Mamahonks kleine Monatsrückschau November 2025 –
Meine Standardeinstellung im November war ‚Depression³’. Das war nicht gerade die optimale Voraussetzung für ein präzise ungeplantes Durchstarten im November. Entsprechend machte der Monat dort weiter, wo der Oktober aufgehört hatte. Wir verschoben alles mit Motivation auf Januar 2026. Mein Selbstbewusstsein gaslightet mich weiterhin und schaukelt sich vermutlich in Seneca Falls, New York (USA) die feministischen Eier, während ich versuche, meinen Alltag zwischen zwei permanent in irgendeiner Phase steckenden Kindern, einen Vollzeitjob und Familien-WG menschenwürdig zu gestalten. Ob ich erfolgreich dabei war? Das überlasse ich Eurer geneigten Einschätzung. Read it, like it or leave it!
Familie & Freunde
Drei Themen bestimmten unser Familienleben im November: Vorbereitung des anstehenden Advents, die Wahl der weiterführenden Schule für Knopf und die jahresüblichen Verstimmungen des Immunsystems – wenig überraschend. Eigentlich liebe ich den November. Bunte Blätter, alles verlagert sich nach innen und Tee- wie Buchläden steigern ihren Jahresumsatz überproportional.
Ich freute mich auf Sauna, Basteln mit den Kids und die Vorbereitung auf den Advent. Über die Jahre haben sich zahlreiche Traditionen unbemerkt eingeschlichen, die gepflegt werden wollen. Vom Lebkuchenhaus, über Nikolausstiefel bei Rewe sowie Thalia und einen digitalen Adventskalender. Und genau damit war ich beschäftigt, wenn ich mir nicht nachts die Ohren mit fiebernden Kindern oder Elterngesprächen mit Grundschullehrerinnen – natürlich tagsüber – rumschlug.
Das Elterngespräch war recht wenig spektakulär. Im Grunde sagte die Lehrerin das, was wir wussten. Bei Wahl der weiterführenden Schule erwies es sich als ausgesprochen wenig hilfreich. Netterweise hatte die Lehrerin das bereits auf dem Elternabend angekündigt, sodass ich meine Enttäuschung gleich zuhause ließ.

Das ändert jedoch wenig daran, dass ich wie immer völlig überfordert von der Auswahl der Schulen bin. Gleich zu Beginn der Auseinandersetzung mit der potenziell geeigneten Schule stieß ich auf das Narrativ: Es handelt sich um eine alles entscheidende Lebensentscheidung. Also entscheide weise.
Es fühlt sich an, als träfe ich eine Entscheidung über Wohl und Weh meines Nachwuchses. Je nach Blickwinkel der befreundeten Eltern, mit denen ich mich austauschte, führte die eine oder andere Schule entweder in eine goldene Zukunft meiner Tochter oder wahlweise in den Drogensumpf und zur Psychotherapeutin.
Entsprechend vibrierte die Stimmung im Hause Mamahonk als der Tag der offenen Tür im CGJ anstand. Vor lauter Aufregung schoben wir uns kreuz und quer durch ähnlich aufgeregte Eltern und Kinder durch die viel zu vollen Gänge des Gymnasiums, starrten kollektiv den stellvertretenden Schulleiter im Vorstellungsgespräch wie erschrockenes Karnickel an und fanden schließlich Ruhe und Entspannung in der hauseigenen Bibliothek, wo uns eine unfassbar liebenswürdige Lehrerin die Räumlichkeiten zeigte.

Während ich neben schniefenden Nasen und der spannungsgeladenen Frage, welche Schule meine Tochter wählen sollte, versuchte mittels Mehl, Zucker und Fotos etwas Besinnlichkeit herzustellen, kündigte sich der Todestag meines Vaters an. Ich bin meinen größeren Geschwistern sehr dankbar, dass sie dafür sorgten, dass der Todestag meiner Familie kein Tag des Schmerzes ist. Unser Trauern ist Zusammenkommen, Gemeinschaft, Geborgenheit. Familie eben. Wir trafen uns auf der Wachsenburg, aßen gemeinsam Mittag, erinnerten uns und schufen neue Erinnerungen. Mit de unmöglichen Nebenwirkung, dass meine große Tochter ein morbides Interesse für Folterinstrumente im Nachgang zeigte.
Beruf & Finanzen
Zentrales Momentum – finanziell gesehen – war im November die erhoffte Kompensation des Nachlasses meines Vaters. Dieser hatte mit seinem Testament verfügt, dass ein prozentualer Anteil seines Vermögens seiner Partnerin zugesprochen wird. So weit, so unklar. Denn die Vorstellungen über die Höhe des Vermögens meines Vaters gingen auseinander. In den letzten Wochen sind wir einem außergerichtlichen Vergleich sehr nahegekommen. Leider aber noch nicht am Ziel. Inzwischen verstehe ich, weshalb Menschen manchmal einem Deal zustimmen, nur um ihre Ruhe zu haben. Braucht kein Mensch, den Quark.
Momentan fehlt mir der Bezug zu meinem Job. Wenn man grippeschutzgeimpft und völlig übermüdet, arbeitsunfähig zuhause sitzt, passieren recht merkwürdige Dinge. Völlig auf sich selbst zurückgeworfen, ohne Unterbrechungen durch Kolleg:innen, Kinder oder anderen Mitbewohnern unserer Familien-WG, fällt plötzlich die Frage in den Schoß: Und jetzt?
Es läge nahe, solche Zeiten optimal für sich zu nutzen: Zu lesen, zu schreiben, zu telefonieren, endlich die Online-Fortbildung abzuschließen, zu traden, dass das Depot so kracht, ja meinetwegen, sämtliche Serien zu bingewatchen, von denen ich nicht mal wusste, dass sie existierten.
Stattdessen Leere. Mein Gehirn hatte sich bei der Frage Und jetzt? vollständig aufgehängt. Es ging nicht weiter.

Ich kompensierte die Abwesenheit eines sinnstiftenden Moments für mein Leben, indem ich meine Messiefächer durchwühlte und Kleinanzeigen zum Zusammenbruch brachte. Dabei redete ich mir ein, dass der Verkauf von Stiefeln, Schneeanzügen & Co mein Beitrag zu einem nachhaltigen Leben sei. Tatsächlich wich ich erfolgreich der Frage aus, wohin es weiter gehen soll oder kann?
Während meiner Vollzeittätigkeit, gespickt mit Haushalt und zwei Kindern, gibt es keine Zeit, mich oder irgendetwas im Leben zu hinterfragen. Ich funktioniere. Jede Minute ist optimal ausgenutzt.
Während meiner AU fragte ich mich: Wofür das alles?
Mein neuer Job bietet wesentlich mehr Verwaltungstristesse als vermutet. Im Vergleich zu den Kolleg:innen, die ihre Sache leben und lieben, habe ich meine Rolle nicht gefunden. Jegliche Leidenschaft für mein Tun kam mir abhanden. Dabei war das stets wesentlicher Motor meines Seins. Mich treibt die Frage rum: Sind das die üblichen Nebenwirkungen der Einarbeitung oder inhärenter Bestandteil meiner neuen Rolle?

Gefühlt sind die Prozesse so durcheinander, dass man nicht mal mit halber Arschbacke absitzen kann und mentale Ressourcen für private Dinge bleiben. Außerdem bedingt die neue Rolle einen tiefergehenden Einblick in die fachbereispolitischen Prozesse und Befindlichkeiten. Was tatsächlich sehr ermüdend ist.
Gesundheit & Sport
Der Monat begann recht vielversprechend, mit Verweis auf meine Religionszugehörigkeit überzeugte ich meine Amygdala, nichts von den Halloweensüßigkeiten, die meine religionsbanausigen Kinder anschleppten, zu naschen. Fand sie nicht okay, doch mir gelang es, sie mit 2-3 Geocaching Touren abzulenken. Die waren zwar lang und damit durchaus geeignet, ein paar Kalorien zu verbrennen. Doch da ich zusammen mit Fünkchen cachte, verfehlten sie ihr Ziel, einen Beitrag zu meiner körpereigenen Verschlankung zu leisten.
Im Gegenteil – frische Luft macht bekanntlich hungrig. Und das nutzte meine Amygdala, um mich regelrecht auszutricksen. Sie nahm mein zartes Hungergefühl und verwies auf den anstehenden Gipfelstürmer der Plasmaspende. Damit rechtfertigte sie ausschweifende kulinarische Orgien.
Was der Gipfelstürmer ist? Das ist eine Aktion der HAEMA Plasma- und Blutspende. Wem es gelingt, innerhalb von vier Wochen fünfmal zu spenden, erhält einen gestaffelten Bonus.

Selbstverständlich ist es wichtig, sich vorab, ausreichend und ausgewogen zu ernähren. Das bescherte mir zahlreiche Diskussionen mit meiner Amygdala, ob Kinderschokolade und gebrannten Mandeln tatsächlich zu einer ausgewogenen Ernährung gehörten oder nicht.
Tatsächlich absolvierte ich den Gipfelstürmer. Das Ende vom Lied? Mein Immunsystem stürmte ebenfalls davon.
Bereits im vergangenen Winter hegte ich den Verdacht, mein Immunsystem hätte sich klammheimlich auf die Seychellen abgesetzt. In Wahrheit eiferte es fragwürdigen Vorbildern nach. State of the art in dieser Saison? Vermutlich der schiefe Turm von Pisa.
Anders konnte ich mir die Schieflage meines körpereigenen Abwehrsystems nicht erklären. Die Viren und Bakterien legten im Monat November Schichtarbeit ein, um alle Teile unserer Familie nacheinander flachzulegen.
Dabei hatte ich mich gezielt grippeschutzimpfen lassen, um einen erneuten Virenmartyrium zu entgehen. Allerdings brachte mir das bisher lediglich einen halbgelähmten Arm und zahlreiche durchwachte Nächte ein. Lag vielleicht daran, dass ich gleichzeitig eine Tetanus-Impfung bekam. Meine letzte Impfung lag 17 Jahre zurück. Vermutlich ein Umstand, weshalb die Ärztin die Spritze besonders ambitioniert in meinem Arm rammte.
Nächtelang fand ich nicht in den Schlaf, so sehr schmerzte die Einstichstelle. Das ist der Nachteil, wenn man eine bevorzugte Einschlafseite hat. Meine Tochter kann ein Lied davon singen. Seit Jahren versteht sie nicht, weswegen ich mich zum Einschlafen von ihr wegdrehe. Die Nächte nach der Impfung genoss sie hingegen sehr. Endlich konnte Mami sich nicht von ihr wegrollen. Zusätzlich glänzte ich mit Gewebedeformationen, die meinem Angstzentrum reichlich Stoff für eine Menge cortisolausschüttende Stories lieferten. Doch dazu in den kommenden Monaten mehr. Wobei! Hoffentlich nicht.
Feminismus
Solange meine Selbstbewusstsein mauerte, beschloss ich, das mit der feministischen Revolution zu lassen und beschränkte mich auf passiven Konsum von Wissen und Ansichten im feministischen Spektrum. Im November widmete ich mich der kritischen Männerforschung. Es überrascht also nicht, dass ich mich eines Abends zusammen mit meiner feministischen Wing Woman auf dem Vortrag Neue alte Männlichkeit wiederfand und mit unserer Anwesenheit das Durchschnittsalter um mindestens 10 Jahre hob.

Feminismus in Jena, so scheint es, wird getragen von Studierenden in ihren Zwanzigern mit Microponys und Retro Glanzanzügen aus Polyester. Berufstätige Mütter? Fehlanzeige. Dabei – seien wir ehrlich – hört die Gleichberechtigung genau dort auf, wo die berufstätige Mutterschaft anfängt. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Wie schaffen wir eine gleichberechtigte Welt, wenn die Betroffenen genau dort fehlen, weil die fehlende Gleichberechtigung sie von einem Engagement für Gleichberechtigung abhält?
Es überrascht also nicht, dass insbesondere akademisch gebildete Frauen völlig desillusioniert von der Elternschaft sind, dass gleichberechtigte Beziehungen die gefährdetsten Beziehungen schlechthin sind, dass so viele Frauen vermeintlich im Namen der Liebe sagen:
In Elternzeit gehe ich, denn ich verdiene weniger.
Ich arbeite Teilzeit, denn ich möchte auch etwas von meinen Kindern haben.
Das bisschen Haushalt mache ich, er arbeitet ja so viel.
Ich will mich nicht wegen jeden Handschlags im Haushalt streiten, das killt ja sämtlich Gefühle.
usw.
Innerhalb des Patriarchats ist jede einzelne Aussage wahr!

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