Mamahonks kleine Monatsrückschau April 2025 – Scham ist überbewertet
Manchmal frage ich mich, wie ich so jung an diesen Punkt gelangen konnte: Zwischen Investmententscheidungen, Selbstzweifeln und feministischen Grundsatzfragen. Während ich einerseits versuche, mit riskanten Börsengeschäften einen Nachlass zu sichern – getreu dem Motto No risk, no fun – stolpere ich andererseits durch einen Alltag, der zwischen Urlaub, Krankheit und beruflicher Sinnsuche pendelt.
Meine Versuche, gesellschaftliche Schönheitsideale zu unterlaufen, enden regelmäßig im Zwiegespräch mit mir selbst – und in den Qualen meines Physiotherapeuten, der vermutlich noch nie so behaarte Beine gesehen hat. Doch auch hier gilt: Scham ist überbewertet.
Und dann ist da noch der Feminismus. Ein Thema, das mich nicht loslässt, aber in den Führungsetagen der Wirtschaft kaum mehr als ein müdes Lächeln auslöst. Während meine Mitstreiter*innen jede kleine Aktion feiern, frage ich mich zunehmend, ob all die Initiativen irgendjemanden erreichen – oder ob wir gegen eine Wand aus wirtschaftlichem Kalkül und männlich geprägten Machtstrukturen laufen.
Dieser Monatsrückblick ist daher mehr als eine persönliche Bestandsaufnahme. Er ist auch eine Einladung, gemeinsam zu reflektieren: Wo stehen wir eigentlich – und wie viel Einfluss haben wir wirklich?
Familie und Freunde: Vom Hort zum Schokoladenmassaker
Eigentlich startete ich sehr optimistisch in den April. Schließlich verordnete Thüringens Bildungsminister Knopf qua Osterferien zwei Wochen Urlaub. Damit mir auch. Zumindest die erste Ferienwoche nahm ich Urlaub. Die zweite Ferienwoche gab es Hort für Knopf. Was sich als passable Alternative erweisen sollte.
In den vergangenen Wochen bestand die Quality Time mit meinen Töchtern aus Naseputzen, Fiebermessen und Hustensaft verabreichen. Das sollte sich jetzt ENDLICH ändern. Gemeinsame Ausflüge, lange Gespräche und gemeinsames Kochen waren für die erste Ferienwoche geplant.
Ein bisschen neidisch war ich schon auf den WhatsApp Status sämtlicher Eltern befreundeter Schulkameradinnen, die Zeugnis von Trips nach Teneriffa, Istanbul oder Mallorca ablegten. Seit das finanzielle Damoklesschwert „Nachlass“ über mir schwebte, war ich jedoch recht zurückhaltend mit größeren Ausgaben.
Unser Vater hatte uns mit seinem Tod zwar seinen Anteil des Hauses vererbt, doch dieses Erbe gleichzeitig mit einem Nachlass beschwert, das uns dazu verpflichtete, seine ehemalige Partnerin mit einem prozentualen Anteil seines Vermögens auszuzahlen. Woher wir dieses Geld nehmen sollten, ohne das Haus zu verkaufen, hatte leider niemand geklärt. Am liebsten hätte ich eine Bank überfallen, wäre da nicht die Sache mit dem Gefängnis.
Ein Besuch in der Imaginata in Jena konnte mein Budget verkraften. Die Imaginata war jeher Garant für abenteuerliche Erlebnisse. So fuhr ich in 3 Meter Höhe Rad, Knopf lernte Grundprinzipien der Elektrizität und wir krabbelten gemeinsam in völliger Dunkelheit durch ein Labyrinth.

Am kommenden Tag schafften wir es noch bei schönstem Wetter zusammen mit den Großeltern in den Erfurter Zoo, um schließlich pünktlich am 3. Tag ein erkranktes Kleinkind zu Hause zu versorgen. Knopf war maximal frustriert. Ich ebenfalls. Immer häufiger ertappte ich mich beim Griff nach dem Plüschhasen meiner Tochter, um mir unauffällig das Leben zu nehmen. Ging aber nicht. War ja ein Plüschtier.
Für so wenig Gesundheit war mein Körper nicht ausgelegt. Ich verlor meine Selbstkontrolle. Das führte dazu, dass Ostern in einem wahren Diät-Alptraum mündete. Was mit einer harmlosen Ostereiersuche im Botanischen Garten zusammen mit meinen Bruder begann – jedes Jahr werden dort ca. 4.000 Eier versteckt, was mir immer eine Menge Respekt der logistischen Herausforderung, diese Anzahl an Eiern zu kochen, abringt – endete in einem wahren Schokoladen- und Kuchenmassaker.

Die Bonusoma bäckt nämlich jedes Jahr einen hervorragenden Rüblikuchen. Da dieser die Geschmacksknospen meiner Töchter nicht überzeugte, gab es diesjährig noch einen Schokokuchen obendrauf. Verdaut hat die Kuchen vorwiegend mein Magen. Was meiner Waage wiederum richtig Arbeit verschaffte. Ich kann das Prinzip ‚Schwerkraft‘ inzwischen hervorragend anhand meines Bauchs erklären. Interesse?
Beruf und Finanzen: Krank, Krypto, Kapitalverlust – Mein chaotischer Alltag zwischen Kindkrank und Börsencrash
Trotz omnipräsenter Krankheit drückte ich mich vor dem Besuch beim Kinderarzt (der empfahl in der Regel nur das, was wir sowieso schon taten: Inhalieren, Zwiebelsäckchen, Kümmelsud). Stattdessen verbrauchte ich meinen Urlaub, schrieb Entschuldigungen für meine Kinder und sah meinem Depot beim bodenlosen Absturz ins Ungewisse infolge von Trumps „Liberation Day“s zu. Das Einzige, das dieser Tag befreite, war mich von meinem Vermögen. Meine Resilienz wich verzweifelter Wut.
Doch Emotionen konnte ich mir als Investorin nicht leisten. Stattdessen versuchte ich den Draw Down an den Börsen umzudeuten und darin eine excellente Kaufgelegenheit zu erkennen. Da ich durchaus eine gewisse Risikoaffinität besitze, befasste ich mich stärker mit dem Thema Krypto.
Das brachte mich an meine kognitiven Grenzen. Als Jugendliche schwor ich mir beim Gespräch mit meinen Großeltern, in welchem mein Bruder und ich ihnen das Konzept ‚Internet‘ erklärten, immer ein Early Adopter zu bleiben. Nie wollte ich an den Punkt kommen, aktuelle Entwicklungen nicht mehr nachvollziehen zu können.
Doch die Blockchaintechnologie war für mich dieser Punkt. Hätte nicht gedacht, dass ich so jung dahin gelangte. Doch ich ignorierte mein Unwissen und investierte fleißig. Es gilt schließlich einen Nachlass auszuzahlen. Außerdem: No risk, no fun.
Beruflich kann ich wenig Spannendes berichten: Ich war ja entweder im Urlaub, arbeitsunfähig oder am Verzweifeln. Doch da ich nur aus Versehen Verwaltungsmitarbeiterin geworden war, verschmerzte das mein Selbstwertgefühl recht gut. Ich sage nur: Neuer Monat, neues Glück. Irgendwann muss es ja mal wieder aufwärts gehen.
Sport und Gesundheit: Mehr Haare, weniger Scham
Es überrascht nicht, dass infolge der wochenlangen Grippewellen und meines Arbeitsunfalls im Februar 2025 mein Immunsystem etliche Dellen erlitt. Statt wie ursprünglich geplant, Finanzpodcasts während stundenlanger Trainings zu hören, konsultierte ich regelmäßig meinen Physiotherapeuten.
Der sah übrigens aus, als kenne er Beinbehaarung nur vom Hörensagen. Das brachte mich an meine feministische Grenzen. Seit der Geburt von Fünkchen weigerte ich mich Zeit, Energie und Geld in das extern aufgezwungene Schönheitsideal für Frauen – haarbefreite Beine – zu stecken und ließ wuchern.
Das Problem: Meinem inneren Ich war es unmöglich, jahrelange Sozialisation zu ignorieren, sodass ich regelmäßig selbst beim Anblick meiner nackten, stark behaarten Schienbeine erschrak. Zu Beginn der Physiotherapie fragte ich mich daher, ob ich meine Beine dem jungen Mann wirklich zumuten konnte.

Doch ich verdrängte jegliche Scham mithilfe meines Stolzes auf mein feministisches Engagement. Ein bisschen hoffte ich auch auf ältere Patient:innen, deren Beine vermutlich durchaus mit meinen konkurrieren konnten. Im negativen Sinne. Irgendjemandes Füße stinken doch immer mehr. Entsprechend dürften auch die Beine anderer stärker behaart sein. Ich redete mir also fleißig ein: Schlimmer geht immer! Und ignorierte die Bedürfnisse der physiotherapeutischen Fachkraft. Er überlebte es. Mein ästhetisches Empfinden auch.
Feminismus: Christian und der Fliegenschiss-Feminismus
Es gibt einen Grund, warum ich die Monatsrückschau für April erst jetzt, mit einem Monat Verspätung, veröffentliche. Der Grund ist simpel und doch komplex: FEMINISMUS. Wer sich das einfängt, laboriert jahrelang daran. Feminismus ist kein Sprint, sondern ein Marathon – mit immer wieder neuen Herausforderungen und Selbstzweifeln.
In letzter Zeit beschleicht mich jedoch zunehmend das Gefühl, dass all die feministischen Aktivitäten – so engagiert und kreativ sie auch sein mögen – nur ein Fliegenschiss in Christians Führungsetagen sind. All die Debatten, Aktionen und Forderungen scheinen dort keinerlei Wirkung zu entfalten, geschweige denn, dass sie ernsthaft diskutiert würden.
Ich merke, dass ich immer stärker um eine eigene, glaubwürdige feministische Position ringe. Viele meiner Mitstreiter*innen feiern jede noch so kleine Aktion als großen Erfolg – sei es, wenn sie Friedrich Merz ironisch bedruckte Tassen schicken, feministische Lesungen in öffentlichen Parks veranstalten, Stickeraktionen gegen Sexismus an Universitäten durchführen, Social-Media-Kampagnen wie #FrauenStärken oder #EqualPayDay starten, oder symbolische Proteste wie das Anbringen von Plakaten an Firmenzentralen organisieren. Jede dieser Aktionen wird in den sozialen Medien bejubelt, als wäre damit ein echter Systemwandel eingeläutet. Doch ich kann das momentan genauso wenig ernst nehmen wie ein Christian aus dem Vorstandszimmer.
Durch meine Aktivitäten an der Börse, durch die direkte Beobachtung der Finanzmärkte und der dort agierenden Akteure, ist mir schmerzhaft bewusst geworden, wie gering der Einfluss feministischer Gruppierungen wie beispielsweise „Pinkstinks“, „Frauenstreik“, „Feministische Partei DIE FRAUEN“ oder auch „UN Women Deutschland“ tatsächlich ist. Ihre Stimmen verhallen in den entscheidenden Machtzentren der Wirtschaft nahezu ungehört. Die Vorstandsetagen von DAX-Konzernen, die Aufsichtsräte großer Banken oder die Führungsgremien internationaler Investmentfirmen werden von diesen zivilgesellschaftlichen Initiativen nicht einmal peripher tangiert. Im Gegenteil: Es scheint fast, als würde das Engagement der Zivilgesellschaft systematisch ignoriert oder sogar belächelt.

Wenn uns das Ende der Ampelregierung eines bewiesen hat, dann doch wohl dies: Sämtliche politischen Maßnahmen, die dem Schutz sozialer und ökologischer Interessen dienen sollen, werden letztlich dem Primat der Wirtschaft geopfert. Egal, wie lautstark für Gleichstellung, Klimaschutz oder soziale Gerechtigkeit demonstriert wird – am Ende zählt in der politischen Realität vor allem das wirtschaftliche Kalkül. Die Interessen von Unternehmen, Investoren und Lobbygruppen setzen sich immer wieder durch, während feministische und andere zivilgesellschaftliche Anliegen auf der Strecke bleiben.
Diese Erkenntnis ist ernüchternd, aber sie zwingt mich, meine eigene Rolle und die Wirksamkeit unseres Engagements kritisch zu hinterfragen. Wie können wir tatsächlich Einfluss nehmen, wenn die wahren Machtzentren unsere Anliegen einfach plattwalzen?

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Allmächt musst du dir viele Gedanken machen! Dagegen komm ich mir jetzt ziemlich jämmerlich vor mit meinem kleinen Elend hier .. da wünsch ich dir auf jeden Fall enorm viel Kraft und mal richtig gesunde Kinder!
Plüschtiere bitte nur drücken – nicht töten!
Liebe Grüße aus dem Mausloch
Sabine
Grüßli, jetzt wollte ich nachsehen, durch welches Jammertal du im Mauseloch gehen musst. Und jetzt weiß ich, dass männliche Mäuse virtuos im Ultraschallbereich singen können, es ein Familiencafé namens Mauseloch in Wolfratshausen gibt und eine „bright idea coming soon“, aber deine Seite habe ich nicht gefunden. Was mache ich falsch? Ach und durch Plüschtiere grabe ich mich nur😁🐴