena und ich bekam einen Vorgeschmack darauf, wie es wäre, wenn sie Teil unseres Alltags wäre. Es schmeckte nach Mauselochkuchen. Geborgenheit eben. 

Zuhause ist, wo Mama ist Quelle: M. Ellrich

Eine Begebenheit auf dem Heimweg nach dem Fest offenbarte nicht nur die unterschiedlichen Wahrnehmungswelten zwischen Mann und Frau, sondern brachte mir auch eine überraschende Erkenntnis über die Thüringer Polizei. 

Auf dem Heimweg radelten der Mann und ich mit unseren beiden Töchtern nach Hause, als plötzlich eine Gruppe von 30–40 Jugendlichen den Weg blockierte. Sie standen halb auf den Straßenbahngleisen, halb auf dem Fuß- und Radweg, grölten, unterhielten sich und schauten an einer Hauswand nach oben, wo in regelmäßigen Abständen eine nicht zu erkennende Person Wasser auf sie kippte. 

Für den Mann waren es feiernde Jugendliche, für mich sah es nach einer Belagerung aus. 

Meine Interpretation ließ mich bremsen. Ich überlegte, ob Hilfe notwendig sei? Meine Zivilcourage sinkt leider proportional zur Anwesenheit meiner Kinder. Ich möchte sie nicht in Gefahr bringen. Also die Kinder. Statt mich amazonengleich vor die Jugendlichen zu werfen und sie zu vertreiben, rief ich erst die 112 und schließlich auf, deren Empfehlung, die 110 an.  

Niemand nahm ab. Ich war irritiert – was, wenn ich gerade überfallen worden wäre? Zuhause entdeckte ich einen verpassten Anruf mit Erfurter Vorwahl. Da ich Nummern stets google, bevor ich zurückrufe, erfuhr ich: Es war Landesdirektion der Polizei. Die ruft nämlich zurück, um die Identität der Anrufer:innen zu verifizieren.

Wieder was gelernt – vielleicht sollte das mal ins Schulcurriculum aufgenommen werden. Mir war das jedenfalls neu. 

Außerdem hoffe ich, dass das Berücksichtigung in der Einarbeitung aller potenzielle Mörder:innen und Dieb:innen findet: Wenn ihr Opfer die 110 wählt, nehmen Sie bitte eine Kaffeepause, damit der Polizei ausreichend Zeit zür Verfügung steht, die Identität der Anruferin zu bestätigen. Anschließend schreiten Sie zügig zur Tat.

Ich beschloss, der Interpretation des Mannes Vorrang zu geben, verifizierte meine Identität nicht und ging nachdenklich schlafen.

Beruf und Finanzen: TRADEWIFE incoming: Wie ich fast zur Finanz-Influencerin wurde 

Allmählich dämmert es mir: Ich habe tatsächlich einen neuen Job! Nicht nur, weil ich immer öfter neue Aufgaben bekomme. Nein, mein Outlook-Kalender sieht inzwischen aus wie ein Tetris-Spiel auf Speed.

Natürlich hatte die Gemütlichkeit meines alten Amtes auch ihre Vorzüge – Kaffeepausen ohne schlechtes Gewissen und ein Arbeitstempo, das selbst Schnecken vor Neid erblassen lässt. Aber der Stillstand im alten Amt, weil es gegenwärtig keine Vertretung gibt, schmerzt ein wenig. Trotzdem: Der „Wind of Change“ tut mir gerade richtig gut. 

Kürzlich durfte ich beim Forschungsprojekt einem besonders erkenntnisreichen Treffen mit dem Ministerium beiwohnen. Eine Leiterin berichtete über den Umgang ihrer pädagogischen Mitarbeitenden mit rassistischen Bemerkungen von Lehrkräften. Deren Strategie: Nicht immer sofort und mit voller Härte dagegenhalten – schließlich müssten sie mit diesen Kolleg:innen noch zusammenarbeiten. In der Runde diskutierten wir, ob ein Schulungsangebot für Lehrkräfte sinnvoll sei. 

Und während die anderen diskutierten, machte mein Kopf einen kleinen Ausflug. 

Was, wenn plötzlich die AFD an die Macht käme und alle, die sich für queere, non-binäre oder feministische Themen offen einsetzten, eine Schulung in rechter Logik verpasst bekämen? Wie groß wäre wohl die Chance, dass die linksorientierten Kolleg:innen danach korrektes rechtes Vokabular benutzten? 

Seien wir ehrlich: All die Mini-Bernds und Mini-Alices werden erst Ruhe geben – denn aus meiner Sicht ist die gesellschaftliche Entwicklung namens “Rechtsruck” ein zutiefst menschlicher Prozess, der sich vermutlich psychologisch recht schnell nachvollziehen lässt – wenn sie den Eindruck haben, ihre Bedürfnisse seien in gerechter Weise erfüllt. Doch bei der aktuellen Rhetorik in Politik, (sozialen) Medien und angesichts globaler, multipler Krisen hilft das beste Schulungsangebot vermutlich so viel wie ein Regenschirm im Orkan. Null.  

Apropos Orkan: Der „Wind of Change“ weht auch durch mein Depot. Am Liberation Day im April hat Trump mal eben die Börsenkurse auf Talfahrt geschickt. Ich sah darin eine Einsiegsgelegenheit. Weil ich jedoch Zahlungsverpflichtungen aus einem Nachlass habe, blieb mein Investment zurückhaltend. Eine kleine Position in Altcoins. Mehr war nicht drin.  

Bitcoinkurs steigt
Tradewife auf Abwegen Quelle: M. Ellrich

Was soll ich sagen? Das war eine sehr positive Erfahrung als ich wenige Wochen später in mein Depot blickte. Da der Kryptomarkt sehr für seine Volatilität bekannt ist, schloss ich die Position sehr schnell wieder. Und bekam das erste Mal ein Verständnis dafür, dass Gebühren von 1% gar nicht so wenig sind.

Getrieben von meinem Handelserfolg, bin ich nun kurz davor, einen eigenen Finanzpodcast für Traderinnen zu starten. Mein Arbeitstitel: TRADEWIFE – Frauen, Finanzen, Freiheit. Und ja, ich spiele ganz bewusst mit dem aktuellen Trend der „Trad(itional)wifes“. Windelwechsel und Wertpapierhandel müssen kein Widerspruch sein. 

Sport und Gesundheit: Mit Fuß und Finesse 

Im Mai war es endlich so weit: Meine Physiotherapie ist offiziell beendet! Nach Wochen des Dehnens, Kräftigens und „Huch, was ist das denn da an Ihren Beinen“ durfte ich wieder ins Training einsteigen. Die Praxis war sehr modern – ich glaube, mein Fuß hat mehr Technik gesehen als mein Smartphone. Und ja, er ist wieder belastbar. Theoretisch. Praktisch fühlt es sich manchmal so an, als wäre mein Sprunggelenk aus Gummi. Instabilität deluxe! 

Firmenlauf Jena Mai 2025
Firmenlauf Jena Mai 2025 Quelle: M. Ellrich

Ein echtes Highlight im Mai war meine Teilnahme am Firmenlauf. Zugegeben, mit meinem Fuß war ich weniger auf Bestzeiten als auf Networking aus. Aber das Stop-and-Go, verursacht durch die Menschenmassen, passte perfekt zu meinem aktuellen Laufstil. Und dann die Überraschung: Ich war fünf Minuten schneller als im letzten Jahr – und das ganz ohne Training! Welche Trainingsempfehlung ich daraus ableiten soll? Keine Ahnung. Vielleicht: „Einfach mal machen, könnte ja gut werden!“ 

Der Firmenlauf hat mich so motiviert, dass ich mich direkt am nächsten Tag für den Frauenlauf angemeldet habe. Den Rennsteiglauf, für den ich eigentlich auch gemeldet war, habe ich wegen meines Fußes großzügig ignoriert. (Ignorieren ist übrigens auch etwas, in dem ich langsam richtig gut werde.) 

Asiatisch Essen
Gegessen wird, was schmeckt Quelle: M. Ellrich

Das Ignorieren des Rennsteiglaufs gelang mir vor allem durch die Unterstützung von Schokolade im Gegenwert einer Channel-Handtasche. Meine Ernährung ist – wie gehabt – auf dem Level „Ich esse, was schmeckt“. Die Waage versucht verzweifelt, mich an meine über 40 Jahre zu erinnern und ruft: „Du brauchst jetzt nicht mehr drei Tage, sondern drei Jahre, um ein Kilo zu verlieren!“ Aber auch das ignoriere ich. Schließlich ist das Leben zu kurz für Kalorienzählen. 

Feminismus:Von der Online-Bande in die Offline-Realität 

Während mein Körper langsam wieder in Schwung kommt, gerät mein weltanschauliches Gleichgewicht ein wenig ins Wanken. Keine Sorge – ich bleibe meinen feministischen Werten treu! Aber die Wege zu einer wirklich gleichberechtigten Gesellschaft hinterfrage ich gerade mehr denn je. 

Aktuell befinde ich mich im Modus: Wissen und Informationen ansammeln. (Nächster Schritt: Informationen weitergeben. Übernächster Schritt: sich engagieren. Letzter Schritt: Weltmacht an mich reißen.) Mein einziger aktiver Austausch mit anderen Feministinnen findet in einer Online-Bande statt. Unser Monatsthema: „Jetzt erst recht! Wie können wir uns einbringen?“   

Wir wurden dazu aufgefordert, völlig frei von finanziellen, zeitlichen Grenzen zu brainstormen, welchen Beitrag wir leisten können? Es kamen zahlreiche mikrofeministische Ideen. Die Gruppe war begeistert von Sticker- und Flyeraktionen. Ich hingegen fühlte mich so inspiriert wie ein leerer Kaffeebecher nach der Nachtschicht.

Was war los mit mir? Dem Patriarchat in den Hintern treten? Hätte ich früher nie abgelehnt – egal, ob es danach noch steht oder nicht. Es fühlt sich jedoch wie blinder Aktionismus an. Hauptsache feministisch, die Wirkung ist egal. Ich will aber etwas, dass über Hashtagniedermitdempatriarchat hinaus geht. 

Vermutlich sind das die Nachwehen eines YouTube-Videos, das mein Algorithmus mir gnadenlos in den Feed gespült hat: „Warum Gutmenschen immer (öfter) verlieren. Drei harte Lehren aus sieben Jahren Engagement für eine bessere Welt.“ Nach zwei Jahren Feminismus fühlt sich mein Aktivismus manchmal an wie ein Marathon im Hamsterrad. 

Frau Läuft im Hamsterrad
It feels like Don Quijote Quelle: M. Ellrich

Ich habe mir fest vorgenommen, meine Monatsrückschau diesmal halbwegs pünktlich zu veröffentlichen. Deshalb lasse ich es für heute einfach mal so stehen. Mein Ziel für die nächsten Wochen: einen selbstbestimmten Umgang mit meinen Ressourcen – Energie, Zeit, Geld. Und vielleicht, ganz vielleicht, auch mit meinen feministischen Erwartungen an mich selbst. 

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