Kleine Monatsrückschau August 2022

Der Monat August 2022. Kaisermonat. Achter Monat des Jahres. Siebter Monat meiner Elternzeit. Und ich widmete mich den Dingen, die wirklich wichtig sind: Familie, Gesundheit und meinem Blog!

Wollt ihr wissen, was das Stilfser Joch mit meinem Beckenboden zu tun hat? Wieso ich trotz plötzlich auftretender Mitesser weiter Schokolade essen darf? Und wieso ich fortan nie wieder zu arbeiten brauche? Bitteschön. Ihr habt es nicht anders gewollt.

Read it, like it or leave it!

Familienangelegenheiten August 2022

Der Monat begann, wie er endete: Mit Feiern. Meine Schwester lud zur legendären Hofparty. Das ist bemerkenswert insofern, als dass nach über zehn Jahren alle Bonusgeschwister zusammenkamen. Immerhin insgesamt fünf. Es war magisch. Mein vierzigster Geburtstag stand ebenfalls ins Haus, bessergesagt noch aus. Ich feierte nach und verbloggte ihn in meinem 12 von 12 August. Drum erspare ich euch an dieser Stelle die unappetitlichen Details.

Den Höhepunkt des Feiermarathons bildete schließlich die Einschulung von Knöpfchen. An diesem Tag regnete es – man kann durchaus so sagen – traditionell. Ging euch das dieses Jahr auch so? Permanet wurde ein Hitzerekord nach dem anderen gebrochen. Wenn allerdings gefeiert wurde, regnete es zuverlässig. Im Sommer 2022. Wir ließen uns davon nicht stören. Aufgrund der Anwesenheit eines windel- und stillfreudigen Babys hatte ich sämtliche Verantwortlichkeiten an kompetente Fachkräfte outgesourct und wir feierten den anstehenden Schulbeginn in der Taverne Jena. Selbst der Mann, der selbstverständlich den Garten bevorzugt hätte, war im Nachhinein sehr zufrieden. Ich vermute, es lag daran, dass das hiesige Personal seine wahre Begabung erkannte und ihn durchweg „Boss“ rief. Eine Bezeichnung, die er mit drei Frauen nicht allzu häufig zu hören bekam. Es sei ihm gegönnt. Da war ich großzügig. Natürlich war der erste Schultag auch im August. Ich werde an anderer Stelle ausführlich berichten. Nur so viel: Mein Kind lebt.

Außerdem bekam ich einen Mitesser. Bessergesagt, eine Mittesserin. Fünkchen lernte Brei zu essen. Zeitgleich stellte ich meine Ernährung um. Auf Resteessen. Formverlust inklusive. Damit sind wir auch schon beim nächsten Thema. Gesundheit.

Anima Sana In Corpore Sano August 2022

Mein Beckenboden verweigerte seinen Dienst weiterhin. Zugegeben, ich ging nicht gerade pfleglich mit ihm um. Offizielle Version: Boah, Alltag mit Säugling ist ja sooo anstrengend. Ich komme zu nicht’s. Inoffzielle Version: Ich hab’s schlicht vergessen. Also, zu trainieren. Das bedeutete allerdings für mich: Joggen adé.

Da sich mein Kinderriegelkonsum auf einem recht hohen Level befand und das Stillen zwar das Gröbste, aber eben nicht alle kulinarischen Sünden kompensierte, widmete ich mich verstärkt dem Radfahren. Es gab nur ein Problem. Meine intrinsische Motivation war und blieb ein recht launisches Luder. Auf dem Weg vom Wollen zum Handeln verdrückte sie sich gern einmal.

Mit einem psychologischen Trick animierte ich sie, zu bleiben. Ich suchte ein konkretes Ziel und posaunte es per Insta in die Welt. Davon erhoffte ich mir eine Extraportion extrinsische Motivation. (Leider las ich erst nachträglich, dass die bloße Offenlegung von Zielen eher unsere Disziplin korrumpiert als forciert.) Verdammt!

Sei’s drum. Das Stilfser Joch wurde ausgewählt. Es ist der einzige Pass, den ich kannte, auf dem bereits Verwandte von mir hochgeradelt sind. Es war also realistisch. Das motivierte mich hinreichend, ebenfalls davon zu träumen, per Rad den Gipfel zu erreichen. Seitdem wird mein kleines Baby regelmäßig im Anhänger durchgerüttelt. Der vorübergehende Ausfall des Sicherheitssplints an der Deichsel des Radanhängers bremste mich jedoch recht schnell wieder aus. Vor Schreck meldete ich mich bei einem Pilates-Kurs an. Auch gut.

Genauso wie ich den Beckenboden vergaß, hatte ich die vergangenen sechs Monate meine Gesundheit vernachlässigt. Jedes Zwicken und Zwacken registrierte ich zwar, notierte es auf meiner Einkaufsliste für Ärzte und ignorierte es erfolgreich. Bis August. Da versetzte ich meine Hausärztin mit meinen gesammelten Werken in Begeisterungsstürme. Und erhielt die Rundumausstattung für alternde Mädels: Ein großes Blutbild, Einlagen und eine Physiotherapie. Meine gewissenhafte Ärztin forderte mich außerdem auf, mehr für meine Gesundheit zu tun.

Da kam der Walk Away mit meiner Tochter kurz vor der Einschulung genau richtig. Mir selbst fehlte manchmal der Initiationsritus, der aus einem Mädchen eine Frau machte. Lag vielleicht auch daran, dass die Generation X – der ich mich zugehörig fühlte – erst mit Mitte 30 erwachsen wurde. Meine Tochter sollte es anders haben. Gut, es stand „nur“ ihre Metamorphose von Kita- zum Grundschulkind an. Doch ein bisschen Ritus hier und ein bisschen Initiation da, konnte nicht schaden.

Beruf und Berufung August 2022

Während einer Elternzeit Karriereaufstiege zu forcieren, wäre erstrebenswert, beschränkte sich bei mir jedoch auf Aufstiege ins Büro und zu Treffen mit Arbeitskolleginnen. Umso mehr bekam mein Blog vom Aufmerksamkeitskuchen ab. Im August schaffte ich es, euch wöchentlich mit Anekdoten aus unserem Alltag zu beglücken. Da bin ich schon ein kleines bisschen stolz drauf. Ist mein üblicher Rhythmus doch eher als „sporadisch“ zu bezeichnen. Auch den Liebesbrief ans Finanzamt verfasste und versandte ich. Mal sehen was die Lohnersatzleistungen mit dem Regressionsvorbehalt anstellten? Persönlich war ich nur froh, dieses To Do von der Liste zu streichen.

Urplötzlich ploppte mit 40 Jahren das Thema Finanzen auf. Nach 20 Monaten traute ich mich, das erste Mal in meinen ETF Sparplan zu schauen. Wenngleich mir klar war, dass ich nicht plötzlich von siebenstelligen Beträgen angelacht werde, ernüchterte mich das Ergebnis. Weltherrschaft und Reichtum schienen ferner denn je. Lotto hatte nicht funktioniert. Bankraub kommt für mich nicht in Frage. Also doch Influencer werden? Da passte es ganz gut, dass ich mein Profil auf Instagram etwas aufmöbeln wollte. Es war Tatort folgender Situation:

In meinem Account gingen gelegentlich Anfragen junger Männer ein. Sie likten meine Bilder, folgten mir. Gerade als ich über die Rentenlücke sinnierte, meldete sich Finn. Neugierig klickte ich auf sein Profil. 4 Bilder. 256 Follower. Die Bilder waren ein Paradebeispiel für gelungenes Storytelling. Bild mit Tochter. Mit Kollegen. Sah anständig aus. Sportlich, gut situiert, liebevoll. Eine Vertrauensperson. Als ich per Story dankte, schrieb er mich an.

Finn: Hello!

Ich reagierte, wie ich im realen Leben reagiere, wenn jemand rhetorisch derart komplex Kontakt zu mir aufnimmt: Ich ignorierte es. Doch ich hing der Frage nach, was verspricht sich ein Mensch davon, wenn er so außergewöhnlich eloquent eine Konversation beginnt? Als Zweifachmama hatte ich keine Zeit zum Nachdenken.

Ich tippte also: Hello Finn. I want to be honest: For six years I talk about 90% of the day only with people who are at least 30 years younger than me. So I am not good in conversation. (Boah, so typisch Frau. Wieso erklärte ich mich eigentlich?) I’m honest, I’m only interested in why you write to me?  If you want to chat, I don’t have time for that as a mom. If you want sex, I have no interest as a wife.

I’m only interested in a conversation, if you want to save the world.

Finn antwortete sofort:

Hab ich es doch gewusst. Es war wahr. Grimms Märchen waren nicht erstunken und erlogen. Irgendwann kommt der Prinz, klopft an meine Tür und legt mir die Welt zu Füßen. Nun war es also so weit. Die siebenjährige Prinzessin in mir freute sich wie Bolle. Sie verfügte über ein derart gesundes Selbstbewusstsein, dass es ihr nur logisch erschien, dass jemand ausschließlich durch den Anblick ihres Profilfotos beschloss, ihr Sugar Daddy zu werden. Ich war kurz davor, mir eine Jumbopackung Kinderriegel zur Feier des Tages zu besorgen, als ich mich erinnerte, dass ich vierzig und voller Selbstzweifel war.

Ich blockierte Finn, beschloss, mir mein Geld selbst zu verdienen und gönnte mir dennoch eine Jumbopackung. Und ihr so?

Mama wandert mit Baby

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