Von Null auf Kindergarten – Eingewöhnung extended version
Tag 3: Die Schnoddernasen sind verschwunden, ei, da sind sie als Magen-Darm-Viren wieder. Tralala lalalala.
Ich mag die Schnoddernasen doch nicht. Denn die eine Schnoddernase hat sich als Magen-Darm-Virus entpuppt. Neben Hand-Mund-Fuß ist das mein persönlicher Kitaendgegner. Ich fragte mich, ob ich den Übergabetermin kommende Woche auf Arbeit schon heute absagen oder doch noch bis kommende Woche warten sollte?
Erstmal lenkt mich Kali ab. Heute zeigte sie sogar Qualitäten eines Apollons. Sie beherrschte sämtliche Gassenhauer des gepflegten PEKIP-Kurses. Sie sang den ganzen Morgen. Außer im PEKIP-Kurs verweigerte ich (nach dem Mobbingvorfall im Herbst) sämtliche Gesangseinlagen im Haus Mamahonk. Ich bin eine sportliche Mama. Basta. Keine Bastelmama, keine Rollenspielmama und eben auch keine Singmama. Wenn’s hochkommt, eine Backmama. Ach ja, eine Gesellschaftsspielmama auch.
Doch als Kali anfing Evergreens wie „Mit den Fingerchen, mit flacher, flacher Hand“, „Zehn kleine Fingerlein“ und „Meine Hände sind verschwunden“ anzustimmen, ertappte ich mich dabei, wie ich mitsang und adäquate Handgymnastik vollführte. Fünkchen war die Irritation anzusehen. Hin und hergerissen zwischen dem Wunsch, Kalis Gesang mit fröhlichen Handbatschen zu begleiten und dem dringenden Bedürfnis, mein Gebrumme mit flehendem Weinen zu beenden, haute sie sich ihre Händchen vor die Augen. Was dann ungefähr so aussah.
Langsam fragte ich mich, ob ich Fünkchen in der Elternzeit etwas vernachlässigt hatte. Meine Tochter blühte in der Kita regelrecht auf. Sie lachte und warf die Ärmchen um sich. Neugierig erkundete sie den Raum und beobachtete die anderen Kinder. Sie meckerte nicht mal, als ich abwechselnd zwei Schnoddernasen auf meinen Knien hoppereiterte. Auch heute ließ sie sich ohne Wimpernzucken von den Erzieherinnen wegtragen. Wenigstens fror ich diesmal nicht. Hatte mir extra zwei Vliesjacken angezogen.
Als wäre es gestern erinnerte ich mich an das Weinen und Klammern meiner großen Tochter. Das redete ich mir immer mit einer sicheren Bindung an mich schön. Doch was sagte es über Fünkchens Bindung an mich aus, wenn sie, ohne sich umzuschauen, davonmarschierte? Ok, ich wollte die Bälle flach halten. Die Königsdisziplinen – Mittagsschlaf und Andertürabgeben – standen noch aus. Und wenn ich mich recht erinnerte, kamen Knopfs Tränen auch erst später.
Trotzdem. Während der unvermeidbaren, dringend notwendigen und gefürchteten Trennung blieb Fünkchen gelassen und ich stolperte wieder hektisch durch die Gegend. Diesmal in einen nahen gelegenen Supermarkt. Tagsüber ohne Kind dort aufzuschlagen, fühlte sich wie ein Verbrechen an. Unsicher warf ich einen Blick über die Schulter. War da nicht doch irgendwo ein Baby, das nach einer Mama rief? Ich hätte Kapazitäten. RUF NACH MIR! DU BRAUCHST MICH! UND ZWAR NUR MICH!
Doch alles blieb still. Nur das dämliche Piepen eines rückwärtsfahrenden LKWs erinnerte mich daran, einzukaufen. Vor Schreck…ich schwöre…kaufte ich Schokoladenvorrat für die nächsten drei Monate. Bei meiner Rückkehr in die Kita reichte Kali mir ein zufriedenes Baby in die Hände.
Lediglich die Rucksackaffäre macht mir zu schaffen: Ich vergaß Fünkchens Rucksack in der Kita. Selbstverständlich fehlte an diesem Tag der Rucksack eines Kindes in der Kita. Sofort geriet ich in den Verdacht, sie vertauscht zu haben und erhielt einen Anruf. Dabei wollte ich meine genetisch bedingte Verpeiltheit doch wenigstens bis zum Ende der Eingewöhnung von Fünkchen vor den Erzieherinnen verheimlichen.





es ist wirklich erstaunlich wieviel Schnodder aus einem einzigen Kind herauskommen kann.