Mamahonks neueste Rabenteuer – Das Prinzip Familien-WG
Familien-WG statt Paarbeziehung: Wie aus Liebe und Leidenschaft Brotdosen und Wäscheberge wurden. Ein ehrlicher, satirischer Blick auf das Leben zwischen Elternpflichten, Krisenmanagement und der Kunst, sich nicht gegenseitig umzubringen.
Apokalypse Now – Krise können wir!
So langsam dürfte es sich herumgesprochen haben. Langfristig ist bei Mamahonk nichts herauszuholen bei dem Konstrukt Paarbeziehung. Infolgedessen habe ich die Worte „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“ aus meinem Wortschatz gestrichen.
„Schwierigkeiten sind für Anfänger*innen“, dachten der Mann und ich im Herbst 2023 als eine Sepsis das Sterben meines Vaters einleitete. „Wir sind Profis und produzieren Apokalypsen.“ Und schickten kurzentschlossen das Konzept „Liebe“ in die Rente. Wie das passieren konnte? Wahrscheinlich ein Schwank aus dem Fachbereich delirium tremens, oder so.

Gegensätze ziehen sich an – und stoßen sich wieder ab
Der Mann und ich führten eine Paarbeziehung, die als Paradebeispiel für den Spruch „Unterschiede ziehen sich an“ diente. „Gleich und gleich gesellt sich gern“? Darüber lächelten wir nur müde. Das zeigte sich nicht nur in den Vorstellungen, was ein Mann und eine Frau können und dürfen und was nicht, sondern auch in unseren politischen Ansichten.
Mit Sport und Natur hatte der Mann mich einst rumgekriegt. Der Mann und ich hatten Spaß. Wir ergänzten uns. Ich konnte nicht kochen, er verstand (damals) nichts von sozialer Kompetenz. Wir gingen wandern und zum Basketball. An anderen Tagen an die Gurgel. Trotzdem bekamen wir zwei Kinder.
Lange Zeit war ich felsenfest davon überzeugt, dass unsere Beziehung, die mehr als einen Urknall kontroverser politischer Überzeugungen unbeschadet überstand, das Potenzial hatte, länger als die Beziehung von Brangelina zu halten. Doch bevor mir auffiel, wie stark politische Ansichten sich auf das Paarungsverhalten auswirken können, fielen mir unsere bereits auf die Füße.
Vom Urknall zur Idee der Familien-WG
Seit nunmehr 10 Jahren – seit unseren Zusammenzug – streiten der Mann und ich. Ich versuchte ihn zu überzeugen, dass Vielfalt das Leben leichter macht. Er das Gegenteil. Mein Mantra: Jeder Mann hat zwei Seiten, die eine muss man lieben, die andere ertragen, half mir am Ende nicht mehr weiter. Während andere von Höhen und Tiefen in der Partnerschaft sprachen, reihte sich bei uns der Mariannengraben an den Tongagraben.
Wir akzeptierten unsere beiderseitige Entfremdung und bildeten eine Familien-WG. Klingt nach WG-Party, ist aber eher „Eltern-Tag und Nacht“ – mit weniger Bier, aber mehr Brotdosen. Wir sind Eltern. Nicht mehr, nicht weniger. Quasi Superheld:innen – nur statt Capes haben wir Wäscheberge.
Was heißt das konkret? Zugunsten der Kinder leben wir zusammen in einer Wohnung. Dieser Aussage haftet meist ein Geschmack von die-Kinder-nehmen-einen-psychischen-Schaden an. Tatsächlich ist es logistisch leichter. Und günstiger. Und die Kinder müssen auf kein Elternteil verzichten. Und – nicht zu unterschätzen – kein Elternteil auf die Kinder.

Und unsere Beziehung? Die ist jetzt so romantisch wie ein benutzter Männerslip. Wir sind ein Team. Und wie bei jedem guten Team gibt’s mal Applaus und mal Eigentore.
Wie läuft das? Nun ja… sagen wir: abwechslungsreich.
Manchmal klappt’s super, manchmal eher so mittel. Die größte Challenge? Sich auf das Ziel zu konzentrieren (glückliche Kinder, halbwegs saubere Wohnung, niemand hat die Kinderschließzeiten vergessen) und die eigenen Befindlichkeiten in die Warteschleife zu schicken. Spoiler: Das klappt nicht immer. Trotzdem – manchmal fühlt sich unser WG-Leben richtig leicht und harmonisch an – fast wie bei Erwachsenen. Fast.
Das Beste: Ich kann mir wieder selbst im Spiegel begegnen, ohne mich über Kompromisse zu ärgern, die ich eigentlich nie eingehen wollte. Perfekt ist es nicht, aber solange die Kinderbetreuung so viel Zeit frisst wie ein hungriger Teenager, bleibt alles, wie es ist. Logistisch unschlagbar!
Und ehrlich: Ich kann mir eine Welt, in der ich meiner Kinder nur alle zwei Wochen sehe, gegenwärtig nicht vorstellen. Da ertrage ich lieber den Mann und schwanke zwischen Mordgelüsten und emotionalen Fressanfällen. Ihm geht es genauso. Da sind wir uns selten einig.
Familien-WG statt Disney – Logistik schlägt Leidenschaft
Wir haben unser WG-Leben nach klaren Regeln durchgeplant: Vormittags- und Nachmittagsbetreuung im Wechsel, Haushalt, Einkaufen, Kochen – alles schön aufgeteilt. Jeder darf mal ran und sein eigenes Chaos veranstalten, ohne dass der andere beleidigt ist, weil das Handtuch falsch gefaltet wurde.
Urlaub, Ausflüge, Familienfeiern? Machen wir zusammen – da merkt keiner, dass wir eigentlich eine Familien-WG sind. Nur: Das Schlafzimmer bleibt privat, und Liebesgeflüster gibt’s maximal im Roman von Ellen Berg.
Irgendwann mussten wir den Kindern erklären: „Mama und Papa mögen sich, aber lieben sich nicht mehr. Disney ist passé.“ Lief das wie im Bilderbuch? Natürlich nicht. Es gab Drama, Tränen, pädagogische Nachsorge deluxe. Aber am Ende wissen die Kinder: Sie sind geliebt, auch wenn Mama und Papa sich nicht mehr knutschen. Doch wer hat eigentlich gesagt, dass Vater und Mutter sich lieben und das Bett miteinander teilen müssen? Reicht es nicht, wenn sie Freunde sind?
Zur Organisation haben wir den Familienrat eingeführt. Theoretisch eine super Idee – praktisch war’s eher wie ein Meeting ohne Kaffee: Viel Gerede, wenig Ergebnis. Jetzt besprechen wir die Woche am Wochenende und den nächsten Tag abends – pragmatisch, effizient, ohne Flipchart.
Und mal ehrlich: Die Gespräche drehen sich meist um „Wer holt die Kinder, wenn man selbst nicht kann?“, „Was muss noch eingekauft werden?“ und „Was hat die Kinderärztin gesagt?“. Für tiefgründige Diskussionen oder emotionale Ergüsse suche ich mir inzwischen externe Gesprächspartner:innen – oder die Spinne Frieda.

Als Eltern funktionieren wir inzwischen hervorragend. Besser als in der Beziehung. Vermutlich gelingt uns das, wonach sich viele sehnen: Wir führen eine gleichberechtigte Elternschaft. „Wieso bleibt ihr dann nicht auch als Paar zusammen, das klingt doch richtig gut?!“, war die Frage, die ich mir stellte, wenn ich früher Texte wie diesen las.
Sicherlich. Ich bedaure es, dass ich meinen Kindern keine gesunde Mann-Frau-Beziehung vorleben konnte. Sicherlich. Ich bin überzeugt, dass es viele Partnerschaften gibt, die in unserer Situation nicht den Schritt der Trennung gehen, sondern einfach aushalten und die negativen Emotionen wegschieben. Sicherlich. Die Uhr der Versuchung, die Zeit zurückzudrehen, tickt in den (schwierger)elterlichen Köpfen. Oft höre ich: „Vielleicht wird es doch wieder?„.
Für mich gibt es jedoch Werte, die sind nicht verhandelbar. Letztendlich sind wir an unseren eigenen Erwartungen an eine:n Partner:in gescheitert. Nunmehr habe ich ein sehr ausgeprägtes Verständnis dafür, was die Phrase unüberbrückbare Differenzen tatsächlich meint und was nicht. Es bedeutet, dass Nähe unmöglich ist. Es bedeutet aber nicht nicht, dass wir den an uns selbst gestellten Auftrag, unseren Kindern ein geborgenes Zuhause zu geben, aufkündigen.
Aus meiner Sicht ist es uns gelungen, etwas Zuverlässiges und sehr Stabiles hervorzubringen. Unsere kleine verrückte, zauberhafte Familien-WG.
Eure Mamahonk!

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