Die Eingewöhnung – zweite Woche – The beginning

2017_08_25 auf dem Spielplatz mitNora (5)

So hier sind die harten Fakten zu Knöpfchens Eingewöhnung: Zwei Wochen Zeit. Die erste Woche übernimmt Papa, die zweite Mama. Eigentlich wollte ich die Eingewöhnung komplett übernehmen, doch eine wichtige Fortbildung für meinen neuen Job fiel ausgerechnet  in diese Zeit.  Kommentar der Chefin: „Entscheiden Sie selbst, die nächste findet in einem halben Jahr statt.“ Da ich allerdings jetzt schon mit dem Programm arbeiten muss und in einem halben Jahr meine Befristung ausläuft, entschied ich mich für die Fortbildung. Papa hatte glücklicherweise noch Elternzeit.

Leider habe ich so die ersten Schritte in Knöpfchens Selbstständigkeit nur vom Hörensagen erlebt. Laut Papa lief alles am Schnürchen. Schon am zweiten Tag gab es die erste Trennung, Knöpfchen gewann zunehmend an Selbstvertrauen und die 2 Stunden alleine im Kindergarten am 5. Tag meisterte sie mit Bravour. Wir Eltern diskutierten nun lange, ob ich tatsächlich die zweite Woche übernehmen solle. Schließlich weint Knöpfchen bis heute -insbesondere montags – wenn ich auf Arbeit gehe. Meine Befürchtung war, dass der Wechsel während der Eingewöhnung Knöpfchen nicht nur durcheinander bringe, sondern auch schmerzhafter aufgrund der stärkeren Mutterbindung wäre. Nichtsdestotrotz entschieden wir uns dafür, weil Knöpfchen sowieso von uns beiden zur Kita begleitet und abgeholt werden wird. Außerdem hielt die Erzieherin Knöpfchen für ausreichend gefestigt, um dieses Wagnis einzugehen.

Am Montag brachte ich sie das erste Mal. Die Nacht war ich unruhig. Die Kita ist völlig abstrakt für mich. Zwar war ich selbst ab dem 13. Monat im Kindergarten und besuchte auch meine Mutter, die über 40 Jahre in einem Kindergarten arbeitete, gelegentlich auf der Arbeit. Doch meine durchweg positiven Vorstellungen von den Betreuungseinrichtungen wurden alle verzerrt durch die Berichte anderer Mütter über die Eingewöhnung ihrer Kinder. Vielleicht hatte ich mal wieder nur das Negativ-Ohr an, doch ich hatte echt Schiss vor den Tränen, den Krankheiten, den Erziehern.

Entsprechend aufgeregt war ich. Was besonders förderlich ist, wenn man daran denkt, dass alle Stimmungen der Mutter wie ein Bluthund vom Kind erspürt und gespiegelt werden. Ich versuchte also Sicherheit ausstrahlend mein Töchterchen das erste Mal mit Kindersitz auf dem Rad in die Kita zu bringen.

Was soll ich sagen? Wir hatten Kindersitz und Helm kurz vor der Eingewöhnung angeschafft. Clevererweise hatten wir den Kindersitz auf Papas Zweitrad befestigt und ich noch nie eine Probefahrt damit gemacht. Kurz vor Abfahrt begab ich mich mit Knöpfchen auf dem Arm und einem Inbusschlüssel in der Hand in den Fahrradkeller, um den Sattel auf eine angenehme Hüfthöhe einzustellen. Während Knöpfchen neben mir ungeduldig wurde, geriet ich allmählich ins Schwitzen,weil der verdammte Sattel sich einfach nicht lockern ließ. Ok, dann fahre ich halt im Stehen. Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen.

Komm Knöpfchen, rein mit Dir, sprach ich und hob meine Kleine in den Sitz. Leider war es nahezu unmöglich den Drahtesel aus der hintersten Ecke des Kellers durch das Labyrinth an Rädern zu bugsieren und anschließend die Kellertür zu verschließen ohne dass Knöpfchen und ich gefühlte 20 Beinahestürze überlebten. Das nächste mal wird draußen aufgesattelt. Doch jetzt ist der geplante Zeitpuffer schon für Quetschen und Stolpern draufgegangen.

Stehend juppelte ich also mit der alten Kiste und einem mürrisch dreinblickenden Kleinkind zur Kita. Irgendwie gelang es mir die Hoftür zu öffnen sowie zu schließen und mein Kind heile in den Vorgarten der Kita zu befördern. Ich setzte sie ab und schloss das Rad ab. Nie, aber wirklich nie wieder werde ich mein Kind in der Nähe der Schaukel absetzen. Freude strahlend tapste sie darauf zu als sie sie erblickte. Herzzerreißend weinend schmiss sie sich auf den Boden, als sie verstand, dass wir nicht zu ihr, sondern in die Kita gehen. Völlig verschwitzt, mit plärrendem Kind betrat ich also nun Knöpfchens zukünftige Spielwiese. Läuft, dachte ich so bei mir.

Und es lief tatsächlich. Irgendwie. Schief. Stop, nicht ganz. Als ich kurz das Zimmer verließ, um Knöpfchens Familienstammbaum zu holen, der im Zimmer ausgehängt werden soll. Sprang mein Kind lachend auf, rannt zu Manu, der Erzieherin, gab ihr ein Kuss und dackelt mir hinterher, der festen Überzeugung es gehe wieder nach Hause. Natürlich kullerten die Tränen als sie verstand, dass nicht an dem ist. Trotzdem sah ich das als einen klitzekleinen Lichtschimmer. Schließlich zeigte ihr Verhalten, dass sie Manu schon als Bezugsperson sieht. Trotzdem flossen bei jeder Gelegenheit die Tränen. Vor Wut. Weil sie nicht raus durfte, weil sie auf dem Stühlchen sitzen bleiben musste, weil sie nicht auf die Schaukel durfte, weil sie von der Schaukel runter musste. Anlässe gab es reichlich.

Naja, ich war danach emotional total am Boden. Völlig durch den Wind. Papa ging es nicht anders. Knöpfchen fiel erschöpft in ihren Mittagsschlaf. Wir sahen unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt, wollten schon wieder wechseln. Ich hielt mich für die egoistischste Rabenmutter auf der Welt. Kurzum mein mütterliches Selbstbewusstsein lag am Boden und übergab sich. Mein Töchterchen hingegen wachte gutgelaunt auf und forderte ihre Spielzeit ein, die ich mit befreundeten Müttern verbrachte.

Einmal mehr war ich unglaublich dankbar für dieses Netzwerk. Dieses fing mich auf, streichelte mein Mamaego, relativierte und stellte mein pädagogisches Gleichgewicht wieder her, indem es die Zornesausbrüche von Knöpfchen kurzerhand als Zeichen einer sicheren Bindung zu mir deklarierte. „Du, das ist doch super, dass sie das macht. Das bedeutet, dass sie dir so sehr vertraut und sich bei dir so geborgen fühlt, dass sie alle ihren Gefühle rauslassen kann.“

Fortsetzung folgt….