Mamahonks kleine Monatsrückschau April 2024 – Überraschende Erkenntnisse
Mamahonks stehen unter Naturschutz. Aus gutem Grund. Vielleicht fühlte ich mich deswegen, als gehörte ich zu einer aussterbenden Rasse. Kraftlos. Verloren. Irgendwie fehl am Platz. Ein bisschen wie in “Lost in Translation”.
Die größte Sauerei war, dass mein Leben mir die New York Bar im 52. Stockwerk des Park Hyatt Hotels verweigerte, an der Bill Murray und Scarlett Johannson vor großartiger Aussicht abhingen. Ein Whiskey hätte den Dinos bestimmt das Aussterben erleichtert. Ich würde allerdings einen Aperol Spritz bevorzugen.
Stattdessen stand ich an unserer Küchentheke, vermengte Joghurt und Apfelmus, um zwei Drittel davon nach dem Essen von der Tapete, dem Fußboden und meinem BH (fragt nicht) abzuwischen. Beim ersten Kind fand ich das noch witzig. Beim Zweiten überlegte ich, wie lange ich den Sperrmüll im Wohnzimmer unseren Gästen noch als Möbel anbieten konnte?
Kurzum – der Monat April gab sich wie die Monate Februar und März richtig Mühe, dass ich mich nicht wohl fühlte. Dabei hätte er so gut werden können. Schließlich tat er sogar ein paar Tage so, als sei er der Mai. Ich stand so | | kurz davor, Frühlingsgefühle zu bekommen. Was stattdessen kam?
Read it like it or leave it!
Familie und Freunde
Nach der Misere des letzten halben Jahres war klar: Ich wollte, nein, musste etwas tun!
Meine erste Maßnahme: Fliehen!
Dafür schnappte ich meine beiden Mädchen, stattete mich mit zwei digitalen Deutschlandtickets aus und reiste nach Kiel. Das Deutschlandticket verpflichete die Inhaber:innen zur Nutzung des Regionalverkehrs. Suboptimal, wenn man auf der Flucht war. Sowieso habe ich die Deutsche Bahn im Verdacht, dass das Deutschlandticket eine verdeckte Werbekampagne für den ICE war. Verspätung, Zugausfall, überfüllte Bahnen. Das fasste sowohl die Hin- als auch die Rückfahrt ganz gut zusammen.

In Kiel versuchte ich vor unserer Gastgeberin erfolglos zu verheimlichen, dass wir seit Ostern schwer erkältet waren.
Kleine Randbemerkung: Das ist der Grund für das Fehlen jeglicher Bilder, die davon Zeugnis ablegten, wie meine Kinder überglücklich Ostereier bei strahlendem Sonnenschein suchten. Sie gab es nicht. Stattdessen gab es Bilder von giftgrünem Schnodder. Die erspare ich euch.
Allerdings erwies sich die Strategie, die Feiertage mit Bakterien statt mit der Verwandtschaft zu verbringen als recht förderlich für die Minimierung meines Schlafdefizits. Hatten wir Weihnachten mit Corona schon erprobt. Galt das jetzt schon als Tradition?
Meine zweite Maßnahme: Loslassen!
Was eignete sich dafür besser als die Beisetzung meines Vaters? Er starb im November. Die Gemeinde führte auf dem kleinen Kirchenfriedhof im Winter keine Beisetzungen durch. Also versammelte sich die Familie im April bei schönstem Sonnenschein, Vogelgezwitscher und Windrauschen auf dem Friedhof, um meinen Vater auf seinem letzten Weg zu begleiten. Das war bei einer Hangneigung von knapp 45 Grad gar nicht so einfach.
“Happy together” von den Turtles dröhnte in voller Lautstärke über den Friedhof. Das passte zum Abschied. Zeit seines Lebens standen Musik, Sport, Berge im Vordergrund. Und die Gemeinschaft.
Während ein warmer Aprilwind um meine Nase wehte, der sich von der Sonne des späten Vormittags besänftigen ließ, befiel mich ein tiefer innerer Frieden. Die Zeremonie hätte Papa gefallen. Fraglich war nur, ob er den Musikgeschmack seiner zukünftigen Nachbar:innen getroffen hatte?
Nachdenklich steckte ich die Hände in die Taschen meiner Hose. Während die Turtles erklärten, wie glücklich sie zusammen seien, fragte ich mich, wie es nun weitergehen sollte? Vor mir lag ein langer Tunnel, an dessen Ende kein Licht leuchtete. Was machte mich glücklich? Und wen machte ich glücklich? Ich fand keine Antwort! War das noch Trauer? Oder schon die Midlife-Crisis?

Der Blick zurück offenbarte eines: Mein Leben als Mama glich einem nicht eingelösten Versprechen. Nach den Katastrophen der letzten Monate rief meine Seele den Notstand aus. Aus jeder Pore dünstete ich Depression.
Dabei hatte ich es durchaus zu etwas gebracht: Zu einem riesengroßen Trümmerhaufen. Wer räumt den jetzt weg? Das durfte nicht so weitergehen. Wo waren die Wale, mit denen ich schwimmen; wo die karibische Insel, auf der ich Urlaub machen und wo das Buch, das ich als Bestseller verkaufen wollte? Konnte bitte jemand kommen und die Klischees in meinem Leben bedienen? Alles musste man selber machen.
3. Maßnahme: Neu orientieren!
Krisen haben die Kraft Dinge zu ändern. Veränderungen kommen nicht von allein. Zur Inspiration setzte ich fort, was ich die vergangenen Monate gestartet hatte. Ich erweckte mein soziales Leben aus dem Winterschlaf und (re)vitalisierte alte und neue Kontakte. Bald mehr.
4. Maßnahme: Fallen lassen!
Und ich gönnte mir Auszeiten! Im Kreise der Liebsten. Dazu versammelte sich ein Teil der Trauergesellschaft wenige Tage nach der Beisetzung zum Pufferessen. Nach Omas Rezept. Mit Leinöl. Freude schöner Darmfunken. Allerdings brachte das gemeinsame Essen von ca. 300 Puffern (10kg Kartoffel) genausowenig eine Auszeit für meinen Körper wie die AFD eine echte politische Alternative für Deutschland darstellte. Geschenkt.
Mamahonk goes Feminismus
Wenigstens in diesem Lebensbereich wurde ich wirksam. Endlich nicht nur lesen, sondern handeln. Sechs Monate nach Erhalt des Rezensionsexemplar „Mütter.Macht.Politik.“ von Sarah Zöllner und Aura-Shirin Riedel rezensierte ich das Sachbuch – könnt ihr hier nachlesen. Das Buch selbst verschlang ich. Es gab mir den Startschuss für meine feministische Karriere innerhalb einer Online-Bande.

Die Online-Bande funktioniert nach dem aus der Mathematik bekannten Dreisatz: Lästern. Input. Lösung. Oder war es die Philosophie? Egal. Während ich darauf hoffte, mich nett berieseln lassen zu können, basierte das Konzept auf neumodischen Prinzipien wie Interaktion, Methodenvielfalt, Networking.
Als die Moderatorin mich dann darum bat, einen Beitrag über das Thema „Frauengesunheit – Ein blinder Fleck der Wissenschaft“ zu leisten, bereute ich es, bei der Kurzvorstellung versteckt irgendwo in den Klammern Gender Health Gap und ich interessiere mich für in einem Satz erwähnt zu haben.
Ich wehrte mich mit Händen und Füßen: „Hau ab mit dem Schmarrn. Und wenn ich sage, hau ab mit dem Schmarrn, meine ich her damit! Natürlich gerne. Doch generell: Lass mich mit dem Schmarrn in Frieden!“
Ja, ich war diejenige, die Elternabende mied, weil ich stets mit irgendeinem ulkigen Amt das Treffen verließ. Ämter, die ich in der Regel aufgrund von Zeitmangel vernachlässigte und nach einem halben Jahr verzweifelt versuchte, dem Mann aufzudrücken. Doch der war und blieb im Garten verschollen.
In der Nacht vor dem Termin fühlte ich mich in Studienzeiten zurückversetzt, als ich halb bewusstlos vor Müdigkeit eine Präsentation erstellte. Entsprechend erinnerte mein Gesicht während der Veranstaltung an eine Kreuzkröte, die ein Fass Arsen auf Ex hinter die Binde gekippt hatte, doch das Thema faszinierte mich und die anderen (glaube-hoffe-nehme ich an) auch.
Nur: Seitdem bewegte sich mein Ruhepuls um die 200. Spoiler: Ja, Frauengesundheit war ein blinder Fleck der Wissenschaft. Und der befindet sich nicht in einem langweiligen Einzelauge wie beim Menschen. Nein, Frauengesundheit war ein erblindetes Facettenauge, wie bei der Biene. Allerdings war der gesamte Bienenstock erblindet. Das Thema tiefenschockierte mich nachhaltig.
Beruf und Finanzen
Beruflich und finanziell herrschte Ebbe. Was sollte ich auch berichten? Ich bin Verwaltungsfachangestellte. Damit ist auch schon alles gesagt. Gut, ich hatte noch eine zweite Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem ziemlich coolen Forschungsprojekt.
Die Zusammenarbeit mit jungen und aufstrebenden Promovierenden glich einem beruflichen Betthupferl. Kleiner Happen zum Glücklichwerden. Doch das Ereignisniveau bewegte sich auch hier auf 20 000 Meilen unter dem Nervenkitzel. Gelegentlich fragte ich mich daher, ob mein Downshifting-Experiment reversibel sei? Bevor ich mir die Antwort auf diese Frage gab, galt es die persönlichen Themen in meinem Leben zu bearbeiten.
Gerne überbrückte ich den Mangel an beruflichen Ereignissen und beantwortete hier die mehrfach von euch gestellte Nachfrage, wie denn meine Kolleg:innen auf meinen Blog reagierten – insbesondere, wenn ich die nicht immer schmeichelhaften patriarchalen Ausfälle eines bestimmten Kollegen thematisierte.
Ehrlich gesagt, schrieb ich nicht über den einen Kollegen. Die kleinen Anekdoten stammten von einer Vielzahl an Begebenheiten und Begegnungen mit männlichen (z.T. auch weiblichen) Mitarbeiter:innen. Die bewegten sich nicht unbedingt in meinem unmittelbaren Arbeitsumfeld. Ihre Bewertung meines Blogs entzieht sich daher meiner Kenntnis. Ehrlich gesagt, auch meinem Interesse.
Um niemand bloßzustellen, möchte ich trotzdem ab heute Friedemann einführen.
Friedemann ist ideal dafür geeignet, um jeden Glauben an die Männlichkeit zu verlieren. Er ist ein Avatar und repräsentiert das real existierende Patriarchat. Er steht für die Gesamtheiten all der patriachalen Merkwürdigkeiten, die mir alltäglich im Büro begegnen. Ihr werdet von ihm hören. Freut euch. Oder auch nicht.
Sport und Gesundheit
Mein Vorrat an sportlicher Motivation neigte sich im April dem Ende zu. Trotzdem bemühte ich mich darum, aktiv zu werden. Mehrfach zwang ich mich von der Couch und meine Füße in die Turnschuhe. Doch mein Körper fühlte sich an, als flösse Teer und Pech in seinen Adern.
Bei jedem einzelnen Schritt spürte ich mein Knie, das seit dem kläglichen Versuch, meiner Tochter ein paar Basketballtricks beizubringen, beharrlicher als Claus Weselsky und seine Lokführer:innen streikte. Sämtliche für die Stabilisierung notwendigen Muskeln mussten inzwischen verkümmert sein.
Gut. Dann wenigstens die Ernährung umstellen. Regelmäßig trinken. Viel Protein, wenig Kohlenhydrate. Die Eisenzufuhr durch regelmäßige Rote-Beete-Smoothies stärken. Vor einem Jahr klappte das noch. Allerdings hatte ich die Rechnung ohne meine Kinder gemacht.

Ein Leben mit Kindern war nicht Kicherbsen-Minzesalat und Rote-Beete-Smoothie dazu, sondern Pommes mit Ketchup und Apfelschorle. Und kiloweise Süßigkeiten von der Verwandtschaft, deren Überzeugung, Süßigkeiten zählten zu den Grundnahrungsmitteln von Kindern, bis in die Gegenwart reichte.
Vermutlich fanden ca. 80% meiner Hüftrollen ihren Ursprung in Dialogen wie:
„Mama, kann ich noch einen Nachschlag haben?“
„Ja, gerne.“
„Ach ne, doch nicht. Bin satt.“
Schlimmer konnte es nicht kommen. Ich war einiges an Elend gewohnt, doch nun befand sich meine Gesundheit am Tiefpunkt ihres Lebens. Sportliche Aktivitäten und gesunde Ernährung fanden für mich nur noch auf Instagram statt.
Erkenntnis des Monats Aprils: Ich bin transdynamisch – eine Frau, die von einem beweglichen Leben träumt und im Körper einer prokrastinierende Übergewichtigen lebt.

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Man, kannst du schreiben! Ich bin jetzt voller Bilder, Hä?s, Mitgefühl, Kichern, Nicken, Lachen. Und danke für „transdynamisch“ – jetzt weiß ich, was mit mir los ist 😂. Grüße von Franziska
Dankeschön 🤗 Ja, das Leben wird leichter, wenn es ein Wort dafür gibt. Man selbst zwar nicht, doch darum kümmern wir uns später. LG Manja aka Mamahonk
LIebe Manja,
WOW !! Was für ein April! Danke, dass du mich mit deinem Rückblick mitgenommen hast in deinen turbulenten Alltag.
Wie Franziska, finde auch ich mich zwischen Lachen und Mitgefühl wieder. Deine „Schreibe“ ist einfach großartig, wie humorvoll du die kleinen und großen Katastrophen die sich Leben nennen reflektierst.
Ein kleines bisschen gelb vor Neid, weil ich auch so schreiben können möchte werfe ich dir ein ganz liebes „Rettet die Mamahonks“ zu und freue mich auf „Friedemann“.
Hab einen wundervollen Mai 🙂
Ganz liebe Grüße von der Bine
Huch, meinst du mich? Du musst Dich in der Seite geirrt haben🤗 Falls doch, vielen Dank für Deine Worte. Ich wünsche Dir auch einen wundervollen Mai❤️